Das Kino hat ein seltsames Verhältnis zum Sport. Man sollte meinen, dass die beiden aus Zuschauersicht vieles gemeinsam haben: Es gibt Helden und Bösewichter, es soll spannend sein und am Ende einen geben, der den Sieg verdient hat, also ein Happy End, oder eine schmerzliche Niederlage, aus der gelernt werden kann. Trotzdem führt die Nachinszenierung von Sportereignissen nur selten zu einem guten Film. Mit Borg/McEnroe – Duell zweier Gladiatoren wagt sich der dänische Regisseur Janus Metz gleich in mehrfacher Hinsicht weit hinaus: Erstens betritt er mit einem Film über Tennis ein noch weitgehend unerschlossenes Gebiet. Zweitens lässt er mit Björn Borg und John McEnroe zwei Sportler nachspielen, die bekannt waren wie Popstars. Und drittens steht ein einziges Match im Zentrum, ein sogenanntes Jahrhundertspiel, von dem jene, die 1980 dabei waren, noch heute unter Schnappatmung berichten. Nörglern ist da viel Angriffsfläche geboten.

Zum Auftakt nutzt Metz eine bewährte Defensivstrategie: Er stellt seinem Film ein Zitat von Andre Agassi voran, in dem dieser behauptet, jedes Tennismatch sei ein "Leben in Miniatur". Nur für den Fall, dass irgendjemand denken könnte, es ginge hier lediglich um Sport! Zweifelsohne fühlte sich das Wimbledon-Finale 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe für die beiden Kontrahenten nach sehr viel mehr an. Der Film zeigt sie bei den angespannten Vorbereitungen für das Turnier, erzählt zwischendurch in Rückblenden, wie sie sich ihren jeweiligen Spitznamen – "IceBorg" und "SuperBrat" – erarbeitet haben, und rekonstruiert dann das legendäre 5-Satz-Finale als Drama angespannter Gesichter, harter Schläge und ratternder Zahlen auf der Ergebnistafel.

Rein äußerlich macht der Film vieles richtig: Die zeitgenössische Mode mit ihrer Vorliebe für Streifenkragen, eng sitzende Polo-Shirts und knappe Shorts ist liebevoll getroffen. Den kleinen Jungen Björn verkörpert Borgs leiblicher Sohn Leo, für den Erwachsenen hat man mit Sverrir Guðnason einen echten Lookalike gefunden. Und SuperBrat McEnroe wird von Shia LaBeouf gespielt, der dem Vorbild körperlich zwar wenig ähnelt, dafür aber in Hollywood schon des Öfteren durch "unsportliches" Verhalten auffiel. McEnroe (der echte) sagte jedenfalls zu LaBeoufs Besetzung: "Er soll verrückt sein, also funktioniert es vielleicht."

Tatsächlich stellt der Film zwar Björn Borg als rätselhaft verschlossenen Helden ins Zentrum und Sverrir Guðnason leiht dieser Verschlossenheit das passende, weil unbewegte Gesicht. Aber es ist Shia LaBeoufs Interpretation von McEnroe, der dem durchritualisierten Sportprozedere die nötige Lebendigkeit und Spannung einhaucht. LaBeouf zeigt McEnroe als nervösen Charakter, als jemanden, der sich gewissermaßen nicht ganz im Griff hat, zugleich aber genügend Instinkt besitzt, um seine negative Energie zur Stärkung eines schwankenden Selbstbewusstseins zu nützen. McEnroes legendäre Auseinandersetzungen mit den Schiedsrichtern spielt LaBeouf nicht als Anfälle eines Erfolgsverwöhnten, sondern als Ausdruck eines schwelenden Minderwertigkeitskomplexes. Sein McEnroe kämpft beständig gegen das Gefühl an, als Spieler unterschätzt zu werden. Es macht ihn verrückt, wenn in Interviews und auf Pressekonferenzen nur Fragen zu Borg oder seinem Verhalten außerhalb des Tennisplatzes gestellt werden. Nach einem Match mit einem alten Freund, fühlt sich der Unterlegene von McEnroe böse ausgetrickst und prophezeit ihm, dass man ihn nicht wegen seiner Siege in Erinnerung behalten werde, sondern nur wegen seiner Streitereien mit den Schiedsrichtern. LaBeoufs McEnroe erscheint diese Prophezeiung wie ein böser Fluch durch Mark und Bein zu gehen.

Fast ein wenig zu offensichtlich scheinen da die Parallelen zu LaBeoufs eigenem Image als Hollywoods Bad Boy, der sich alle paar Monate öffentlich, und das bedeutet heutzutage per Tweet, für irgendetwas entschuldigen muss. Der in weniger komfortablen Verhältnissen in Los Angeles' Echo Park Aufgewachsene, der seit Jahren zwischen Blockbusterkino wie Transformers und verschrobenem Indie-Kino wie Lars von Triers Nymphomaniac wechselt, machte stets durch bizarre Auftritte außerhalb der Kinos von sich reden. Auf der Berlinale 2014 zog er sich eine Papiertüte mit der Aufschrift "I am not famous anymore" über den Kopf und schritt so über den Roten Teppich. In New York entfernte man ihn wegen auffälligen Verhaltens aus einer Aufführung von Cabaret. In Los Angeles verbannte ihn ein Restaurant wegen Urinierens an der Hauswand. Selbst für seine Entschuldigungen auf Twitter musste sich LaBeouf schon entschuldigen – weil er die Formulierungen von anderen Stars wie Lena Dunham plagiiert hatte.