"Godless"

Ein Western, wie er im Lehrbuch steht: Lange Totalen, in denen verletzte, stolze Männer durch die karge Landschaft New Mexicos reiten. Der Outlaw Frank Griffin (Jeff Daniels) terrorisiert die Gegend und jagt Roy Goode (Jack O’Connell), ein ehemaliges Mitglied seiner Bande. Godless kommt ohne die Brutalität von Tarantinos The Hateful Eight oder den Glamour der Science-Fiction-Serie Westworld aus. Dennoch ist dieser Western etwas Besonderes, denn hier stehen die Frauen im Mittelpunkt. 

Seit fast alle Männer der kleinen Minenstadt La Belle bei einem Unglück ums Leben gekommen sind, müssen sich die Frauen allein durchschlagen. Einige von ihnen haben sich ganz gut mit der neuen Selbständigkeit arrangiert, wie Mary Agnes (Merritt Wever), die mit Geschäftspartnern verhandelt und ihren Finger schneller am Abzug hat als jeder andere. Auch Alice Fletcher (Michelle Dockery) hat es bisher ganz gut ohne männliche Hilfe geschafft. Als jedoch der geheimnisvolle Goode bei ihr auftaucht und Unterschlupf sucht, geht sie mit ihm einen Deal ein. Viele Frauen in La Belle würden ihre Selbstbestimmtheit lieber wieder für mehr Sicherheit eintauschen.

Steven Soderbergh hat Godless produziert, Regie führte sein ehemaliger Drehbuchautor Scott Frank. Er lässt sich viel Zeit für seine Erzählung. In fast monochromen Bildern und mit vielen Rückblenden konstruiert er sorgsam die Geschichte eines Ortes, an dem es so etwas wie einen Gott nicht gibt.
(Jana Weiss)

Die sieben Folgen von "Godless" sind auf Netflix abrufbar.


"Manhunt: Unabomber"

Was offenbaren Wörter, die wir benutzen, und Sätze, die wir schreiben, über unseren Charakter, unsere Biografie, unsere Identität? Die forensische Linguistik beschäftigt sich exakt mit diesem Thema, indem sie aufgrund von Erpresserbriefen, Bekennerschreiben oder Verhörprotokollen versucht, auf den Täter zu schließen. Einer der bekanntesten Profiler der US-Kriminalgeschichte, der diese Technik erfolgreich angewandt hat, ist der FBI-Agent James R. Fitzgerald. Er überführte 1996 den sogenannten "Unabomber" ("University & Airline Bomber"). Der Serienattentäter Theodore Kaczynski tötete mit seinen Briefbomben in den USA zwischen 1978 und 1995 drei Menschen und verletzte 23 weitere. 17 Jahre lang kamen die Behörden dem hochintelligenten Mathematiker und erklärten Technikfeind nicht auf die Spur. "Fitz" klammerte sich bei seiner Suche an die Analyse eines 35.000 Wörter umfassenden Manifestes des Attentäters – und war damit erfolgreich. Dass heute, zwei Jahrzehnte später, viele von Kaczynskis Prognosen eingetreten sind, verleiht der Serie überraschende Aktualität.

Sam Worthington als Fitzgerald und Paul Bettany als Kaczynski sind die Antagonisten der achtteiligen Miniserie Manhunt: Unabomber, die jetzt auf Netflix zu sehen ist  – nicht zu verwechseln übrigens mit der ebenfalls dort laufenden Profiler-Serie Mindhunter von David Fincher.

Ähnlich wie The People v. O.J. Simpson: American Crime Story, in dem ein medial überpräsenter Fall aus den 1990ern noch einmal neu und eigenwillig aufbereitet wird, rekonstruiert der Autor Andrew Sodroski auch hier eine Geschichte, deren Ende längst bekannt ist und deren Erfolg auf dem eher trockenen Mittel der Sprachanalyse basiert. Dass Manhunt dennoch enorm spannend ist, liegt vor allem an der raffinierten Erzählweise. In Zeitsprüngen zwischen zwei Handlungsebenen – Fitzgeralds Ermittlungen 1995/96 und dem Aufeinandertreffen mit Kaczynski während dessen Untersuchungshaft 1997 – konstruiert der Regisseur Greg Yaitanes (Dr. House, Grey’s Anatomy, Lost, Prison Break) eine faszinierende Täterjagd.
(Jens Mayer)

Die acht Folgen von "Manhunt" laufen ab 12. Dezember auf Netflix.