Die besten TV-Serien im April

Verlieren Sie langsam den Durchblick zwischen all den horizontalen und vertikalen Serien auf Netflix, Amazon, Sky und im Free-TV? Oder sind Sie einfach nur auf der Suche nach gutem Fernsehen, wollen womöglich sogar gepflegtes Binge-Watching betreiben? In unserer Kolumne "Hildegard von Binge" besprechen wir die interessantesten Neustarts des Monats.

"Westworld 2"


Was ist eigentlich das menschliche Bewusstsein, und wie wächst einem als Maschine eines? Das waren nicht ganz überraschend zwei der Hauptfragen der ersten Staffel von Westworld, dem zur Serie gewordenen Remake des alten Science-Fiction-Buchs und -Films von Michael Crichton. Der amerikanische Bezahlsender HBO hat mit Westworld den erfolgreichsten Serienstart der hauseigenen Geschichte hingelegt, was angesichts der internen Konkurrenz von Game of Thrones erstaunlich ist. Auch weil die Geschichte um einen Western-Themenpark der Zukunft, in der Menschen sich aufführen dürfen wie Tiere und humanoide Roboter abknallen wie Pappkameraden, eigentlich ziemlich absehbar erscheint: Irgendwann haben die Roboter genug davon und lehnen sich auf.

Die zweite Staffel setzt nun mit dem zwischenzeitlichen Ergebnis dieser Rebellion der Maschinen an: Sie haben erst mal Schlachtfelder voller lebloser Körper produziert. Das ist insofern erfreulich, als dass die Frage danach, welches Spiel genau der von Anthony Hopkins in der ersten Staffel dargestellte Gründer des Themenparks eigentlich trieb, nun in den Hintergrund tritt. Man kann sich endlich ganz auf die Maschinen konzentrieren, vor allem auf die von Evan Rachel Wood verkörperte Dolores, die nun zur absolut zentralen Figur wird, zur Rächerin und Ausbruchskandidatin aus der letztlich doch kleinen Welt von Westworld.

Was ist da draußen, außerhalb des Themenparks – und will man da als Maschine wirklich leben? Das Gute an Westworld ist: Dieser Serie werden so schnell die Fragen nicht ausgehen.
(Dirk Peitz)

Die zehn neuen Episoden von "Westworld" laufen ab 23. April immer montags um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD, auf Sky Ticket sowie auf Abruf.

"Haus des Geldes 2"

Zwei Tage vor Weihnachten ist offensichtlich kein guter Veröffentlichungszeitpunkt für eine Serie. Anders lässt es sich nicht erklären, warum das großartige spanische Haus des Geldes in Deutschland bisher immer noch ein Geheimtipp ist. Álex Pinas Serie ist sehenswert überdreht, eine Heist-Geschichte, eine Panzerknacker-Erzählung, die die Grenzen des Genres immer wieder übertritt.

Hier wird allerdings keine moralisch sinistre Person bestohlen, sondern gleich das ganze spanische Finanzsystem: Sergio Marquina, der sich "Professor" nennt, rekrutiert ein Team aus Dieben, Hackern und Killern und will mit ihnen in die spanische Notendruckerei eindringen und zwei Millionen Euro ausdrucken. Natürlich geht es bei dieser Geschichte vor allem um die Frage "Schaffen sie's oder schaffen sie's nicht?". Der Drehbuchautor Pina hat seinen Plot auch in der zweiten (und letzten) Staffel bis ins Kleinste ausgeklügelt und ihn in 15 Folgen zu einem fiebrigen Kammerspiel verdichtet.
(David Hugendick)

Eine ausführliche Rezension lesen Sie hier.
Beide Staffeln von "Haus des Geldes" sind auf Netflix abrufbar.

