Wurde nicht als Regisseurin nominiert: Greta Gerwig. © Greg Doherty/Getty Images

Die Dankesreden ähnelten sich in diesem Jahr mehr als sonst, der Satz "Die Zeit ist um" folgte wie das Amen im Gebet, es war fast schon zu mechanisch. Doch dann kam Oprah Winfrey. Die Schauspielerin und US-Talkshow-Queen nahm den Cecil-B.-DeMille-Preis für ihr Lebenswerk entgegen. Sie lieferte eine gewaltige Rede, eine Kampfansage, ähnlich der von Meryl Streep im vergangen Jahr, als die Schauspielerin Donald Trumps Politik geißelte.

Winfrey erinnerte sich an den Schauspieler Sidney Poitier ("der eleganteste Mann, den ich je gesehen habe"); er hatte, als sie noch ein kleines Mädchen war, einen Oscar bekommen und später auch den Cecil B. DeMille Award. "Es ist mir nicht entgangen, dass in diesem Moment einige kleine Mädchen zusehen, während ich die erste schwarze Frau bin, die diesen Preis erhält." Winfrey betonte: "Die Wahrheit auszusprechen, ist das mächtigste Instrument, das wir haben." Dann zollte sie den Frauen Tribut, die "jahrelang misshandelt und angegriffen" wurden. "Weil sie wie meine Mutter, Kinder haben, die sie füttern, und Rechnungen bezahlen und ihre Träume verfolgen."

Die Moderatorin erzählte auch die Geschichte von Recy Taylor, einer schwarzen Frau, die 1944 von sechs weißen Männern vergewaltigt wurde und deren Geschichte kürzlich in dem kraftvollen Dokumentarfilm The Rape of Recy Taylor erzählt wurde. "Ich möchte, dass alle Mädchen hier und jetzt wissen, dass ein neuer Tag bevorsteht! Und wenn dieser neue Tag endlich anbricht, wird es der Verdienst einer Menge großartiger Frauen sein, von denen viele heute Nacht hier in diesem Raum sind. Und einige ziemlich phänomenale Männer, die hart kämpfen, um sicherzugehen, dass sie die Vorbilder werden, die uns in die Zeit bringen, in der niemand jemals wieder 'MeToo' sagen muss." 

Ach ja, die Filme

Bei den Auszeichnungen gab es an diesem Abend viele Überraschungen. So konnte sich das politisch ambitionierte NSU-Drama Aus dem Nichts von Fatih Akin mit Diane Kruger in der Kategorie bester nicht englischsprachiger Film gegen seine schärfste Konkurrenz, Ruben Östlunds Satire The Square, durchsetzen.

Der absolute Favorit mit sieben Nominierungen, Guillermo del Toros zärtliche Monster-Fisch-Romanze Shape of Water – Das Flüstern des Wassers gewann den Globe für die beste Regie und den besten Soundtrack, ging aber sonst leer aus. Keine Auszeichnungen erhielten auch Christopher Nolans fantastisches Weltkriegsepos Dunkirk, Steven Spielbergs Journalismusdrama Die Verlegerin mit Meryl Streep und Tom Hanks aus sowie Jordan Peeles Satire Get Out, Luca Guadagninos wundervolles Drama Call Me By Your Name und auch Der seidene Faden, der von der amerikanischen Kritik gefeierte Film von Paul Thomas Anderson mit Daniel Day-Lewis. 

Der Brite Gary Oldman erhielt für seine fulminante Darstellung des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill in Die Dunkelste Stunde die Auszeichnung als bester Darsteller in einem Drama.

Keine einzige Regisseurin nominiert

In einer Kategorie blieben die Männer allerdings unter sich. Keine einzige Frau wurde für die prestigeträchtige Kategorie beste Regie nominiert. "Und hier sind all die männlichen Nominierten", verpasste die Laudatorin Natalie Portman der Jury einen Seitenhieb. Hollywoods eklatanteste geschlechtsspezifische Lücke erschien an diesem Abend besonders peinlich. Noch dazu, da es einige Regisseurinnen gegeben hätte, die zumindest eine Nominierung verdient hätten: Patty Jenkins etwa für Wonder Woman, Dee Rees für Mudbound oder Greta Gerwig für Lady Bird.

Einen kleinen Trost gab es für Gerwig immerhin: Lady Bird wurde als beste Komödie geehrt – und das zu Recht. Saoirse Ronan gewann den Preis für die beste Hauptdarstellerin in einer Komödie. Die Laudatorin Jessica Chastain sagte: "Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass die Gewinnerin dieser Kategorie auch die 23 Prozent ihres Gehalts erhalten wird, die in der Lohnlücke fehlen. Es ist kein Problem, da wir so viel Geld gespart haben, indem wir Leute dieses Jahr aus Hollywood rausgeworfen haben."

Barbra Streisand rief am Ende auch noch mal den Satz des Abends: "Die Zeit ist um." Die 75-Jährige ist bis heute die einzige Frau, die je den Golden Globe als beste Regisseurin gewonnen hat. 1984 hatte sie den Preis für Yentl bekommen.

Bei den Serien dominierten die Frauen

Bei den Serien sieht das schon ganz anders aus. Zu den Siegern zählten 2017 oft jene, die auch von Frauen kreiert wurden. Nicole Kidman und Reese Witherspoon ließen den Roman Big Little Lies adaptieren, die Serie wurde zur Besten Miniserie des Jahres erklärt, Kidman und Laura Dern erhielten für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen Trophäen. Witherspoon, eine der Gründerinnen der Time's-Up-Initiative, widmete ihre Auszeichnung den Menschen, die sich im vergangenen Jahr gegen Missbrauch und Belästigung aussprachen. "Leute da draußen, die zum Schweigen gebracht werden – wir sehen euch, wir hören euch und wir erzählen eure Geschichten."

Amazons wunderbare The Marvelous Mrs. Maisel mag lange vor Hollywoods gegenwärtiger Abrechnung mit sexueller Belästigung konzipiert worden sein, wirkt aber erschreckend aktuell. Die Titelheldin, eine Hausfrau aus den Fünfzigern, entscheidet sich für eine Karriere als Stand-up-Komikerin und muss gegen viele Widerstände kämpfen. Die Serie bekam den Preis für die beste Comedyserie, die Schauspielerin Rachel Brosnahan den Globe als beste Hauptdarstellerin.

Aber keine Serie hat sich 2017 so bahnbrechend und dringlich angefühlt wie die Adaption von Margaret Atwoods Dystopie The Handmaid's Tale – Der Report der Magd. Elisabeth Moss, ausgezeichnet als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie, las ein Zitat von Atwood vor: "Wir waren die Leute, die nicht in den Zeitungen waren. Wir lebten in den leeren weißen Räumen am Rand des Druckes. Es gab uns mehr Freiheit. Wir haben in den Lücken zwischen den Geschichten gelebt." Moss fügte hinzu: "Wir leben nicht länger in den leeren weißen Räumen am Rand des Druckes. Wir leben nicht mehr in den Lücken zwischen den Geschichten. Wir sind die gedruckte Geschichte, und wir schreiben die Geschichte selbst."

2017 war ein wichtiges Jahr für Frauen in Hollywood. Trotz, aber auch wegen #MeToo. Die Golden Globes haben diesmal nicht nur diejenigen ins Licht gestellt, die üblicherweise für ihre Leistungen in Film und Fernsehen geehrt wurden, sondern auch jene, die oft übersehen werden. Vielleicht ist das wirklich der Beginn einer Veränderung.

TNT Serie wiederholt die gesamte Golden-Globe-Verleihung am 8. Januar um 20.15 Uhr.