"Hindafing"

Wenn eine Serie als das "bayerische Fargo" angekündigt wird, kann das eigentlich nur nach hinten losgehen. Tut es aber nicht. Schon nach dem Vorspann fragt man sich: Sieht so eine BR-Produktion aus? Nein, tut sie nicht. Der coole Anstrich von Hindafing ist der Kooperation mit der Hochschule für Film und Fernsehen geschuldet (beide Kameraleute studieren an der HFF) sowie dem Einfluss der Münchner Produktionsfirma Neue Super, die schon mit der ZDFneo-Serie Blockbustaz einen unkonventionellen TV-Blick bewiesen hat. Hindafing zeigt, was herauskommt, wenn Produzent, Regisseur und Drehbuchautor gemeinsam in einem Writers Room an den Büchern arbeiten: eine rasant erzählte, schwarzhumorige Schelmengeschichte aus dem Hinterland der A9.

Es geht um einen Bürgermeister (Maximilian Brückner), der Crystal-Meth-abhängig ist, hoch verschuldet, es allen recht machen will und es sich damit mit allen verdirbt. Das Meth-Labor und die Sparkasse sind in einem Wohnwagen untergebracht und stehen in einer Landschaft, die es an Trostlosigkeit ohne Weiteres mit den Landschaften aus Fargo oder Breaking Bad aufnehmen kann. In diesem Bayern blüht gar nichts: Der vom Bürgermeister initiierte Windpark steht als kopfloser Betonpfeiler auf der Wiese, es gibt ein marodes Fußball-Vereinsheim, ein überdimensioniertes Bio-Einkaufszentrum und ein gruseliges Beton-Rathaus, wie es nur deutsche Siebziger-Jahre-Architektur hervorbringen konnte.

Großartig ist die Serie vor allem deshalb, weil sie Themen wie Flüchtlingsunterbringung, Gammelfleischskandale, Panama Papers, Demenz und Korruption federleicht und wie nebenbei unterzubringen versteht. Dazu groovt völlig losgelöst ein Freejazz-Soundtrack. Maximilian Brückner als manischer Bürgermeister erinnert in seinen besten Momenten – um einen weiteren Superlativ zu bemühen – an Franz Xaver Kroetz' legendären Baby Schimmerlos aus Kir Royal. Kurz: Für Süddeutsche ist Hindafing ein Muss, für alle anderen wünscht man sich vom BR höchstens noch Untertitel. (Carolin Ströbele)

"Hindafing": Die sechs Folgen sind auf br-online abrufbar, ab 16. Mai laufen sie jeweils dienstags in Doppelfolgen um 20.15 Uhr im Bayerischen Rundfunk.