Nichts wünscht sich Frida sehnlicher, als schwanger zu werden. Immer lauter tickt die biologische Uhr der 36-Jährigen, doch was schenkt ihr der Freund? Einen Hamster. "Du magst Hamster", sagt er arglos. "Ich mag überhaupt keine Hamster", gibt sie entnervt zurück, "ich mag Kinder."

Dass das unerwünschte Tier später der Staubsauger verschluckt, ist das geringste Problem für Frida (Katrin Röver), die tragische Heldin in Mareille Kleins Spielfilmdebüt Dinky Sinky. Härter trifft es sie, dass ihr Freund verschwindet, mit dem es zwei Jahre lang mit Nachwuchs nicht klappen will, obwohl sie ihn stets pünktlich zum Eisprung verführt. Erst druckst er mit dem Heiratsantrag herum, dann braucht er plötzlich eine Pause. "Ich bin nicht dein verdammter Zuchthengst", knallt er Frida noch an den Kopf, als er schließlich auszieht.

Hinter dem possierlich klingenden Filmtitel Dinky Sinky verbergen sich in Wahrheit zwei finanzkräftige Werbezielgruppen. Im Marketing-Sprech steht die Abkürzung Dinky für double income, no kids yet, kinderlose Paare mit doppeltem Haushaltseinkommen also. Sinky meint Alleinverdiener ohne Nachwuchs: single income, no kids yet.

Frida, Sportlehrerin in München, verwandelt sich mit der Trennung von einem Dinky in einen Sinky, während um sie herum eine Freundin nach der anderen schwanger wird. Mit Würde versucht sie sich mitzufreuen, berät mit Eifer beim Kinderwagenkauf, besucht Kindergeburtstage. Ihre eigenen Anstrengungen werden derweil immer verzweifelter, zudem berichtet ihr der Frauenarzt von "einer kleinen Wolke am Horizont": Fridas Reserve an Eizellen sei gering, er rät dringend davon ab, es noch mal zwei Jahre lang wie bisher zu probieren.

Aus dem Stoff des unerfüllten Kinderwunsches hat Regisseurin Mareille Klein eine Tragikomödie gearbeitet, die gekonnt die Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Humor hält. Fridas Bemühungen und ihre wachsende Verkrampftheit haben von Anfang an etwas Absurdes, doch nie verrät die Filmemacherin ihre Hauptfigur. Man bleibt ihr gewogen, wohl auch dafür gewann Klein 2016 den Drehbuchpreis sowie den Fipresci-Preis der Kritiker beim Filmfest München.

Die vermeintliche Pflicht zur Selbstverwirklichung

Fridas Kampf erzählt viel über die vermeintliche Pflicht zur Selbstverwirklichung, die gerade auf jungen Akademikern zu lasten scheint. Die Schwangerschaft ist Teil eines Lebensentwurfs, und wenn es damit nicht klappt, verliert man die gemeinsamen Themen, den Anschluss. Hinzu kommt bei Frida der körperliche Makel: So wie ihr selbst die Zeit davonläuft, sieht man sie in teils langen Einstellungen durch die Straßen Münchens joggen, vielmehr rennen, als wolle sie sich mit aller Kraft die eigene Unversehrtheit beweisen.

Ihre Sehnsucht nach einem Kind treibt mitunter seltsame Blüten: Als sich herausstellt, dass Frida im Sportunterricht nicht nur die Periode der Schülerinnen in ihren Kalender einträgt, sondern auch deren fruchtbare Tage, versehen mit Zeichnungen von Blümchen und Eiern, muss sie sich vor den aufgebrachten Eltern rechtfertigen.

Verkörpert wird diese Frau von Katrin Röver, einem im Kino noch unverbrauchten Gesicht. Das ehemalige Ensemblemitglied des Münchner Residenztheaters war bislang vor allem auf der Bühne zu sehen, im Fernsehen zuletzt in der abgründigen BR-Miniserie Hindafing. Als Frida ist Röver ein Glücksfall, sie spielt ihre Rolle mit einer Selbstbeherrschung, die mit der Zeit immer fragiler erscheint. Mareille Klein gewährt ihr und den Szenen den dafür nötigen Raum, auch für peinliche Pausen und Unbeholfenheit.

Dinky Sinky kommt alles andere als temporeich daher, vielmehr glänzt der Film mit präzise geschriebenen Dialogen und schmerzhaft trefflichen Beobachtungen. Männer kommen dabei gar nicht gut weg: Fridas Ex-Freund fehlt das Rückgrat, der neue Partner ihrer Mutter kann nicht viel mehr als von sich zu erzählen, und auch während ihrer Blind Dates bekommt Frida es mit Selbstdarstellern und frisch getrennten Familienvätern zu tun. Bald wird die Samenbank zu einer Option.

Eine "bayerische Bridget Jones" wurde Mareille Kleins Frauenfigur genannt, doch dieser Vergleich hinkt, er verkennt gänzlich den subtilen Ton des Films. Nicht als überzeichnete Karikatur hat die Autorin ihre Frida angelegt, nicht als Witzfigur, sondern als ernstzunehmenden Charakter, den ein allzu verständlicher Wunsch antreibt. Freilich erreicht ihre Contenance irgendwann ein Ende. Als eine Freundin anlässlich ihres Geburtstagsessens "aus Loyalität zu den schwangeren Frauen" einen alkoholfreien Abend ausruft, hilft nur noch der Griff zur Schnapsflasche.