"Legion 2"

Eine der außergewöhnlichsten Serien des letzten Jahres kehrt mit der zweiten Staffel zurück: Der Showrunner Noah Hawley (Fargo) hat mit Legion zwar eine Marvel-Comic-Vorlage aus dem X-Men-Universum adaptiert, doch erfreulicherweise keinerlei Interesse daran, diesen Stoff nach üblichen und formelhaften Mustern einer Superheldengeschichte zu erzählen. Der Regisseur und Romanautor nutzt die Gelegenheit vielmehr dazu, visuell und inhaltlich auszutesten, wie dissoziativ eine zeitgenössische Publikumsserie erzählt werden kann.

David Haller (Dan Stevens), dem seit Teenagertagen Schizophrenie attestiert wird, fristet sein Leben als Insasse einer psychiatrischen Klinik, bis er dort Syd (Rachel Keller) kennenlernt. Als er herausfindet, dass er in Wirklichkeit auch der mächtigste Mutant der Welt sein könnte, flieht er mit ihr. Aber ist David tatsächlich der Auserwählte, in dessen Körper sich jahrelang ein mächtiger Parasit eingenistet hat, den er mithilfe einer kleinen Gruppe weiterer Mutantenkollegen bekämpfen muss? Oder handelt es sich am Ende doch alles nur um eine Wahnvorstellung? Die erste Folge der neuen Staffel überrollt die Zuschauer erneut mit visuellen Kapriolen: grandios arrangierte Tableaus und psychedelische Szenenabfolgen, die direkt aus dem Kopf eines sehr unzuverlässigen Erzählers zu kommen scheinen.
(Jens Mayer)

"Legion" läuft immer mittwochs um 21 Uhr exklusiv auf Fox und ab 6. Juni auch über Sky Go, Sky On Demand, Sky Ticket, Vodafone Select sowie GigaTV.

Wilder Genre-Mix und italienische Politik: "Happy!" und "1993"

"Happy!"

Der ehemalige Cop Nick Sax (Christopher Meloni) schlägt sich als schmieriger und alkoholkranker Auftragskiller durch die düstere und ultrabrutale Unterwelt, bis er bei einem Job lebensgefährlich verletzt wird und ihm nach seiner Nahtoderfahrung ein kleines blaues Eselwesen mit Flügeln und Einhorn erscheint. Der naiv-heitere Happy stellt sich als Manifestation des imaginären Freundes eines verschwundenen Mädchens heraus und will Sax davon überzeugen, die Kleine aus den Fängen eines widerlichen Weihnachtsmann-Entführers zu befreien. Tatsächlich handelt es sich nicht um irgendein Kind, das auf die Hilfe des Ex-Polizisten angewiesen ist, sondern um dessen eigene Tochter, von deren Existenz er bislang nichts wusste.

Die äußerst abgefahrene Version einer Buddy-Cop-Geschichte, die in den USA für den Sender Syfy produziert wurde, basiert auf einer Graphic Novel des schottischen Comicautors Grant Morrison. Handlung und Figuren sind derart übertrieben und mit einem dreckigen bis geschmacklos-schwarzen Humor ausgestattet, dass sich die Geister daran zwangsläufig scheiden müssen. Dazu inszeniert der Regisseur Bryan Taylor (Crank) drastische Splatter-Gewaltorgien im Stil von Serienverwandten wie Preacher oder Ash vs Evil Dead. Wer sich damit anfreunden kann, darf sich auf einen ausgefallenen, wild inszenierten Trip freuen, der definitiv aus der Serienflut heraussticht. 
(Jens Mayer)

Die acht Folgen der ersten Staffel von "Happy!" sind ab dem 26. April auf Netflix abrufbar.


