Politische oder inhaltliche Entscheidungen, die über eine weitere interne Diskussion der Zahlen hinausgehen, will keine der Anwesenden auf dieser Podiumsdiskussion treffen. Eine Quote lehnen die Gäste ab. Sie sei "das allerletzte Mittel", sagt etwa die ARD-Vorsitzende Karola Wille. Entscheidender sei, dass es ein Bewusstsein dafür gebe. Auch Petra Müller, die Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung in Nordrhein-Westfalen und weiteren Filmförderanstalten, schrecke vor einer Quote zurück. "Es geht um einen Bewusstseinsprozess", sagt auch sie.

Es wäre schön, wenn irgendjemand definieren würde, was genau unter diesem Bewusstsein zu verstehen ist und ob es wirklich fehlt. Die Moderatorin Petra Gerster versucht mehrfach, die Podiumsgäste aufzurütteln, spricht auch die Situation in ihrer eigenen heute-Redaktion an. Dort sei das Geschlechterverhältnis  zwar ausgewogen, in den Ebenen darüber gebe es aber nur noch Männer. Der ZDF-Intendant Bellut bestätigt das kleinlaut.

Am Ende verlässt man die einstündige Veranstaltung mit dem Gefühl, gerade eine Zeitreise unternommen zu haben. Hätte die Präsentation der Studie anders ausgesehen, wenn sie in den Siebzigern stattgefunden hätte? Auf dem Podium wären wohl weniger Frauen und ältere Männer gewesen. Die Debatte wäre aber vermutlich kaum anders verlaufen.

Anstatt über Bewusstsein zu fabulieren, hätten die Verantwortlichen gezielt Strukturen ankündigen können, wie man Frauen fördern und in neuen Rollen präsentieren kann – als Expertinnen oder auch einfach nur als komplexe Figuren. Mehr noch: Wenn es um eine generelle Abbildung von Gesellschaft in Film und Fernsehen gehen soll, um Vorbilder für alle, dann kann es nicht das Ziel sein, einfach mehr schöne, junge, weiße Frauen vor die Kamera zu bringen. Dann muss es konsequenterweise auch dicke Frauen, hässliche Frauen, alte Frauen, böse Frauen oder Frauen mit ganz unterschiedlichen soziokulturellen Hintergründen geben, als Heldinnen und Antiheldinnen. Und nicht nur die: Auf der Bildfläche fehlen bislang völlig Menschen, die sich der binären Geschlechtervorstellung entziehen. Auch das anzuerkennen und abzubilden gehört zu Geschlechterdiversität. Von all dem ist man im Fernsehen und im Film 2017 aber noch weit entfernt.

So muss man sich vermutlich schon freuen, dass es überhaupt wieder eine Studie gab, die das Thema auf den Tisch gebracht hat. Dass es überhaupt um Frauen ging. Man muss hoffend applaudieren, dass diesmal vielleicht wirklich alles anders wird und das Bewusstsein in Handlungen mündet. Mit einer Flucht in andere Medienangebote jenseits der verkrusteten Strukturen macht man es den Sendern nämlich zu einfach. Am Ende, das darf man bei all dem nicht vergessen, wird das alles zu großen Teilen mit öffentlichen Mitteln finanziert.