Die erste Welle von Kritiken in den USA war dennoch ein euphorisches Hosianna auf Ryan Coogler. Ein US-Kritiker nannte den Film mit überwiegend schwarzen Darstellern wie Daniel Kaluuya, Forest Whitaker, Lupita Nyong'o und Angela Bassett zu Recht einen "superstarken Liebesbrief an Schwarze". Das Onlinemagazin IndieWire kürte ihn zum "besten Marvel-Film" und Rolling Stone benutzte gar ein so prächtiges Wort wie "Meisterwerk". 

Und diese Euphorie beschränkt sich nicht nur darauf, dass der neue Superhelden-Blockbuster so wichtig für die Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß wäre, sondern er feiert auch gleich noch die neue Weiblichkeit. T'Challa ist umgeben von furchtlosen, fabelhaften, wilden Frauen, die ihn beschützen und anfeuern. Da wäre zum einen Okoye (Danai Gurira), die Anführerin einer glatzköpfigen Elite von Leibwächterinnen. Seine jüngere Schwester Shuri (Letitia Wright) ist ein Tech-Genie, das den Bruder mit coolen Waffen ausstattet. Und dann gibt es noch die erhabene Mutter (Angela Bassett) und eine Agentin (Lupita Nyong'o), die gleichzeitig die große Liebe ist. Diese Frauen stehlen T'Challa die Show.

Obwohl Boseman als T'Challa solide spielt, könnte seine Figur nicht unzugänglicher sein. Selbst Captain America, Idealist in Reinform, ist mittlerweile durch einen Realitätscheck und eine Existenzkrise geschlittert. Am auffälligsten ist T'Challas Mangel an Humor, dabei hätte der einem so bedeutungsschwangeren Film wie diesem gut getan. Michael B. Jordans Schurke hingegen ist eine so charismatische Erscheinung, dass jede Szene ohne ihn ein Verlust ist.

Einst mit Chuzpe

Die Figur des Black Panther trat zum ersten Mal vor zwei Jahren in The First Avenger: Civil War auf, und damals hatte sie Chuzpe. Der Black Panther war auf Rache für den Mord an seinem Vater aus und die Avengers konnten ihn mal gern haben. Aber selbst wenn er diesen eigensinnigen Stolz jetzt verloren hat, sind es viele Afroamerikaner so müde, Oscar-würdige Filme mit gepeinigten schwarzen Schauspielern in Fesseln zu sehen, dass sie einen Film wie diesen nun nahezu bedingungslos feiern. Als ein südafrikanischer Journalist auf seinem Twitter-Account die Tatsache kritisierte, der Film sei größtenteils in den USA, Südkorea und Argentinien gedreht worden, wurde er von einigen Amerikanern als lächerlich abgetan, obwohl das durchaus ein Punkt ist. Offensichtlich wird vor lauter Euphorie jede kritische Anmerkung unterdrückt.

Sicher, es gab Falcon, War Machine und Storm und ehemals weiße Rollen wurden mit schwarzen Schauspielern besetzt (Idris Elba als nordischer Gott Heimdall in Thor und Michael B. Jordan als die menschliche Fackel der Fantastischen Vier), aber diese Figuren haben nie so viel eigenständige Präsenz wie der Black Panther bekommen, eine Figur, die Stan Lee und Jack Kirby auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung im Jahr 1966 geschaffen hatten, wenige Monate vor dem Start der Black Panther Party. Er war der erste schwarze Superheld im amerikanischen Comic-Mainstream.