"Mindhunter"

Schon wieder ein Siebziger-Jahre-Setting, schon wieder Emanzipation, Sex und coole Musik vor dem Hintergrund einer angeblich schwerwiegenden gesellschaftlichen Entwicklung. Das hatten wir doch eben erst in David Simons The Deuce? Nun kommt der andere große Serien-David, House-of-Cards-Produzent Fincher nämlich, ebenfalls mit einer Seventies-Hommage zurück ins Seriengeschäft.

Mindhunter erzählt von Finchers Lieblingsthema, nämlich Serienkillern (bereits exzessiv ausgelebt in seinem Sieben-Todsünden-Drama Sieben und dem Serienmörder-Thriller Zodiac). Der junge FBI-Agent Holden Ford (blass: Jonathan Groff) zieht mit seinem Partner, dem abgebrühten Bill Tench (knorzig: Holt McCallany), als Lehrbeauftragter durch die Polizeistationen der USA. Schließlich fängt Ford an, inhaftierte Serienmörder zu besuchen und sich in deren Psyche hineinzuversetzen.

Die beiden Folgen, die vorab zu sehen waren, reizen nicht unbedingt zum Weiterschauen. Man bekommt ein bisschen Schweigen der Lämmer, ein bisschen Copykill und True Detective, aber letztlich bietet Mindhunter keinen Aspekt zum Thema, den man nicht schon anderswo und – mit Verlaub – besser gesehen hätte. (Carolin Ströbele)

"Mindhunter" läuft auf Netflix.

"Star Trek: Discovery"

So mythisch eingefärbt und gut beleuchtet hat man die Wunder des Weltalls noch in keiner Neu-Adaption gesehen wie in Star Trek: Discovery. Auch die Dominanz markiger Männer und ihrer Ego-Probleme ist angenehmerweise klar relativiert; es gibt jetzt zwei Frauen auf den Kommandobrücken. Die Offizierin Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) ist die erste von Vulkaniern erzogene Menschenfrau, die nun im Umgang mit anderen Menschen erst lernen muss, ihre gefühlstaube Verstandesbeherrschtheit zu beherrschen. Das führt zu den üblichen und etwas ermüdenden Kabbeleien zwischen Ratio und Emotion.

Auch sonst werden allbekannte Konflikte abgespult: 100 Jahre, nachdem die Menschheit erstmals den Klingonen begegnete, treffen beide Seiten erneut aufeinander – und geraten direkt in einen Kalten Krieg hinein. Schuld daran sind kulturelle Unterschiede und Missverständnisse und unüberlegtes Handeln von prominenten Figuren – das soll man natürlich als Allegorie auf die gegenwärtigen politischen Verhältnisse lesen. Kampf der Kulturen, Renaissance des Religiösen, Angst vor dem Anderen – alles drin.

Die Hoffnung, dass die Autoren der Serie einmal etwas vollkommen Neues erfinden, wird also auch hier nicht erfüllt. Und so ist auch Star Trek: Discovery nur eine weitere Variation des immergleichen Konflikts zwischen den immergleichen bekannten Völkern und Psychologien, Freunden und Feinden. (Jens Balzer)

Lesen Sie hier die ausführliche Rezension zur Serie.

"Star Trek: Discovery" ist auf Netflix abrufbar.