Jan Böhmermann hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem ZEIT-Interview nahegelegt, dass es an der Zeit sei, das Amt freizugeben: "Ich bin menschlich enttäuscht von meiner direkten Vorgesetzten", sagte der Comedian und Moderator am Rande seiner Düsseldorfer Ausstellung Deuscthland. "Dass jemand, der so pragmatisch ist wie die Bundeskanzlerin, das nicht schnallt: Es ist zu spät. Ihr selbst passiert, was sie dem Dicken vorgeworfen hat: Du schaffst den Absprung nicht!" Damit spielte Böhmermann auf den langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) an.

Böhmermann forderte von Merkel, sie solle "die Menschen in ihr Schicksal entlassen!" "Man kann das Land auch an sich selbst zurückdelegieren. Und es geht trotzdem weiter. Stärkt die Demokratie auf lange Sicht! In hundert Jahren würden alle sagen: Hut ab!"

Im Gespräch mit dem Feuilleton der ZEIT blickt Böhmermann zurück auf die letzten Wochen, spricht über die Sexismusdebatte, antwortet auf Kritik seines Ziehvaters Harald Schmidt und gewährt Einblick in Tweets, die er sich nie getraut hat, abzuschicken.

Scharfe Kritik äußerte Böhmermann am Spiegel. Das Nachrichtenmagazin titelte vor einigen Wochen: Die unheimliche Macht – wie ARD und ZDF Politik betreiben. Der ZDF-Moderator antwortet darauf: "Allein der Titel schon. Haben ARD und ZDF Barschel ermordet, Maddie entführt und Aids verursacht? Dem Journalisten in mir hat es schon das Herz gebrochen." Beim Spiegel säßen doch "so viele schlaue Festangestellte in ihren Einzelbüros, die es eigentlich besser wissen müssen", so Böhmermann.

Daily Late-Night-Show ist nur Sentimentalität

Von der Idee, täglich auf Sendung zu gehen, habe er sich "nach der Erdoğan-Nummer" verabschiedet, sagte Böhmermann zum ersten Mal. Im April 2016 war Böhmermann wegen eines satirischen Gedichts vom türkischen Staatschef verklagt worden. Das sogenannte Schmähgedicht hatte er in seiner Sendung verlesen.

Böhmermann sagte im Interview: "Ich möchte keine tägliche Late-Night-Show machen." Und weiter: "In der Welt meiner Großmutter, wo das Fernsehen Leitmedium ist, wäre das die richtige Idee. Aber ich gucke ja selber kein Fernsehen mehr. Meinen Tag ordnet mir Twitter ein. Permanent. Ich kenne diese Sehnsucht nach der Daily Late-Night-Show. Aber das ist nur Sentimentalität."