Damals, während der schwarzen Black-Power-Bewegung und der Zeit von Blaxploitation-Filmen in den sechziger und siebziger Jahren, entstanden die meisten schwarzen Superhelden. Aber erst 1998 spielte Wesley Snipes den ersten schwarzen Comic-Helden, der auch als Verfilmung ein Publikumserfolg wurde: Blade stammte ebenfalls aus dem Hause Marvel und war ein schwarzer Vampirjäger in coolen Lederklamotten mit einem Ninja-Schwert und einer Oakley-Sonnenbrille.

Black Panther ist also nicht der erste schwarze Superheld, der seinen eigenen Film bekommt, aber er ist der erste, dem so viel Aufmerksamkeit zuteil wird. Zudem ist Coogler der erste schwarze Regisseur im Marvel-Universum, und sein Film könnte zum ersten Mega-Blockbuster mit einem schwarzen Ensemble werden, der tief in die afrikanische Kultur eintaucht. Die Musik von Ludwig Göransson verwendet afrikanische Trommeln und Holzbläser und nutzt Songs von dem Rapper Kendrick Lamar und The Weeknd.

"Was weißt du über Wakanda?", fragt im Film der südafrikanische Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis), ein übler Bursche und einer von zwei weißen Charakteren. "Es ist ein Drittweltland: Textilien, Hirten, coole Outfits", antwortet ein ahnungsloser CIA-Agent (Martin Freeman, der andere Weiße). Es sind Stereotypen, wie sie Filme über Afrika zeigen und die ein schwarzes Publikum aufstöhnen lassen. Black Panther wendet sich davon radikal ab, widmet sich in der Form eines utopischen Fantasyfilms der postkolonialen Politik in Afrika und feiert die Traditionen des Kontinents.

In der Originalfassung des Films sprechen viele Wakandaner Englisch mit einem afrikanischen Akzent. Die rot gepanzerten Outfits der weiblichen Leibgarde beziehen sich auf Elemente der Stämme Turkana, Himba und Massai; ihre Halsringe sind eine Anspielung auf den Stamm der Ndebele. Coogler, der vor zwei Jahren mit Creed einen schwarzen Boxer in ein weißes Franchise einführte, will Schwarzen auf der ganzen Welt Selbstbewusstsein zurückgeben und ihnen eine imaginierte Zukunft schenken, derer sie beraubt wurden.

Mit dem Aufstieg des Autoritarismus in den USA, der Black-Lives-Matter-Bewegung, dem #OscarSoWhite-Debakel und dem Wiederauflammen von weißem Nationalismus kann die schiere Existenz dieses Films eigentlich gar nicht überbewertet werden. Anfang Februar ging ein Video von jungen Schülern viral, die in ihrem Klassenzimmer tanzten, nachdem sie erfahren hatten, dass sie den Film zusammen sehen würden. Black Panther ist zu einem Leuchtfeuer geworden, das das "schwarze Amerika", nein, eigentlich ganz Amerika, ein halbes Jahrhundert nach der Bürgerrechtsbewegung braucht.