"1993"

Wer verstehen will, warum die italienische Politik heute so ist, wie sie ist, sollte sich unbedingt die Serie 1992 beziehungsweise die Fortsetzung 1993 ansehen. Sie erzählt, wie die Aufdeckung eines riesigen Korruptionsskandals in Wirtschaft und Politik – bekannt als "mani pulite" ("saubere Hände") – das Vertrauen der Italiener in die etablierten bürgerlichen Parteien nachhaltig zerstörte. Während die erste Staffel sich vor allem auf den Sturz der Sozialisten um Bettino Craxi konzentrierte, geht es in der Fortsetzung um die Neubesetzung der Macht in Rom. Erstaunlich ist, wie gegenwärtig die Serie trotz des Zeitsprungs von 25 Jahren daherkommt. Wenn die wütenden Bürger in 1993 "Vergogna, vergogna" ("Schande, Schande") schreien, als Craxi von der Polizei abgeführt wird, denkt man unweigerlich an die Onestà-Rufe ("Ehrlichkeit") der Cinque-Stelle-Bewegung.

Pietro Bosco (rechts im Bild) zettelt Randale im italienischen Parlament an: Szene aus "1993" © Sky Italia, Wildside and Beta Film

Stefano Accorsi, der die Idee zur Serie lieferte und auch die Hauptrolle spielt, verliert als wendehalsiger Werbeexperte Notte noch mehr von seinen kommunistischen Idealen und ringt nun mit sich, ob er wirklich dem Medienunternehmer Berlusconi zur Macht verhelfen will. Das Showgirl Veronica Castello (Miriam Leone) fängt an, sich gegen die männliche Vereinnahmung ihres Lebens zur Wehr zu setzen und der Underdog Pietro Bosco (Guido Caprino) erfährt, dass seine Pöbeleien im Abgeordnetenhaus die konservative Rechte in Rom mit wohligem Schauder erfüllen. Kurz: Auch jenseits der italienischen Innenpolitik ist 1993 ein Lehrstück darüber, was in einem Land passieren kann, wenn sich in der politischen Mitte eines Landes plötzlich ein Abgrund auftut.
(Carolin Ströbele)

"1993" läuft auf dem Sony Channel, die erste Staffel "1992" ist auf Amazon, iTunes und GooglePlay abrufbar.

Was sonst noch läuft: "Die Einkreisung" mit Daniel Brühl und das Remake "Lost in Space"

"Die Einkreisung" ("The Alienist")

Im 19. Jahrhundert war es gängige Meinung, dass Menschen, die an psychischen Krankheiten litten, sich von ihrer eigentlichen Natur entfremdet hätten. Spezialisten für Geisteskrankheiten wurden dementsprechend alienists genannt. Einer von ihnen ist Dr. Laszlo Kreizler (Daniel Brühl), der hinzugezogen wird, als man im New York des Jahres 1896 die grausam verstümmelte Leiche eines italienischen Jungen in Frauenkleidern findet. Der Junge hat als Prostituierter gearbeitet und es ist nicht der erste Mord dieser Art, wie sich herausstellt. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Zeichner John Moore (Luke Evans), und den beiden Polizeidetektiven Marcus und Lucius Isaacson (Douglas Smith und Matthew Shear) macht Kreizler Jagd auf den psychisch gestörten Serientäter.

Die Einkreisung, so der deutsche Titel der zehnteiligen TNT-Serie, spielt im düsteren New York in der Aufbauphase der industriellen Revolution. Die Slums, die Armut, die Niedertracht des von David Wilmot grandios dargestellten Polizeicaptains Connor sind atmosphärisch glänzend in Szene gesetzt. Überhaupt kann man bei Die Einkreisung ein großartiges Ensemble bewundern. Zum Team der Drehbuchautoren gehört unter anderem Cary Fukunaga, Executive Producer von True Detective, unter den fünf Regisseuren finden sich Namen wie Jakob Verbruggen (House of Cards, Black Mirror) und David Petrarca (Game of Thrones, Jessica Jones). Erst nach und nach stellt sich der Eindruck ein, dass das nicht ausreicht. Das Drehbuch hat keine sonderlich überraschenden Einfälle; die Handlung kommt nicht so recht vom Fleck. Letztlich bleibt von Die Einkreisung nur eine eher dröge Bilderschau.
(Christoph Schröder)

Die zehn Episoden von "The Alienist" sind auf Netflix abrufbar.

