"Die Einkreisung" ("The Alienist")

Im 19. Jahrhundert war es gängige Meinung, dass Menschen, die an psychischen Krankheiten litten, sich von ihrer eigentlichen Natur entfremdet hätten. Spezialisten für Geisteskrankheiten wurden dementsprechend alienists genannt. Einer von ihnen ist Dr. Laszlo Kreizler (Daniel Brühl), der hinzugezogen wird, als man im New York des Jahres 1896 die grausam verstümmelte Leiche eines italienischen Jungen in Frauenkleidern findet. Der Junge hat als Prostituierter gearbeitet und es ist nicht der erste Mord dieser Art, wie sich herausstellt. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Zeichner John Moore (Luke Evans), und den beiden Polizeidetektiven Marcus und Lucius Isaacson (Douglas Smith und Matthew Shear) macht Kreizler Jagd auf den psychisch gestörten Serientäter.

Die Einkreisung, so der deutsche Titel der zehnteiligen TNT-Serie, spielt im düsteren New York in der Aufbauphase der industriellen Revolution. Die Slums, die Armut, die Niedertracht des von David Wilmot grandios dargestellten Polizeicaptains Connor sind atmosphärisch glänzend in Szene gesetzt. Überhaupt kann man bei Die Einkreisung ein großartiges Ensemble bewundern. Zum Team der Drehbuchautoren gehört unter anderem Cary Fukunaga, Executive Producer von True Detective, unter den fünf Regisseuren finden sich Namen wie Jakob Verbruggen (House of Cards, Black Mirror) und David Petrarca (Game of Thrones, Jessica Jones). Erst nach und nach stellt sich der Eindruck ein, dass das nicht ausreicht. Das Drehbuch hat keine sonderlich überraschenden Einfälle; die Handlung kommt nicht so recht vom Fleck. Letztlich bleibt von Die Einkreisung nur eine eher dröge Bilderschau.
(Christoph Schröder)

Die zehn Episoden von "The Alienist" sind auf Netflix abrufbar.

"Lost in Space"

Was nimmt man mit auf einen fremden Planeten, der eine Alternative zur verdreckten, alten Erde werden soll? Moby Dick? Warum nicht, wiegt ja nichts, so ein E-Book. Die Frage ist: Will man bei der Weltraumeroberung wirklich jemanden an seiner Seite haben, der die Muße hat, Moby Dick auch zu lesen? Viel eher braucht man doch Leute mit handfesten Fähigkeiten wie Kriegsführung, Chirurgie, Chemie. Gut, dass eine (fast) unbestechliche Institution das Casting der Raumfahrer übernimmt. Unter den ausgewählten Kolonisten ist auch die Familie Robinson – die gesamte wohlgemerkt, denn auch die Literaturliebende der beiden Töchter hat die Notfallsimulation bestanden und darf mit.

Der Notfall tritt allerdings schon auf halber Strecke ein, die Raumstation wird angegriffen und die Robinsons müssen auf einem unbekannten Planeten notlanden, wo ein Crusoescher Überlebenskampf beginnt. Was schiefgehen kann, geht schief, die Macher haben sich da einiges einfallen lassen. Wenn etwa die Tochter in einem Gletschersee einfriert und die Eltern immer verzweifelter mit Essbesteck auf die Eisdecke einhacken, weil ihrem Kind im Raumanzug bald die Luft ausgeht, dann ist das außerordentlich spannend. Letztlich gelingt die Rettung natürlich, weil die Robinsons jenen uramerikanischen Pioniergeist verkörpern, der schon das gleichnamige Original aus den Sechzigerjahren auszeichnete. Außerdem haben sie eine Familienpackung Oreos dabei. Was auch die Frage beantwortet, was wirklich wichtig ist im All.
(Alexander Krex)

"Lost in Space" läuft auf Netflix