"Wieso nennst du mich Helga?" Theo (Matthias Schweighöfer) ist erzürnt. "Weil du bist wie meine Tante Helga und auch so aussiehst", antwortet Luke (Til Schweiger). Luke hat gerade eine Beleidigung ausgesprochen: Der Name Helga steht für Frauen, die älter und allein aus diesem Grund unsexy sind, für sogenannte Tanten. Wer Helga heißt, ist im Männerkosmos irrelevant. Das wird Theo dem Zuschauer dann auch zu einem späteren Zeitpunkt referieren: "Die Effeminierung eines Mannes durch Frauennamen ist typisch. Damit wertet man sich selbst auf und den anderen ab."

Der Helga-Affront spielt sich ganz am Anfang der Komödie Hot Dog ab. Schweiger und Schweighöfer verkörpern darin ein ungleiches, eigentlich suspendiertes Sondereinsatz-Polizistenpaar, das die entführte Tochter des moldauischen Präsidenten befreien soll. Die heißt Mascha, trägt Minikleid und hohe Schuhe, und Theo, der sich etwas später als Jungfrau outet, ist schwer verknallt in sie. Was von seinem Kollegen Luke so genüsslich wie herablassend kommentiert wird.

Buddy-Komödien, also Filme, deren Humor und Spannung sich aus der Ungleichheit der beiden Protagonisten (oder Protagonistinnen) generiert, müssen qua Definition mit Stereotypen wie diesen spielen: Während Luke steingesichtig seine gefährlichen Jobs abreißt, ist der durch eine Brille als hochintelligent symbolisierte Theo der schüchterne Schreibtischpolizist, der doch nur "seinen Mann" stehen möchte. Die Buddy-Ingredienzien sind lange bekannt: In Ein seltsames Paar, dem Klassiker des Genres, steht der schwer hypochondrische und mit einem Putzfimmel versehene Felix (Jack Lemmon) dem Frauenhelden Oscar (Walter Matthau) gegenüber. Wegen seines emotionalen, "unmännlichen" Verhaltens wird Felix jedoch plötzlich mit der Aufmerksamkeit sämtlicher von Oscar angeflirteten Frauen belohnt. Am Ende steht also die Erkenntnis beider Figuren, dass sie voneinander lernen müssen, um glücklich zu werden.

Klischees genau dann zu brechen, wenn es drauf ankommt, und sie damit zu entlarven – was einen Buddy-Film ausmacht, verpennt der Regisseur (und Schweigers ehemaliger Regieassistent) Thorsten Künstler in Hot Dog völlig. Am Ende entschließt sich Luke zwar, mehr Zeit für seine Familie abzuknapsen, dennoch erweist sich seine Methode, im Zweifelfall einfach draufzuhauen, bis zum Schluss, an dem Theo und Luke per Schulter-Luftabwehrrakete ein Flugzeug samt Passagiere in die Luft jagen, als einzig praktikable Lösung.

Die verklemmte Phallussymbolik der dicken Kanone – ebenso wie die exzessiven Produktplatzierungen – ziehen sich durch den ganzen Film: Theo verteidigt vor der versammelten Kollegenschaft lauthals die Größe seines Penis; Luke hält dem zur Hyperventilation neigenden Kollegen immer wieder ein rosafarbenes Kondom an den Mund, das er aufblasen soll. Und selbst das urälteste aller Männerklischees ist dem Regisseur eine Szene wert: die Hackerin Nicki, von Anne Schäfer mit größtmöglicher Würde überzeugend dargestellt, lutscht bei der Arbeit selbstvergessen ein Calippo (Langnese!). Die beiden Polizisten gucken geifernd zu und wünschen sich, an dessen Stelle zu sein. Dieses Thema schlummerte so tief in der sexistischen Mottenkiste "Eis am Stiel", dass es fast schon wieder eine Leistung ist, es herauszuholen.

Dass sich Schweighöfer und Schweiger mit ihrem ganzen Kerle-Schmu vor allem selbst schaden, wird ihnen zwischenzeitlich klar geworden sein: Nicht nur die durch Schweigers ablehnende Haltung zu Filmanalyse und Meinungsäußerung ohnehin abgeturnten Kritiker werfen dem Film unisono seine Schwächen vor. Auch an seinem Erfolg beim Publikum darf zu Recht gezweifelt werden.

Während in Schweigers früheren, witzetechnisch ebenso pubertären Werken wie Keinohrhasen oder Kokowääh viele immerhin eine emotionale Nähe zum Typus des bekehrten Macho oder dem des trotteligen, aber süßen Frauenfreunds herstellen konnten, wirken die beide Männertypen in Hot Dog derart rückständig, dass eine Identifikation kaum möglich scheint. So was kann, um im Schweigerschen Begriffekosmos zu bleiben, nur ein Groupie lieben.

Der Film kommt zum richtigen Zeitpunkt

Dabei würden sich die Schwächen des Films vielleicht sogar versenden, wenn nicht ein anderen Problem von Hot Dog verstärkt zutage käme: Für anständiges Timing beim Schnitt, für eine flüssige und zwingend aufeinander aufgebaute Dramaturgie und für ein über das Zukleistern mit Charthits hinausgehendes Musikkonzept war bei all der – zudem noch recht langsamen – Actionchoreografie anscheinend kaum noch Zeit.

Diesen Film zu ignorieren ist dennoch der falsche Ansatz. Man sollte stattdessen versuchen, zu verstehen, wieso solche Filmfiguren immer noch existieren, solche Stoffe immer noch von offizieller Stelle gefördert werden – vor allem, um diese Tatsachen zukünftig zu bekämpfen. Vor dem Hintergrund einer Filmbranche, die gerade verzweifelt versucht, Gendersensibilität zu beweisen, kommt Hot Dog genau zum richtigen Zeitpunkt.