"Der Report der Magd"

Stellen Sie sich vor, alle Frauen würden von einem Tag auf den anderen aus ihren Jobs entlassen, ihre Konten eingefroren und die gebärfähigen unter ihnen versklavt, um die Kinder der mächtigen Kommandanten des Landes zu gebären. Was Margret Atwood vor 32 Jahren in ihrem Roman Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale) entwarf, wurde damals mit gelindem Schauder wahrgenommen. Die Serienadaption ihrer Dystopie im Jahr 2017 hat – vor allem in den USA – echtes Erschrecken ausgelöst.

Wenn ein Präsident das Recht der Frauen auf körperliche Selbstbestimmung infrage stellt, wenn seine Regierung einer Behörde verbietet, den Begriff gender zu verwenden, dann sind wir nicht mehr weit davon entfernt, was die Menschen in Atwoods fiktivem Staat Gilead erdulden müssen. Lesben und Schwule gelten dort als gender traitors, als Verräter an ihrem Geschlecht.

Der Report der Magd ist aber nicht nur ein seriengewordener Warnruf, sondern auch ein visuell starker, hoch spannender, zehnstündiger Film mit einem großartigen Schauspielerensemble.

Elisabeth Moss als Magd Offred spielt eine Frau, die ihre Gefühle absolut unter Kontrolle haben muss. Wie sich trotzdem Wut, Verzweiflung, Liebe, Hass, Angst in ihrem Gesicht spiegeln, ist faszinierend und manchmal auch erschreckend. Offred ist keine Heldin, aber sie hat den unbedingten Willen, dieses System zu überleben. Sich nicht den Bastarden dieser Welt zu unterwerfen. Die sind in Gilead im Übrigen keineswegs nur Männer.
(Carolin Ströbele)

Der "Report der Magd" läuft auf Entertain TV, dem Streamingportal der Telekom.