"Happy!"

Der ehemalige Cop Nick Sax (Christopher Meloni) schlägt sich als schmieriger und alkoholkranker Auftragskiller durch die düstere und ultrabrutale Unterwelt, bis er bei einem Job lebensgefährlich verletzt wird und ihm nach seiner Nahtoderfahrung ein kleines blaues Eselwesen mit Flügeln und Einhorn erscheint. Der naiv-heitere Happy stellt sich als Manifestation des imaginären Freundes eines verschwundenen Mädchens heraus und will Sax davon überzeugen, die Kleine aus den Fängen eines widerlichen Weihnachtsmann-Entführers zu befreien. Tatsächlich handelt es sich nicht um irgendein Kind, das auf die Hilfe des Ex-Polizisten angewiesen ist, sondern um dessen eigene Tochter, von deren Existenz er bislang nichts wusste.

Die äußerst abgefahrene Version einer Buddy-Cop-Geschichte, die in den USA für den Sender Syfy produziert wurde, basiert auf einer Graphic Novel des schottischen Comicautors Grant Morrison. Handlung und Figuren sind derart übertrieben und mit einem dreckigen bis geschmacklos-schwarzen Humor ausgestattet, dass sich die Geister daran zwangsläufig scheiden müssen. Dazu inszeniert der Regisseur Bryan Taylor (Crank) drastische Splatter-Gewaltorgien im Stil von Serienverwandten wie Preacher oder Ash vs Evil Dead. Wer sich damit anfreunden kann, darf sich auf einen ausgefallenen, wild inszenierten Trip freuen, der definitiv aus der Serienflut heraussticht. 
(Jens Mayer)

Die acht Folgen der ersten Staffel von "Happy!" sind ab dem 26. April auf Netflix abrufbar.


"1993"

Wer verstehen will, warum die italienische Politik heute so ist, wie sie ist, sollte sich unbedingt die Serie 1992 beziehungsweise die Fortsetzung 1993 ansehen. Sie erzählt, wie die Aufdeckung eines riesigen Korruptionsskandals in Wirtschaft und Politik – bekannt als "mani pulite" ("saubere Hände") – das Vertrauen der Italiener in die etablierten bürgerlichen Parteien nachhaltig zerstörte. Während die erste Staffel sich vor allem auf den Sturz der Sozialisten um Bettino Craxi konzentrierte, geht es in der Fortsetzung um die Neubesetzung der Macht in Rom. Erstaunlich ist, wie gegenwärtig die Serie trotz des Zeitsprungs von 25 Jahren daherkommt. Wenn die wütenden Bürger in 1993 "Vergogna, vergogna" ("Schande, Schande") schreien, als Craxi von der Polizei abgeführt wird, denkt man unweigerlich an die Onestà-Rufe ("Ehrlichkeit") der Cinque-Stelle-Bewegung.

Pietro Bosco (rechts im Bild) zettelt Randale im italienischen Parlament an: Szene aus "1993" © Sky Italia, Wildside and Beta Film

Stefano Accorsi, der die Idee zur Serie lieferte und auch die Hauptrolle spielt, verliert als wendehalsiger Werbeexperte Notte noch mehr von seinen kommunistischen Idealen und ringt nun mit sich, ob er wirklich dem Medienunternehmer Berlusconi zur Macht verhelfen will. Das Showgirl Veronica Castello (Miriam Leone) fängt an, sich gegen die männliche Vereinnahmung ihres Lebens zur Wehr zu setzen und der Underdog Pietro Bosco (Guido Caprino) erfährt, dass seine Pöbeleien im Abgeordnetenhaus die konservative Rechte in Rom mit wohligem Schauder erfüllen. Kurz: Auch jenseits der italienischen Innenpolitik ist 1993 ein Lehrstück darüber, was in einem Land passieren kann, wenn sich in der politischen Mitte eines Landes plötzlich ein Abgrund auftut.
(Carolin Ströbele)

"1993" läuft auf dem Sony Channel, die erste Staffel "1992" ist auf Amazon, iTunes und GooglePlay abrufbar.