Eigentlich ist es zum Verzweifeln. Da kam im vergangenen Jahr diese Serie über Teenager beim Streamingdienst Netflix heraus, die so ungefähr alles enthielt, von dem man hatte hoffen können, dass wir es nun endgültig hinter uns gelassen hatten. Die 80er Jahre vor allem. Wie oft sollen die denn noch revivalt werden? Die Popmusik jener Zeit etwa ist derart zu Tode zitiert, dass einem die Ohren bluten beim leisesten Synthesizer-Sound. Oder Filme über die Freuden und Qualen des Jungseins an sich: Die besten hat in den 80ern ja schon alle John Hughes gedreht, Breakfast Club, Pretty in Pink, Ferris macht blau; die über Teenager und/oder Außerirdische und/oder Gruselkram, bei denen Steven Spielberg seine Finger damals im Spiel hatte, als Regisseur (E.T.) oder Drehbuchschreiber (Poltergeist, Die Goonies), mussten auch nicht unbedingt als Referenz wiederentdeckt werden, wirklich gut überdauert haben sie nicht.

Oder Fernsehserien aus unserem Jahrzehnt, die in den 80ern spielen: Halt and Catch Fire und Red Oaks waren am Ende doch eher dünne Ausstattungsorgien. Oder das Comeback von Winona Ryder: Das haben seit 15 Jahren so viele zumeist männliche Autoren herbeischreiben wollen, die circa vor einem Vierteljahrhundert mal unsterblich in die Schauspielerin verliebt gewesen sein müssen, dass sie ans Wahrwerden längst selbst nicht mehr geglaubt haben können.

Dann also tauchte die Netflix-Serie Stranger Things im vergangenen Sommer auf, und alle Albträume wurden wahr. Die 80er Jahre noch mal von vorne, genauer das Jahr 1983, Teenager, Außerirdische, der totale Horror. Eigentlich zum Verzweifeln, vor allem weil diese Serie dann auch noch ziemlich super war. So kommen wir nie aus der Zeitschleife raus.

Und Winona Ryder hatte ihr Comeback, in der Rolle der Mutter des Jungen Will, von dessen unerklärlichem Verschwinden die erste Staffel Stranger Things hauptsächlich erzählte. Will kam am Ende zurück aus dem Zwischenreich der Toten oder Außerirdischen oder Geheimdienstzüchtungen ins fiktive Städtchen Hawkins im US-Bundesstaat Indiana, ein Mädchen namens Barb hingegen nicht, und ein anderes, kahlgeschorenes Mädchen namens Eleven blieb mysteriös. Wenn man sich von der unmittelbar enormen popkulturellen Wirkung von Stranger Things und vor allem dieser Figur Eleven, kurz El, überzeugen wollte und sich in diesen Halloween-Tagen zufälligerweise in den USA aufhält, muss man nur in Kostümläden gehen, da hängen die El-Klamotten und El-Plastikglatzen überall. Und die 13-jährige Millie Bobby Brown, die jene El spielt, war zuletzt der Star eines wunderschönen Musikvideos von The XX, das die britische Band für den Modedesigner Raf Simons und dessen Arbeit bei der Marke Calvin Klein hat drehen lassen. Brown war in dem Video selbstverständlich unglaublich gut. So wie in der Netflix-Serie auch schon.

Der Ghostbusters-Gag musste einfach sein

Deshalb geht das jetzt alles munter so weiter. Stranger Things 2, die zweite Staffel, die jedoch wie ein Filmsequel jene 2 im Titel trägt, ist nun in Gänze bei Netflix erschienen. Statt wie zuletzt acht sind es nun neun Folgen, in denen die Serienerfinder, das Brüderpaar Matt und Ross Duffer, uns zum Gruseln bringen – mit Versatzstücken des Horrorgenres und dem Vintage-Kinderkram der 80er-Jahre, Walkie-Talkies, Videospielarkaden, BMX-Räder.

In der Serie ist wie im richtigen Leben ein Jahr vergangen, Stranger Things 2 spielt im Herbst 1984, und das nutzen die Duffer Brothers gleich fürs weitere Dekorieren ihrer Zitat-Kinderzimmerhölle: Die frühen Filme von James Cameron sind nun eine heftig augenzwinkernde Referenz, im Herbst 1984 kam Terminator in die US-Kinos, weshalb man in der Serie zum Beispiel den Trailer des Films im Fernsehen sieht; und Paul Reiser, der 1986 im von Cameron verantworteten Sequel Aliens – Die Rückkehr mitspielte, taucht als wandelndes filmhistorisches Zeichen in Hawkins auf. Ebenso weidlich wird die Tatsache ausgeschlachtet, dass im Sommer 1984 wiederum die Außerirdischen-Komödie Ghostbusters in Amerika anlief. Will und seine drei Freunde Mike, Dustin und Lucas müssen nicht lange überlegen, was sie zu Halloween anziehen. Drei weiße Nerds und ein schwarzer, das passt so gut, um Ghostbusters nachzumachen, als ob die Duffers diesen Gag vor Langem schon geplant hätten.