Eine Gruppe von Menschen steht im Zimmer, ausschließlich Männer in dunklen Anzügen. Als die hohe Flügeltür sich öffnet, drehen sich alle um. Die Kamera folgt der Perspektive derjenigen, die eintritt. Eine Frau, die einzige Frau im Raum. So, wie die Kameratotale die Männerversammlung zeigt, hat sie zumindest etwas Einschüchterndes, wenn nicht gar Bedrohliches. Wie eine Mauer, ein Bollwerk.

In Steven Spielbergs neuem Film Die Verlegerin, dem gute Chancen auf den Oscar in den Kategorien Bester Film und Beste Hauptdarstellerin eingeräumt werden, ist diese Szene gleich mehrmals zu sehen. Der große Raum voller mächtiger Männer, die skeptisch bis irritiert auf die eintretende Frau blicken, ist das Leitmotiv des Films: Da ist eine Frau, der man nicht zutraut, die Fähigkeiten zu besitzen, das zu tun, was ihrer Position entspricht.

Die Frau, das ist Katharine "Kay" Graham, Verlegerin der Washington Post. Ihr Vater Eugene Meyer hatte das Blatt 1933 erworben und zu einer angesehenen Zeitung ausgebaut. Allerdings litt Die Post (wie der Filmtitel im Original heißt) lange darunter, im Vergleich zur New York Times als Provinzblatt abgestempelt zu werden. 1946 übernahm Phil Graham die verlegerischen Geschäfte. Nachdem der schwer depressive Mann 1963 seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hatte, setzte sich Kay gegen den Rat der Mitarbeiter und ihrer Familie an die Spitze des Verlags. Spielbergs Film beruht also auf wahren Begebenheiten. Die Drehbuchautoren Liz Hannah und Josh Singer stützen sich vor allem auf die Memoiren Kay Grahams und des damaligen Washington-Post-Chefredakteurs Ben Bradlee.

Aus diesen Recherchern ist ein Film von großer innerer Spannung entstanden, der sich erfreulich viel Zeit nimmt und jeden Anflug von nationalem Pathos mit Ironie konterkariert. Natürlich ist Die Verlegerin auch ein Film, der von seinen glänzenden Darstellern getragen wird. Meryl Streep als Kay Graham verkörpert eine Frau, deren Verunsicherung im gleichen Maß schwindet, wie ihren Entscheidungen Widerstand entgegengesetzt wird.

Wir schreiben das Jahr 1971. Der Vietnamveteran Daniel Ellsberg (Matthew Rhys), der in einem Thinktank des Verteidigungsministeriums arbeitet, fotokopiert heimlich rund 7.000 Seiten hochbrisanten Materials. Die sogenannten Pentagon-Papiere belegen, dass vier amerikanische Präsidenten, von Truman bis Johnson, die Öffentlichkeit in Bezug auf die Vietnampolitik der USA und deren Konsequenzen bewusst belogen haben. Auftraggeber der Studie ist der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara (Bruce Greenwood), pikanterweise der engste persönliche Freund Kay Grahams.

Die New York Times druckte Auszüge aus den Dokumenten; die Nixon-Administration setzte zwei Tage später eine einstweilige Verfügung durch, die weitere Veröffentlichungen unter Hinweis auf die nationale Sicherheit untersagte. Die Papiere landeten bei der Washington Post. Und an diesem existenziellen Punkt, in diesen entscheidenden Stunden, begleitet der Film seine Figuren: Drucken oder nicht drucken? Die Existenz der Zeitung und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter aufs Spiel setzen? Oder darauf hoffen, dass das Bundesgericht die Pressefreiheit über die Interessen der Regierung stellt?