Lauren Greenfield wurde 1966 in Boston geboren. Während ihres Studiums in Harvard begann sie zu fotografieren. In ihren Bildern und Filmen beschäftigt sie sich mit der amerikanischen Konsumkultur und mit dem, was vom amerikanischen Traum übrig ist. © INSTITUTE / Lauren Greenfield

Manche der rich kids, die Greenfield in den letzten zwei Jahrzehnten fotografierte, sind heute weltberühmt: Ein Foto zeigt die 12-jährige Kim Kardashian mit ihrer Schwester auf einer Party. Andere sind tablettenabhängig geworden oder haben sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, leben auf dem Land und erziehen ihre Kinder ohne Fernseher und Smartphone. Für einige hat sich durch die Finanzkrise alles geändert: Vom "größten Haus der USA", einer Villa mit einer Wohnfläche fast doppelt so groß wie das Weiße Haus, blieb nur die Bauruine zurück. Es sei gar nicht ihre Absicht gewesen, das größte Haus zu bauen, beteuern David und Jackie Siegel. Es habe sich einfach so ergeben, sie hätten sich das Schloss von Versailles als Vorbild genommen. Auch der deutsch-amerikanische Hedgefonds-Manager Florian Homm kommt zu Wort. Gegen ihn wurde 2007 in Kalifornien Strafanzeige wegen mutmaßlichen Betrugs gestellt. Er tauchte daraufhin samt seines Vermögens unter und versteckte sich fünf Jahre lang, bis er 2013 in Italien gefasst wurde. Weil er nicht an die USA ausgeliefert wurde, entließ man ihn nach Ablauf der maximalen Dauer der Untersuchungshaft. Heute lebt Homm in Deutschland.

Lauren Greenfield interessiert sich in ihrer Arbeit weder für Politik noch für Gesellschaftskritik, auch wenn es auf den ersten Blick so wirken könnte. Sie interessiert sich für die Art und Weise, in der Menschen ihr Leben führen, für ihre Träume, Erwartungen und Enttäuschungen. Es ist ein ethnografisch beschreibender Blick, der einzig auf das Intime und Private gerichtet bleibt. Das ist legitim und interessant, hat aber zur Folge, dass die Schlüsse, die sie aus ihren Erfahrungen zieht, auch nur im Privaten liegen können: Am Unglück der Reichen sind die Reichen selbst schuld. Am verzweifelten Versuch der Ärmeren, reich zu werden, ist das Fernsehen schuld (und Kim Kardashian). Und: Die Familie ist das einzig Wichtige im Leben.

Greenfield ist sich offensichtlich des Paradoxes nicht bewusst, dass sie ausschließlich Superreiche die Weisheit verbreiten lässt, dass sich mit Geld kein Glück kaufen lässt. So jemand wie Florian Homm muss es schließlich wissen – und das Glück (und das Geld), als freier Mann darüber reden zu können, hat er sogar auch. Das größte Klischee aber ist der isländische Fischer, der während der Boomjahre Banker wurde, nach dem Bankencrash geläutert zur Fischerei zurückzukehrte und in Greenfields Film die Rolle des Fischers zugedacht bekommt, wie man ihn aus sämtlichen Parabeln über materiellen Reichtum kennt.

Die Frage, warum uns die Bilder des Reichtums so faszinieren, kann Greenfield nicht beantworten. Sie führt uns diese Faszination aber eindrücklich vor Augen. Die Fotografin zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Abgebildeten weder moralisch aburteilt noch ihr Unglück ausschlachtet, wie es Boulevardzeitschriften mit ähnlichen Motiven tun. Sie begegnet den Menschen ganz unvoreingenommen. Umso erstaunlicher – und ja: auch ärgerlicher – ist es, dass sie in dem Film, den sie über ihre fotografische Arbeit gedreht hat, dann doch eine moralische Haltung an den Tag legt. Und zwar nicht den Reichen gegenüber, sondern denen, die es gern wären. Die Parole lautet: Es lohnt sich nicht! Geld bringt kein Glück! Verbringt lieber mehr Zeit mit eurer Familie. Be careful what you wish for – das ist tatsächlich der Satz, mit dem dieser Film endet. Eine gute deutsche Übersetzung dieser Wendung gibt es nicht. Am nächsten kommt ihr wohl der Spruch "Schuster, bleib' bei deinen Leisten".

Produziert wurde der Film übrigens von Amazon Studios. Passt ja irgendwie: Im vergangenen Jahr war der Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem geschätzten Vermögen von 100 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt.