In Russland hat die Ankündigung des Kinofilms Matilda zu gewaltsamen Protesten und Festnahmen geführt. Zudem drohen Aktivisten russischen Kinos mit Brandstiftung, sollten der Film dort gezeigt werden. Matilda soll am 26. Oktober anlaufen, große Kinoketten haben aber bereits angekündigt, sie würden den Film aus Sicherheitsgründen nicht ins Programm nehmen.

Im Zuge der Proteste gegen den Film nahm die Polizei den Anführer einer ultraorthodoxen Splittergruppe fest. Das gab Irina Wolk vom Innenministerium in Moskau bekannt. Zuvor war schon Alexander Kalinin, Chef der weitgehend unbekannten Gruppe Christlicher Staat, von der Polizei verhört worden. Dabei ging es um die Frage, wie er zu dem Film stehe. Außerdem wurde Kalinin zu einem Vorfall Mitte September befragt, bei dem zwei Autos vor dem Büro des Anwalts von Regisseur Alexej Utschitel in Flammen aufgegangen waren. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit der Kritik an Matilda.

Im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf Autos waren am Mittwoch mehrere Verdächtige wegen Vorwürfen der Sachbeschädigung festgenommen worden. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der Agentur Ria Nowosti zufolge bekannte sich mindestens einer der Festgenommenen zu dem Anschlag. Die Agentur Interfax hatte zudem berichtet, dass Kalinin nach der Vernehmung vorübergehend wieder freigelassen worden war. 

Der Zar und die Tänzerin

Der von orthodoxen Hardlinern angefeindete Film erzählt von der Beziehung zwischen dem russischen Thronfolger und späteren letzten Zaren Nikolaus II. mit der polnischstämmigen Tänzerin Matilda Kschessinskaja. Kritiker verurteilen den Historienfilm mit dem deutschen Schauspieler Lars Eidinger in der Hauptrolle als Sakrileg, weil der 1918 ermordete Zar von der russisch-orthodoxen Kirche heilig gesprochen worden ist.

Kulturminister Wladimir Medinski hatte den Film zuletzt überraschend deutlich verteidigt. Nun lobte er auch das Vorgehen des Innenministeriums. "Ich bin sicher, dass sich die Lage bald beruhigt", sagte er. Mehrere Filmverleiher hätten sich an ihn gewandt mit der Bitte, die Sicherheit rund um die Kinoaufführungen zu gewährleisten.