"Lost in Space"

Was nimmt man mit auf einen fremden Planeten, der eine Alternative zur verdreckten, alten Erde werden soll? Moby Dick? Warum nicht, wiegt ja nichts, so ein E-Book. Die Frage ist: Will man bei der Weltraumeroberung wirklich jemanden an seiner Seite haben, der die Muße hat, Moby Dick auch zu lesen? Viel eher braucht man doch Leute mit handfesten Fähigkeiten wie Kriegsführung, Chirurgie, Chemie. Gut, dass eine (fast) unbestechliche Institution das Casting der Raumfahrer übernimmt. Unter den ausgewählten Kolonisten ist auch die Familie Robinson – die gesamte wohlgemerkt, denn auch die Literaturliebende der beiden Töchter hat die Notfallsimulation bestanden und darf mit.

Der Notfall tritt allerdings schon auf halber Strecke ein, die Raumstation wird angegriffen und die Robinsons müssen auf einem unbekannten Planeten notlanden, wo ein Crusoescher Überlebenskampf beginnt. Was schiefgehen kann, geht schief, die Macher haben sich da einiges einfallen lassen. Wenn etwa die Tochter in einem Gletschersee einfriert und die Eltern immer verzweifelter mit Essbesteck auf die Eisdecke einhacken, weil ihrem Kind im Raumanzug bald die Luft ausgeht, dann ist das außerordentlich spannend. Letztlich gelingt die Rettung natürlich, weil die Robinsons jenen uramerikanischen Pioniergeist verkörpern, der schon das gleichnamige Original aus den Sechzigerjahren auszeichnete. Außerdem haben sie eine Familienpackung Oreos dabei. Was auch die Frage beantwortet, was wirklich wichtig ist im All.
(Alexander Krex)

"Lost in Space" läuft auf Netflix

Scandi und British Noir: "Der Grenzgänger" und "Hard Sun"

"Der Grenzgänger"

Mit großem Aufwand bewirbt der Pay-TV-Sender Sky gerade seine zweite Eigenproduktion nach Babylon Berlin – den Scandi-Noir-Krimi Der Grenzgänger. Der Osloer Kommissar Nikolai Andreassen (Tobias Santelmann) muss wegen seiner Aussagen gegen einen kriminellen Kollegen eine Auszeit nehmen. Natürlich bleibt es auch im beschaulichen Örtchen, in dem er seinen Bruder Lars (Benjamin Helstad) und dessen beide Kinder besucht, nicht lange ohne Mord. Für zusätzlichen Stoff sorgt die Tatsache, dass ausgerechnet Lars in den Fall verwickelt zu sein scheint.

So verstrickt sich der prinzipientreue Nikolai immer mehr in Lügen, um den eigenen Bruder zu decken. Das alles ist solide, aber doch sehr konventionell erzählt, zumindest in den ersten drei Folgen, die vorab zu sehen waren. Allein die beiden Männerfiguren unterscheiden sich vom üblichen Polizisten-Stereotyp. Nikolais Homosexualität wird angenehm nebensächlich erzählt. Und auch die Tatsache, dass Lars alleinerziehender Vater ist, ist ganz normaler Teil der Geschichte. Sonst geht es um die üblichen Städter-trifft-auf-verlogene-Dorfidylle-Themen: Drogenhandel, Alkoholismus, Isolation, Verschuldung. Außerdem natürlich vorhanden: der sinistre Unternehmer mit politischen Ambitionen, der über allem thront.
(Carolin Ströbele)

Die acht Episoden von "Der Grenzgänger" sind freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD zu sehen sowie auf Sky Ticket und auf Abruf.

