Der Film The Square des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund hat beim 70. Filmfestival von Cannes die Goldene Palme erhalten. Das Werk erzählt von einem Museumskurator, dessen Leben außer Kontrolle gerät, als er sein Handy verliert. Regisseur Ruben Östlund wirft dabei Fragen zu Moral, Männlichkeit und Bigotterie der bürgerlichen Schicht auf. Es ist die erste Goldene Palme für einen Film aus Schweden.

Den Preis für die beste Schauspielerin erhielt Diane Kruger für ihre Rolle in dem NSU-Drama Aus dem Nichts von Fatih Akin. Für den in Niedersachsen geborenen Hollywoodstar war es die erste Rolle in einem deutschen Film; das blonde Ex-Model spielt in der Regel in großen US-Produktionen mit. Kruger spielt in dem Drama eine Mutter, deren kurdischstämmiger Mann und Sohn von Neonazis ermordet werden. Es ist der erste Preis in Cannes für eine deutsche Schauspielerin seit 1986, als Barbara Sukowa für Rosa Luxemburg von Margarethe von Trotta gewann.

Zu ihrer Rolle in Aus dem Nichts sagte Kruger, der Film habe ihr Leben verändert. "Ich bin unheimlich stolz und freue mich so, dass ich den Preis für meinen ersten deutschen Film bekommen habe." Es sei ihr Traum gewesen, mit Fatih Akin zu drehen, der mit seinen Werken schon ihre Jugend geprägt habe, sagte Kruger. Sie habe sich sehr gefreut, dass er diese Rolle für eine Frau mit so viel Emotion und Kraft geschrieben habe: "Er ist mein Bruder."

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) gratulierte Diane Kruger und ihrem Regisseur Fatih Akin zu deren Erfolg: "Diane Kruger gibt ihrer Figur der Katja Sekerci eine berührende Tiefe." Die Auszeichnung in Cannes setze ein Zeichen gegen die Gleichgültigkeit gegenüber Opfern von Fremdenhass: "Die Antwort auf Renationalisierung, Schneckenhaus und Abgrenzung kann nur lauten: Mut zu einer modernen, weltoffenen Gesellschaft und zu einem verantwortungsvollen Miteinander."

Preise für Phoenix und Sofia Coppola

Als bester Schauspieler wurde Joaquin Phoenix für seine Leistung in Lynne Ramsays Thriller You Were Never Really Here ausgezeichnet. Für die beste Regie bekam Sofia Coppolas Film Die Betörten einen der Hauptpreise. Der Große Preis der Jury ging an 120 Battements Par Minute von Robin Campillo. In diesem Jahr gab es zwei Preise für das beste Drehbuch: für The Killing of a Sacred Deer von Giorgos Lanthimos und You Were Never Really Here. Der Preis der Jury ging an den Film Loveless des russischen Regisseurs Andrej Swjaginzew. Die Goldene Palme für den besten Kurzfilm erhielt die chinesische Produktion A Gentle Night. In den Wettbewerb um die Goldene Palme waren 19 Spielfilme gegangen.

Präsident der Jury des 70. Internationalen Filmfestivals in Cannes war der spanische Regisseur Pedro Almodóvar. Zur neunköpfigen Jury gehörten auch die deutsche Regisseurin Maren Ade (Toni Erdmann), die US-amerikanische Schauspielerin Jessica Chastain, die chinesische Schauspielerin Fan Bingbing, die französische Schauspielerin Agnès Jaoui, der südkoreanische Regisseur Park Chan Wook, der US-amerikanische Schauspieler Will Smith, der italienische Regisseur Paolo Sorrentino und der französische Komponist Gabriel Yared.

Im Nebenwettbewerb "Un certain regard" erhielt der regierungskritische iranische Regisseur Mohammad Rasulof den Hauptpreis für seinen Film Lerd, der die Korruption in seinem Heimatland anprangert. Darin geht es um Resa, einen einfachen Mann, der sich gegen ein korruptes privates Unternehmen auflehnt, das die Bewohner eines Dorfes dazu bringt, ihren Besitz zu verkaufen. Rasulof hatte den Film persönlich in Cannes vorgestellt. 2011 hatte er den Regiepreis im Nebenwettbewerb nicht persönlich entgegennehmen können, weil er im Iran inhaftiert war.