Er kochte gerne, trank genüsslich Rotwein und nahm sein Rennrad mit ins Büro: 17 Jahre lang war der saarländische Tatort-Kommissar Max Palu, gespielt von Jochen Senf, im Einsatz. Nun ist der Schauspieler im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben. Das bestätigte sein Bruder Gerhard am Sonntag.

Salü Palu hieß die erste Folge, in der Senf 1988 als Tatort-Kommissar auftrat. Es ging um Prostitution und Mädchenhandel zwischen Deutschland und Frankreich. Insgesamt 18 Folgen drehte er bis 2005. Vor der ersten hatte er noch gestanden: "Ich weiß nicht mal, wie man eine Pistole hält." Später sagte Senf über seine Rolle: "Ich spiele den Kommissar so, wie ich selbst bin." Auch privat war er ein Gourmet und bevorzugt mit dem Rad unterwegs.

Schnell hatte Jochen Senf seinen besonders im Saarland sehr populären Kommissar als eine Art Gegenfigur zu Schimanski etabliert, den Götz George als polternden Macho spielte. Palu sollte Frauen mit Charme beeindrucken, querköpfig und scharfsinnig agieren, einige der zu lösenden Fälle waren denn auch politisch brisant. In der 1993 ausgestrahlten Folge Kesseltreiben ging es beispielsweise um einen radioaktiven Störfall und die Vertuschungsversuche der Kernindustrie.

Vorliebe für schräge Typen

Jochen Senf ist am 6. Januar 1942 in Frankfurt am Main zur Welt gekommen und seit seinem zehnten Lebensjahr in Saarbrücken aufgewachsen. Nach dem Abitur im Internat Salem studierte er Germanistik und Romanistik und war danach als Hörspieldramaturg tätig. Senf war nie nur Schauspieler: Er war Mitbegründer des Kinder- und Jugendtheaters Überzwerg, arbeitete in einem Jugendzentrum, in den ersten Drogen-WGs und mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Für Terre des Femmes engagierte er sich als Schirmherr einer Kampagne gegen häusliche Gewalt gegen Frauen, in Berlin für ein Suppenküche.

Er wurde außerdem Krimiautor, sein Debüt Bruno geht zu Fuß über den Anwalt Bruno Paul, der  einen Skandal um ein Medienmonopol, Immobiliengeschäfte und politische Machenschaften aufdeckt, erschien 1993, weitere Fälle folgten. Senf führte Regie, war im Theater und  in Kinoproduktionen zu sehen, zuletzt 2015 in Unser letzter Sommer polnischen Regisseurs Michał Rogalski.

In Andy Bauschs Troublemaker (1988) spielte er einen Trödler, der zwei Ganoven Pistolen verkaufen will und dabei unversehens in Banküberfälle verwickelt wird. Auch in der schwarzen Komödie Struppi und Wolf (1991), einer Geschichte über Treuhandabwicklung, Wendehälse und Ex-Stasileute, war er zu sehen. Er hatte immer eine Vorliebe für schräge, gebrochene Typen.