"Hard Sun"

Die britisch-amerikanische Miniserie Hard Sun, produziert von BBC One und dem US-Streamingdienst Hulu, ist ein Scifi-Thriller, der in der Gegenwart spielt: Der britische Geheimdienst hat valide Informationen darüber, dass die Welt in fünf Jahren ausgelöscht werden wird – durch ein Ereignis, das Hard Sun genannt wird. Der Stick mit den brisanten Informationen landet in den Händen der Ermittlerin Elaine Renko (Agyness Deyn) und ihres Kollegen Charlie Hicks (Jim Sturgess). Die beiden werden verfolgt vom MI6, der die Daten unbedingt unter Verschluss halten will, angeblich um zu verhindern, das weltweit Anarchie ausbricht. Soll man dem Menschen sagen, dass die Welt bald zugrunde geht, oder muss man ihn schützen? Es ist ein interessanter Konflikt, aus dem sich viele moralische Fragen hätten ableiten lassen können.

Neil Cross, Schöpfer der britischen Ausnahme-Copserie Luther, hat sich leider für die hardboiled-Variante entschieden und lässt seine beiden Protagonisten das übliche Hamsterrad von Vorgesetzten-Druck, Erpressung und eigenen Idealen ablaufen. Und plötzlich geht es gar nicht mehr um eine Gesellschaft am Rande des Weltuntergangs, sondern um einen ganz banalen religiös motivierten Massenmörder. Was der Story an Feinheiten fehlt, wird durch extreme Brutalität kompensiert. Auf ganz merkwürdige Weise wirkt Hard Sun trotz seiner aktuellen Thematik wie eine Serie aus dem vergangenen Jahrzehnt.
(Carolin Ströbele)

"Hard Sun" ist in der ZDF-Mediathek abrufbar und läuft in drei Doppelfolgen ab 16. April um 22.15 Uhr im ZDF.

Agenten-Einerlei und 9/11-Aufarbeitung: "Deep State" und "The Looming Tower"

"Deep State"

Max Easton ist raus. Mit zweiter Ehefrau und kleinen Kindern verbringt der ehemalige MI6-Agent zu Beginn ein sorgloses Leben im französischen Niemandsland. Dabei weiß er natürlich: Als Geheimagent ist man niemals wirklich raus. Ein Anruf aus London genügt – und wenige Szenen später sitzt Easton in einem Flugzeug Richtung Beirut. Mit Folterwerkzeug und schweren Waffen macht er sich auf die Suche nach den Mördern seines ältesten, ebenfalls für den MI6 tätigen Sohns. Zeitgleich stößt seine zuvor ahnungslose Frau (Lyne Renée) auf Dokumente und USB-Sticks, die Eastons Vergangenheit als Allzweckwaffe des britischen Geheimdienstes offenlegen.

In den ersten beiden Folgen inszenieren die Showrunner Simon Maxwell und Matthew Parkhill diese vertraute Geschichte als Genre-TV: hektische Schnitte, hohes Tempo, ambitionierte Erzählstruktur. Der englische Fernsehveteran Mark Strong verkörpert Easton mit breiter Brust und sechseckigem Gesicht – den Mann, der über Leichen geht, nimmt man ihm ab, den von Sorgen und Schuld zerfressenen Familienvater nicht. Darin liegen sowohl Stärke als auch Schwäche von Deep State. Als Agententhriller mit Jason-Bourne-Härtegrad bedient die Serie Fans von Einzelkämpfern und Verschwörungstheorien routiniert. Es gibt aber längst unzählige Serien, die das Gleiche leisten. Nur fantasievoller, mehrdeutiger und besser.
(Daniel Gerhardt)

Die acht Folgen der ersten Staffel von "Deep State" laufen immer dienstags um 21 Uhr auf Fox und sind zudem auf Sky Go, Sky On Demand, Sky Ticket sowie auf Vodafone Select und GigaTV verfügbar.

"The Looming Tower"

Nach The Handmaid’s Tale ist The Looming Tower eine weitere Eigenproduktion der US-amerikanischen Streaming-Plattform Hulu. Die zehnteilige Serie basiert auf dem gleichnamigen, 2006 erschienenen und mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Sachbuch (dt.: Der Tod wird euch finden) von Lawrence Wright. Darin spürt der Journalist und Autor akribisch den Hintergründen nach, die zu den Terroranschlägen von Al Kaida am 11. September 2001 führten. Alex Gibney (Taxi zur Hölle), Dan Futterman (Capote, In Treatment) und Wright selbst setzen den Fokus ihrer Serie auf das Versagen der US-Regierung und deren Beamten, die sich gegenseitig behinderten statt die Anschläge zu verhindern.

