Bis zu den Knien steht Fredo Schulz in der kalten Nordsee, die Flasche Wodka fest umschlungen. Er will sich ertränken, im Wasser oder im Alkohol, egal. Er schreit die Flut an, will, dass sie ihn mitnimmt. Er will verschwinden.

Verschwunden sind auch die beiden Mädchen, die Schulz, der Polizist, hätte finden müssen. Schulz ist sich sicher, dass Roland Bischoff die Kinder entführt, missbraucht und wahrscheinlich ermordet hat. Beweisen kann er es nicht. Wegen Bischoff wurde Schulz vom Dienst suspendiert. Als dieser ihm bei der Frage nach den beiden Kindern dreckig ins Gesicht lachte, schlug er zu.

Nun soll Schulz zurückkommen nach Berlin. Den Ermittlern helfen, Ashley zu finden, eine Siebenjährige, die vor einer Eisdiele in einen weißen Lieferwagen gezerrt wurde und seitdem nicht wieder aufgetaucht ist. Zurück blieb nur ein kleines Papierschirmchen. Schulz willigt ein und versucht, so nüchtern wie möglich, seine Arbeit an dem Fall fortzusetzen.

Ein Duell zwischen Rohde und Prahl

Der gute Bulle heißt der Fernsehfilm von Lars Becker und mit der Titelrolle hat er seinen Stammschauspieler Armin Rohde besetzt, mit dem er bereits 23 Filme gedreht hat, darunter die Krimireihe Nachtschicht. Ungewöhnlich an diesem neuen TV-Film ist die Besetzung von Rohdes Gegenspieler: Roland Bischoff wird gespielt von Axel Prahl, den man sonst aus dem Tatort aus Münster als unbeholfenen Kommissar Frank Thiel kennt, als Inbegriff der Harmlosigkeit. Bei Becker ist er nun der rachsüchtige, manipulative Kinderschänder. Und Prahl stellt diese Rolle so eindrucksvoll dar, dass man sich ihn schwer wieder in seinem St.-Pauli-Shirt an der Seite von Professor Boerne vorstellen kann. 

Zwischen Schulz und Bischoff beginnt ein Duell, bei dem sich Schulz so sehr auf seinen verhassten Antagonisten konzentriert, dass er wichtige Hinweise übersieht. Irgendwann schafft er es durch eine List, bei der nicht klar ist, ob sie ernsthaft durchdacht oder im Suff entstanden ist, den Verbrecher aus der Reserve zu locken. Da geht der Kampf erst richtig los, denn zu verlieren haben sie nun beide nichts mehr.

Wie sich diese beiden Männer mit all ihrer Rachsucht, ihrem Hass und ihren Schuldgefühlen bekämpfen, ist das Kernstück des Films. Schulz muss daneben noch mit seiner Alkoholsucht kämpfen. Er hält Therapiesitzungen mit sich selbst ab, bei denen er mit veränderter Stimme sowohl sich als auch die Gruppe der Anonymen Alkoholiker spielt. Das wirkt fast surrealistisch, mindestens skurril und reißt aus der krimiüblichen Handlung heraus.

Auf die kommt Becker leider gegen Ende wieder zurück, wenn Schulz dem Psychopathen Bischoff die Hand reichen muss, um die vermisste Ashley zu finden. Hier entwickelt sich der Pädophilen-Fall zu einem arg hinkonstruierten Familiendrama. Das ist schade, denn die beiden Hauptdarsteller hätten die Handlung ohne Weiteres getragen. Auch zur lakonischen Erzählweise Beckers passt die künstlich verstrickte Handlung nicht. Nie ziehen sich Dialoge zu lang hin, die Augen der Kontrahenten sprechen genug.

Am Ende wird Schulz sein Versprechen einlösen, mit diesem Fall fertig zu werden. Ob er es mit seinem eigenen Leben schaffen wird, bleibt offen. Die Nordsee lässt er hinter sich. 

"Der gute Bulle" läuft am 25. September um 20.15 Uhr im ZDF.