In einem großartigen Sketch schildert die Komikerin Amy Schumer, wie einseitig die Rollen für Frauen in Hollywood sein können. Steve Buscemi moderiert darin die Verleihung des Oscars an die beste Hauptdarstellerin und präsentiert den üblichen Clip mit den Nominierten, gespielt von Julianne Moore, Jennifer Hudson, Maggie Gyllenhaal, Laura Linney und Schumer selbst: Zu sehen ist fünfmal eine hysterische Frau am Telefon, die zu Hause hockt und auf ihren Mann wartet, während der gerade den Helden spielt. In dem Sketch gewinnt Schumer am Ende den Preis und hält eine Rede (natürlich per Telefon). Sie bedankt sich bei den Drehbuchautoren für die "dynamische Rolle". "Ohne euch wären wir nicht in der Lage, ans Telefon zu gehen", sagt sie. "Danke!"

Das ist kaum übertrieben. Hollywood tut sich schwer damit, dreidimensionale Charaktere für Frauen zu schaffen. Die Kultur Hollywoods, die jetzt für Empörung sorgt, eine Kultur des Sexismus, spiegelt sich natürlich im Kino wider und oft genug haben Männer ihrer Macht über Frauen auch auf der Leinwand Ausdruck verliehen. Dennoch brachte dieselbe Kultur jüngst so vielseitige und starke Leinwandfrauen hervor wie eine starke Halbgöttin, die Frieden in die Welt bringen will (Wonder Woman); eine lesbische Tennisspielerin, die sich dafür stark machte, dass Frauen Respekt in allen Bereichen der Gesellschaft verdienen (Billie Jean King); und eine wütende Mutter, die Molotowcocktails baut (Mildred Hayes). Selbst in Star Wars greifen Frauen jetzt nach der Macht und eine folgt als Jedi-Schülerin Luke Skywalker nach. Darüberhinaus hat das Geena Davis Institut für Gender in Medien ausgezählt, dass Filme mit weiblichen Hauptfiguren 2015 mehr Geld einbrachten als Filme mit männlichen. Diesen Sommer spielte allein Girls Trip, eine Komödie mit einem schwarzen Frauencast, in den USA mehr als 115 Millionen Dollar ein.

Die Filme belegen, dass die Zuschauer Filme mit weiblichen Protagonisten sehen wollen. Man kann sie nicht mehr als "Weiberfilme" abtun, meint der Regisseur Paul Feig, der im vergangenen Jahr den Ghostbusters-Reboot mit vier Geisterjägerinnen ins Kino brachte. Und auch hinter der Kamera engagieren sich mehr und mehr Frauen und Männer in Hollywood gegen den tief verwurzelten Sexismus der Branche.

Tut sich also etwas im Boys Club von Hollywood? Wird sich die Rolle der Frau im Hollywoodfilm endlich verändern?

Bildgewaltiger Kampf der Geschlechter

Der Kampf der Geschlechter spielte sich dieses Jahr im Kino ganz buchstäblich ab: In Battle of the Sexes ging es um das ebenso reale wie legendäre Tennismatch zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs, der im Jahr 1973 Frauen wie sie "zurück an den Herd" schicken wollte. Das Match, das King gewann, machte die Tennisspielerin zu einer feministischen Symbolfigur. Nun würden heute nur noch wenige behaupten, dass sich seit den 1970er-Jahren die beruflichen Aussichten für Frauen nicht deutlich verbessert haben. Doch andererseits erinnerte der jüngste US-Wahlkampf, in dem eine ernst zu nehmende Politikerin und ein chauvinistischer Showman gegeneinander antraten, noch nach 43 Jahren erschütternd deutlich an den Kampf zwischen King und Riggs.

Das kulturelle Erbe alter Zeiten wiegt schwer. Noch immer tauchen sexy Geschäftsfrauen, treue Ehefrauen und jungfräuliche Sidekicks in Filmen auf, ebenso wie das süße Mädchen, das sinnleere Männerexistenzen wieder lebenswert macht. Einer US-Studie zufolge gibt es in Filmen weniger Frauen- als Männerrollen. Und 2016 spielten nur in 29 Prozent der 100 umsatzstärksten Filme Frauen die Hauptrolle. Dennoch war das gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um sieben Prozent – neuer Rekord. Im Vergleich dazu spielten in 54 Prozent der ausgewerteten Filme Männer die Hauptrolle (der Rest waren Ensemble-Casts).

Dieselbe Studie hat nachgewiesen, dass weibliche Figuren weniger zu sprechen haben als männliche und auf eine Weise dargestellt werden, die Stereotypen verstärkt. "Männer werden in Drehbüchern gerne als 'stark und selbstbewusst' beschrieben", bestätigt die Comedy-Schauspielerin Melissa McCarthy im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Hätte sie hingegen eine starke Frau zu spielen, wäre ihre Rolle "zickig und herzlos".