Im Gegensatz zur detaillierten und umfassenden Buchvorlage konzentriert sich die fiktionalisierte Adaption lediglich auf die US-amerikanische Perspektive. Im Licht der Trump-Regierung sind die Machtkämpfe zwischen FBI und CIA über die Zuständigkeiten sowie der Chauvinismus der Verantwortlichen durchaus interessant. Trotzdem wirkt die Serie etwas antiquiert, und das liegt nicht nur an der Zeit, die sie erzählt – beginnend mit dem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi im August 1998 und dem parallel tobenden innenpolitischen Skandal um Präsident Clintons Lewinsky-Affäre –, oder an den altgedienten Hauptdarstellern wie Jeff Daniels als Chef der FBI-Terrorismusabwehr und Bill Camp als seinem Mitarbeiter. The Looming Tower ist ein Kammerspiel männlicher Machtkämpfe und erinnert in seiner insgesamt sehr klassischen Erzählweise an die Frühzeit des goldenen TV-Zeitalters. Heute wirkt die Serie fast schon aus der Zeit gefallen.
(Jens Mayer)

Bislang sind die ersten sechs Folgen von "The Looming Tower" im Original auf Amazon Prime Video abrufbar. Eine deutschsprachige Fassung wird derzeit neu erstellt.

Eher nicht: "Genius: Picasso"

"Genius: Picasso"

Man sollte ja glauben, dass eine im Jahr 2018 erscheinende Dramaserie mit dem Titel Genius (zu deutsch: Genie) schon auch ironisch gemeint sein und ganz bewusst mit dem Klischee des gottbegnadeten Mannes spielen könnte. Leider ist dem nicht so. Anscheinend, das haben ja auch die vergangenen Monate gezeigt, gibt es noch genügend Menschen – darunter offenbar auch die ausführenden Produzenten Ron Howard und Brian Grazer –, die ganz froh sind, dass sich die alte Welt und ihre traditionellen Rollenbilder nicht ganz so leicht aus den Fugen reißen lassen.

Ihr aktuelles Sujet, nachdem sie sich in der ersten Staffel erfolgreich an Albert Einstein abgearbeitet haben, ist nun kein geringeres als der Obermaler-Macker Pablo Picasso. Der dreht sich vor lauter Freude wahrscheinlich gerade mehrfach im Grabe um, dass man(n) seiner immer noch nicht überdrüssig ist und sich nach einer schier endlosen Reihe an Filmen und Büchern, die in den vergangenen Jahrzehnten über ihn erschienen sind, weiterhin die Frage stellt: "Wer war Picasso als Mensch?"

Die Antworten, die die Serie Genius: Picasso liefert, sind weder neu noch überraschend. Picasso bleibt der Tyrann und Egomane, der er seit eh und je war. Nur spielt Antonio Banderas ihn nicht annähernd so gut, wie das einst Anthony Hopkins in Mein Mann Picasso getan hat. Man reibt sich als Zuschauerin über so viel distanzlose und blinde Verehrung des spanischen Künstlers tatsächlich verblüfft die Augen. Interessant wäre ja gewesen, endlich einmal hinter die Fassaden der vielen genialen Frauen zu schauen, die Männer wie Picasso umgaben, anstatt sie zum hundertsten Mal als austauschbare Sidekicks zu inszenieren.
(Carolin Würfel)

"Genius: Picasso" läuft ab 26. April immer donnerstags um 21 Uhr auf National Geographic.

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Und was gucken Sie? Schreiben Sie in den Kommentarbereich, welche Serien Ihnen den Schlaf rauben. Hildegard von Binge dankt es Ihnen.