Auch wenn es mit Fatih Akin und einer Nominierung für Aus dem Nichts schließlich doch nicht geklappt hat: Es wird spannend am 4. März 2018, dem Abend der Oscarverleihung. Eine so spektakuläre Schlusspointe wie im vergangenen Jahr, als mit La La Land zuerst der falsche Gewinner in der Königskategorie Bester Film auf der Bühne stand, wird dazu gar nicht nötig sein. Denn der letztendliche Sieg des "kleineren" Films, Moonlight, scheint schließlich doch einen Trend ausgelöst zu haben: Unter den neun für den Besten Film nominierten Produktionen haben sich die Verhältnisse von groß zu klein geradezu umgekehrt. Selten war das Rennen in dieser Kategorie so offen.

Zwar erscheint nun Guillermo Del Toros Horrormärchen Shape of Water als der große Favorit mit insgesamt 13 Nominierungen (nur einer weniger als die historischen Rekordhalter La La Land, Titanic und All About Eve), aber in einem Feld, in dem von der Presse gefeierte Filme wie Dunkirk (8 Nominierungen), Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (7) und Der seidene Faden (6) neben den erklärten Publikumslieblingen Lady Bird (5), Get Out (4) und Call Me By Your Name (4) konkurrieren, sind die verschiedensten Gewinnerszenarien vorstellbar.

Einigkeit herrscht eigentlich nur darüber, dass der Haupt-Oscar nicht an Steven Spielbergs Die Verlegerin gehen wird: Spielberg selbst ist nicht nominiert, und Meryl Streep hat bei ihrer 21. Oscarnominierung in Frances McDormand (Three Billboards) starke Konkurrenz. Auch Joe Wrights Churchill-Drama Die dunkelste Stunde werden nur bescheidene Chancen eingeräumt: Die sechs Nominierungen sind vorwiegend technische, nur Gary Oldman gilt wegen seiner fantastischen Verkörperung des britischen Premier dann doch als fast sicherer Gewinner des Abends.

Ein Fabelwesen im Kalten Krieg

Nach welchen Kriterien, wenn nicht der absoluten Menge der Nominierungen, könnte man das Favoritenfeld weiter eingrenzen? Ein Film sollte entweder populär und gefällig die Filmbranche selbst thematisieren wie einst The Artist oder im letzten Jahr La La Land. Oder sich so wichtig und aktuell anfühlen wie Moonlight, die Geschichte eines homosexuellen schwarzen Jungen aus Miami.

Shape of Water erscheint da fast zu eigenartig für die Rolle des Favoriten: ein Genrefilm, in dem sich eine Frau in ein Fischfabelwesen aus dem Amazonas verliebt, ein Film, der sich zugleich über die Zeit des Kalten Kriegs und damalige Feindbilder lustig macht? Im historischen Gewand thematisiert Shape of Water zwar durchaus Dinge wie die Misshandlung von Frauen, Rassismus und Homophobie. Aber ob das in der politisch aufgeladenen Stimmung des Moments genügt?