Dora Maar, Camille Claudel, Lou Andreas-Salomé – "die Frau an der Seite des Künstlers" ist ein beliebtes Sujet. Dahinter steht meist die Intention, diese Frauen aus dem männlichen Bezugsrahmen herauszulösen und ihr eigenständiges Denken und Schaffen in den Vordergrund zu rücken. Zelda Fitzgerald eignet sich dafür ganz besonders. Viele Bücher, teils biografischer, teils fiktionaler Natur, haben sich dieser zum Mythos avancierten Figur angenähert, dieser jungen Frau, die schrieb, trank und tanzte und gemeinsam mit ihrem Mann Scott zum Inbegriff der Lost Generation, der Roaring Twenties, des Jazz Age wurde.

Viel ist in Zelda Fitzgerald gesehen worden: eine feministische Ikone, das erste It-Girl, eine begabte Literatin, eine ausgebeutete Muse oder einfach nur eine tragische Figur, die nach 18 Jahren in der Psychiatrie bei einem Brand umkam. Für welche Rolle sie als Projektionsfläche herhielt und herhält, verrät vielleicht mehr über den jeweiligen Zeitgeist als über ihre reale Person. Umso interessanter, dass Zelda nun, beinahe 70 Jahre nach ihrem Tod, wieder en vogue ist. Im vergangenen Herbst wurde bekannt, dass sowohl Jennifer Lawrence als auch Scarlett Johansson an Planungen für Biopics beteiligt sind. Nun ist Christina Ricci ihren Kolleginnen zuvorgekommen: Sie ist Hauptdarstellerin und zugleich Co-Producerin der Serie Z – The Beginning Of Everything, die nun auf Amazon läuft.

Doch schon die Titelgebung macht stutzig: "I love her and it is the beginning of everything", mit diesem Zitat Scott Fitzgeralds wird zu Beginn der ersten Folge der Untertitel erklärt. The beginning of everything? Wie war das gleich mit dem männlichen Bezugsrahmen? Doch bevor wir uns weitere Gedanken machen können, sehen wir die junge Zelda Sayre auch schon waghalsig in den See springen, ihre kichernden Freundinnen rudern ängstlich zur Seite, doch diese Frau hat alles im Griff, auch ohne Badeanzug. Mit Schleifenhut und Löckchen entspricht sie nur rein äußerlich dem Idealbild der kultivierten Southern Belle: Zelda Sayre ist die Lauteste auf der Straße, die Späteste am elterlichen Esstisch, die Begehrteste auf der Tanzfläche – auf der sie versucht, die schläfrige Idylle ihres Heimatorts Montgomery zu sprengen.

Enervierende Coolness

In einem ihrer superlativischen Momente (diesmal als anmutigste Ballerina des Abends) trifft Zelda auf Scott, ein Blick, ein Tanz, zwei Schlucke Whiskey, und damit auch ja keine stereotype Romantik aufkommt, leitet sie das erste Gespräch mit der Frage ein: "Wie stehen Sie zur freien Liebe?"

Die schönste, schlagfertigste und unkonventionellste Frau Montgomerys trifft also auf den schönsten, geheimnisvollsten und charismatischsten Leutnant der benachbarten Kaserne. Beide teilen den Hass gegen Konventionen, die Liebe zur Literatur und es dauert drei Folgen, da haben sie auch schon geheiratet. Das entspricht soweit der dokumentierten Dynamik dieses Paars, das von nun an im New Yorker Biltmore Hotel lebt. Doch spätestens, als Zelda ihre eigene Hochzeitsparty crasht und – wieder einmal nackt – ihren Gästen erklärt, sie wolle nun ihren Ehemann für sich haben, fragt man sich: Wann hat diese enervierende Coolness bitte, bitte ein Ende?

Es dauert nicht lange. Dem Zwist, der nach der ersten Verliebtheit einsetzt, widmen sich die übrigen der insgesamt zehn Folgen: So selbstsicher Scott anfangs noch auf Zweifel an seinem Erfolg reagiert ("Du wirst also der nächste Mark Twain?" – "Ich werde der nächste F. Scott Fitzgerald"), so parodistisch scheint es, wenn er sich im Folgenden nur noch mit einem zu helfen weiß: Der Gin ist schon bald nicht mehr das lässige Accessoire zum Schaumbad, aus dem Glas wird immer häufiger die Flasche. Und auch, wenn sein zunehmender Alkoholismus der Überlieferung entspricht, ist die eindimensionale Darstellung eines der einflussreichsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts als cholerischer Trinker für Fans enttäuschend, für alle anderen schlichtweg langweilig. Dem durchaus facettenreichen Spiel David Hoflins wird sie ebenso wenig gerecht.

Schwarze Spitze statt rosa Rüschen

Zelda, und das ist zumindest aus modischer Sicht interessant, verwandelt sich derweil zum Flapper: jenem Typus junger urbaner Frauen der Zwanziger, die dem Gebot weiblicher Keuschheit ein offen zelebriertes Sexualleben, der Prohibition zum Trotz öffentlichen Alkoholgenuss und dem opulent-femininen Äußeren des Gibson Girls kurze Röcke, kurze Haare und kontrastreiche Schminke entgegensetzen. Schwarze Spitze ersetzt bald Zeldas rosa Rüschen, die Lockenpracht wird abgeschnitten. Und das bleibt auch der größte Spaß an Z: einer jungen Frau dabei zuzusehen, wie sie sich aus der Starre des einschränkenden Weiblichkeitsimagos befreit, mit dem sie aufgewachsen ist.