Das Ende von Geschichten ist ja oft ziemlich enttäuschend. Da hat man ewig zugehört und im Fall von Fernsehserien auch noch zugeschaut, dann ist es plötzlich vorbei, man sitzt verdattert da und denkt: Wie? Das soll’s gewesen sein? Dafür habe ich jetzt relativ viel Zeit meines, okay, aktuell nicht rasend aufregenden Lebens aufgewendet? Habe unnötige Cliffhanger ertragen, tumbe Plot-Wendungen, preiswerte CGI-Effekte – und nun soll ich aber auch noch DIESES DOOFE ENDE schlucken? Nicht euer Ernst!

Enden sind oft echt das Letzte.

Sollte einen die neue AMC-Serie The Terror enttäuschen, dann wird es zumindest nicht am Ende liegen. Das ist nämlich weidlich bekannt. Oder ansonsten sehr leicht zu googeln: Alle tot.

Die britische Franklin-Expedition, die 1845 antrat, um erstmals die Nordwestpassage zu durchsegeln, den kürzesten Seeweg zwischen Europa und Asien, und die damals letzten noch unbekannten Flecken im kanadisch-arktischen Archipel zu kartieren, scheiterte auf ganzer Linie. Die beiden Schiffe der Expedition, die HMS Erebus und die HMS Terror (nach der die Serie benannt ist), fuhren 1846 geradewegs ins Packeis vor der King-Williams-Insel, froren fest und wurden nach zwei Überwinterungen im Eis im Frühjahr 1848 von den Besatzungen aufgegeben. Der Proviant war irgendwann alle. Sämtliche Teilnehmer der Expedition, neben dem Kommandanten Sir John Franklin noch 128 weitere Männer, starben. Wo und wann und woran genau, das versuchten in den mehr als anderthalb Jahrhunderten danach diverse Forschungsexpeditionen mit unterschiedlich großem Erfolg herauszufinden.

Doch auch mit der Entdeckung der Wracks der Erebus und der Terror in den Jahren 2014 und 2016 sind nicht alle Fragen eindeutig beantwortet. Im Gegenteil, es hatte eher Souvenircharakter, die Schiffe auf dem Meeresgrund zu finden. Wie aber die extrem überhöhten Bleiwerte zustande kamen, die an den sterblichen Überresten einiger Teilnehmer festgestellt wurden, deren verstreute Gräber im Laufe der Zeit entdeckt wurden; welche gesundheitlichen Auswirkungen diese Bleimengen bei den Männern bereits zu Lebzeiten hatten, denn das Blei musste sich langsam angesammelt haben; wie es zu den mutmaßlichen Spuren von Kannibalismus an einigen der gefunden Menschenknochen kam; was also schließlich mit und zwischen den letzten Überlebenden geschah – das alles lässt sich nicht mehr zweifelsfrei klären. Darüber lässt sich nur spekulieren.

Was dann doch wieder eine ziemlich gute Ausgangslage für eine Geschichte ist. Die sich zudem auf die volkstümlichen Mythen stützen kann, die Abenteuerreisen im weitesten Sinne und die Polarerforschung im Besonderen gerade im 19. Jahrhundert produziert haben. Mark Twain und Jules Verne verarbeiteten die Franklin-Expedition beziehungsweise die Suchen nach Überlebenden literarisch, Sten Nadolny widmete sich dem Kommandanten Franklin viel später in Die Entdeckung der Langsamkeit. Dan Simmons wiederum machte daraus vor knapp zehn Jahren einen tausendseitigen Gruselschinken (Terror), der nun der Fernsehserie als Vorlage dient.

David Kajganich, der das Buch adaptiert hat und zugleich als Showrunner der Serie fungiert, ist eigentlich der einzige relativ Unbekannte unter den Beteiligten (bislang trat er nur als Mitverfasser des Drehbuchs für Luca Guadagninos A Bigger Splash in Erscheinung). Zu den Produzenten gehören Ridley Scott, dessen Name längst als Executive-Producer-Mietmarke für Filme und Serien dient, und David Zucker, der zuvor für The Good Wife verantwortlich war. Regisseur der ersten vier Folgen von The Terror, die Kritiker zu sehen bekamen, ist der Deutsche Edward Berger, der zuletzt fünf Episoden von Deutschland 83 gedreht hat. Und auch die Gesichter der Hauptdarsteller kennt man aus Qualitätsserien: Jared Harris etwa aus Mad Men und The Crown, Tobias Menzies aus The Honourable Woman und The Night Manager, Ciarán Hinds, der Franklin spielt, unter anderem aus Game of Thrones.

Eine solche Kaskade von Namen und Tätigkeitsnachweisen, und deswegen kann man sie auch mal runterrattern, benutzen Sender und Streamingdienste mittlerweile als vorgezogene Rückversicherung für geübte Serienzuschauer, die sich die bange Freizeitfrage stellen: Soll ich auch damit noch anfangen? Ist ja nicht so, dass ich nicht schon ausreichend Serien parallel schauen würde.