Liegestütze in der Knastzelle. Zigarettenrauch im Gegenlicht. Ein missglückter Überfall, Schusswechsel, blutende Wunden. Angespannte Stille bei einer polizeilichen Verkehrskontrolle. Reifenquietschen bei einer Verfolgungsjagd durch die nächtliche Großstadt. Bleihaltiger Showdown in Zeitlupe. 

Nur Gott kann mich richten ist ein Gangsterfilm und er präsentiert mit großer Lust alle Insignien des Genres. Beinahe alles, was hier passiert, hat man ähnlich schon gesehen. Aber so dann doch noch nicht. Was ihn so besonders macht: Er ist ein deutscher Gangsterfilm. Und damit immer noch eine Seltenheit. Deutschland ist Polizeifilmland, jeden Sonntagabend wieder, seit Jahrzehnten. Erst der Gangsterserie 4 Blocks gelang es im vergangenen Jahr, der Tatort-Phalanx im Fernsehen etwas entgegenzusetzen. 

Der 38-jährige Regisseur Özgür Yıldırım hat schon mehrere Tatort-Episoden inszeniert und wird neben Oliver Hirschbiegel Regie bei der zweiten Staffel von 4 Blocks führen. Als filmisches Vorbild für Nur Gott kann mich richten nennt er den Klassiker Heat von Michael Mann: die dräuende Düsternis, das große Drama, die mit Adrenalin vollgepumpte Atmosphäre. Schon der vollmundige Titel Nur Gott kann mich richten zeigt, wer seine filmischen Helden sind: Mann, Martin Scorsese, vor allem aber Abel Ferrara mit seinen dreckigen Straßenthrillern wie Bad Lieutenant

Christliche Schuld-und-Sühne-Schwere bestimmt seinen Film schon von der ersten Szene an. Da betet einer vor dem Kreuz, nackter Oberkörper, Jesus-Tattoo auf dem Rücken. Moritz Bleibtreu ist das, er spielt Ricky, einen Kleinkriminellen mit Knastvergangenheit, der jetzt genregerecht aussteigen will, endlich bürgerlich leben will, sich was aufbauen im Ausland. Aber dafür braucht er Kohle und muss das berühmte letzte Ding durchziehen mit seinem Ex-Partner Latif (Kida Khodr Ramadan, der Hauptdarsteller aus 4 Blocks). Bei einem fingierten Heroindeal sollen 50.000 Euro für die beiden herausspringen.  

Klar, dass das alles furchtbar schiefgehen muss. Rickys kleiner Bruder Rafael (Edin Hasanović) wird in die Sache hineingezogen, der Deal geht schief, der Stoff ist weg; die albanischen Auftraggeber machen überzeugend deutlich, dass Blut fließen wird, wenn das Heroin nicht wieder auftaucht.

Der Hamburger Yıldırım, der auch das Drehbuch schrieb, siedelt seine Geschichte in Frankfurt am Main an. In der Ferne glitzern die gläsernen Bürotürme der Banken, aber die Figuren verkehren in den Shisha-Bars, den Tabledance-Schuppen und Spielhöllen der Stadt, sie bewegen sich zwischen Junkies und arabischen Clans. Das Milieu, dem alle hier entkommen wollen, inszeniert Yıldırım überzeugend und deprimierend.