Das erste Problem der deutschen Late-Night-Show ist, dass es kaum eine gibt. Dass kein Vorlauf an Tradition existiert wie in den USA, wo auf 30 Jahre Johnny Carson (der nicht mal der Erste war) 17 Jahre Jay Leno folgten, wo Moderatoren wie David Letterman oder Jimmy Fallon den Sender wechseln wie hierzulande Fußballstars den Verein.

In Deutschland gab es Harald Schmidt und Stefan Raab (und kurz Anke Engelke), und es gibt Jan Böhmermann, der aber nur wöchentlich an den Start geht. Jetzt gibt es außerdem Klaas Heufer-Umlauf, der sich vorsichtshalber ebenfalls nur montags an dem Format versucht. Das deshalb mit jedem Mal so wirkt, als werde es gerade erstmals probiert.

Das zweite Problem der deutschen Late-Night-Show ist, dass jemand wie Heufer-Umlauf das alles weiß. In jedem Interview vorab hat er um die geringe Erwartungshaltung gewusst: dass hierzulande die Talkshow das Format ist, in dem im Fernsehen geredet werden kann, und eben nicht die Late-Night-Show. Und deshalb ist es fast egal, wie schlecht Markus Lanz seine Sendung macht – er macht das, was gefühlt immer gemacht worden ist, und das dann eben so wie Markus Lanz.

Es gibt kein erstes Mal

Insofern war von den vielen selbstreferenziellen Bemerkungen Heufer-Umlaufs (dem Durchatmen am Anfang bei der Begrüßung etwa) diejenige am treffendsten, in der er erklärte, dass es keine Premiere, kein erstes Mal, sondern Geschichte braucht: "Wir arbeiten dran, und dann wird sich ein natürliches Late-Night-Gefühl einstellen."

Und in diesem Sinne lässt sich über Late Night Berlin nach der ersten Sendung fairerweise wenig sagen. Ob die Sendung irgendwann eine eigene Attraktion ausübt, wird sich erst nach einiger Zeit herausstellen; wenn sie zu ihrer Form gefunden hat. Was heute als Harald Schmidt Show erinnert wird, ist die klassische Phase der frühen Nullerjahre bei Sat.1. Damals hatte Schmidt so viel eigene Tradition angehäuft, dass er die Show als Familiensendung betreiben konnte – mit Helmut und Suzana, Natalie und Manuel.

Dass Heufer-Umlauf dieses Niveau eines Tages erreichen wird, dafür spricht nach der ersten Late Night Berlin noch nicht viel. Ohne den Stand-up zu Beginn geht es nicht (der späte Harald Schmidt absolvierte den so pflichtschuldig wie nötig), obwohl es in Zeiten sozialer Medien noch einmal mühsamer ist, lustig zu sein zu aktuellen Meldungen, weil alle möglichen Witze auf Twitter immer schon gemacht sind.