Ein Dorfkino in Schwaben, 1944, der Krieg geht zu Ende, die Nazi-Wochenschau schäumt: Ehrlose Offiziere hätten einen Anschlag auf Hitler begangen. Den 16-jährigen Oliver (Jonathan Berlin), den seine Cliquenfreunde "Onkel" getauft haben, hat der Zufall neben eine Frau im engen kurzen Rock gesetzt. Ihr Seidenstrumpf und sein nacktes Bein unter der kurzen Hose der HJ-Uniform berühren sich. Die Kamera lässt sich nicht vom Wochenschau-Geschehen ablenken, sondern beobachtet lieber, wie sich die Jungenhand den Schenkel der Frau hinaufarbeitet. Später, in der Dachkammer einer Stabshelferin der Luftwaffe, schaut das silbergerahmte Foto eines Ritterkreuzträgers zu, wie "Onkel" sein erstes Mal mit seiner Kinobekanntschaft erlebt. "Danke", sagt der Junge, als er geht, und die Frau: "Ganz meinerseits."

Willkommen in einer Welt, die für Jungsein, hier vor allem Jungesein, keinen Platz hat, weil alle mit dem Untergang zu tun haben. Was Friedemann Fromm (Drehbuch und Regie) und Anton Klima (Kamera) aus dem Roman Freibadclique des 2011 verstorbenen Fernsehgroßmeisters Oliver Storz gemacht haben, passt zum Aufbruch der Fernsehbranche in eine neue Sinnlichkeit bei der Beschäftigung mit der Vergangenheit. Ku’damm 59 tanzte mit romanhaftem Eigensinn den restaurativen Kern der Adenauer-Zeit heraus, im Kleinstadtfreibad sind wir dabei, wie die Lebensträume einer verlorenen Generation ertrinken: die Träume des Jahrgangs 1929, der das Nazigewäsch vom flinken Windhund und Hart-wie-Kruppstahl-Sein nicht mehr glaubt. Und sich mit sexueller Tagträumerei, altklugem Zynismus und der Verehrung für die Lässigkeit amerikanischer Swing-Musik gegen seine Opferung wehrt.

Auf der obersten Plattform des Zehnmeterturms sitzen neben "Onkel" der ausgebombte coole Schönling "Knuffke" mit Berliner Schnauze (Theo Trebs), der Zahnarztsohn "Hosenmacher" (Laurenz Lerch), der sich als Pimpf vor Begeisterung einpinkelte, Bubu (Andreas Warmbrunn), der scharfe Beobachter, "Zungenkuss" (Joscha Eißen), der ergründen will, ob Frauen beim Orgasmus schielen, und schließlich der aufgeregte "Jumbo" (Johannes Geller), zu klein für die Normen der Waffen-SS, und umso stolzer, als er schließlich doch genommen wird.

Von ihrem Turm aus betrachten die fünf ihre Welt: Die besteht vor allem aus Lore im roten Badeanzug (Lili Epply). Der kann man Beachtung entlocken, wenn man wie "Onkel" und "Knuffke" Arm in Arm zehn Meter tief ins Becken segelt. Das wird im Film wunderschön umgesetzt, eine Metapher, die Tausende Dialogzeilen über jugendliche Lebenssehnsucht und Todesgewissheit im NS-Reich einspart. Loreley Lores Kussmund, den sie den fliegenden Jungs nach deren Kunstsprung zuwirft, bevor sie mit den Luftwaffen-Pilotenschülern im Gebüsch verschwindet, bedeutet den Knaben alles. Sie wissen ja längst, was es bedeutet, dass sie so traurig sind. Das Märchen unerfüllter Sehnsüchte stammt für sie nicht aus uralten Zeiten, sondern aus der schrecklichen Gegenwart.

Die Waffen-SS sucht jugendliches Kanonenfutter: Nackt stehen die jungen Männer in einer Turnhalle, auch die Träumer von der Türmerclique, die Hände vors Gemächt haltend. Ein SS-Veteran mit Metallkralle am Armstumpf schlägt auf die Gymnasiasten ein – sie sollen die freiwillige Verpflichtungserkärung für Himmlers Truppe unterschreiben. Den nackten Buben zugewandt, im grauen Uniformkostüm, den Totenkopf vorne am Schiffchen, sitzen SS-Helferinnen und verwalten die Listen.