"Der Grenzgänger"

Mit großem Aufwand bewirbt der Pay-TV-Sender Sky gerade seine zweite Eigenproduktion nach Babylon Berlin – den Scandi-Noir-Krimi Der Grenzgänger. Der Osloer Kommissar Nikolai Andreassen (Tobias Santelmann) muss wegen seiner Aussagen gegen einen kriminellen Kollegen eine Auszeit nehmen. Natürlich bleibt es auch im beschaulichen Örtchen, in dem er seinen Bruder Lars (Benjamin Helstad) und dessen beide Kinder besucht, nicht lange ohne Mord. Für zusätzlichen Stoff sorgt die Tatsache, dass ausgerechnet Lars in den Fall verwickelt zu sein scheint.

So verstrickt sich der prinzipientreue Nikolai immer mehr in Lügen, um den eigenen Bruder zu decken. Das alles ist solide, aber doch sehr konventionell erzählt, zumindest in den ersten drei Folgen, die vorab zu sehen waren. Allein die beiden Männerfiguren unterscheiden sich vom üblichen Polizisten-Stereotyp. Nikolais Homosexualität wird angenehm nebensächlich erzählt. Und auch die Tatsache, dass Lars alleinerziehender Vater ist, ist ganz normaler Teil der Geschichte. Sonst geht es um die üblichen Städter-trifft-auf-verlogene-Dorfidylle-Themen: Drogenhandel, Alkoholismus, Isolation, Verschuldung. Außerdem natürlich vorhanden: der sinistre Unternehmer mit politischen Ambitionen, der über allem thront.
(Carolin Ströbele)

Die acht Episoden von "Der Grenzgänger" sind freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD zu sehen sowie auf Sky Ticket und auf Abruf.

"Hard Sun"

Die britisch-amerikanische Miniserie Hard Sun, produziert von BBC One und dem US-Streamingdienst Hulu, ist ein Scifi-Thriller, der in der Gegenwart spielt: Der britische Geheimdienst hat valide Informationen darüber, dass die Welt in fünf Jahren ausgelöscht werden wird – durch ein Ereignis, das Hard Sun genannt wird. Der Stick mit den brisanten Informationen landet in den Händen der Ermittlerin Elaine Renko (Agyness Deyn) und ihres Kollegen Charlie Hicks (Jim Sturgess). Die beiden werden verfolgt vom MI6, der die Daten unbedingt unter Verschluss halten will, angeblich um zu verhindern, das weltweit Anarchie ausbricht. Soll man dem Menschen sagen, dass die Welt bald zugrunde geht, oder muss man ihn schützen? Es ist ein interessanter Konflikt, aus dem sich viele moralische Fragen hätten ableiten lassen können.

Neil Cross, Schöpfer der britischen Ausnahme-Copserie Luther, hat sich leider für die hardboiled-Variante entschieden und lässt seine beiden Protagonisten das übliche Hamsterrad von Vorgesetzten-Druck, Erpressung und eigenen Idealen ablaufen. Und plötzlich geht es gar nicht mehr um eine Gesellschaft am Rande des Weltuntergangs, sondern um einen ganz banalen religiös motivierten Massenmörder. Was der Story an Feinheiten fehlt, wird durch extreme Brutalität kompensiert. Auf ganz merkwürdige Weise wirkt Hard Sun trotz seiner aktuellen Thematik wie eine Serie aus dem vergangenen Jahrzehnt.
(Carolin Ströbele)

"Hard Sun" ist in der ZDF-Mediathek abrufbar und läuft in drei Doppelfolgen ab 16. April um 22.15 Uhr im ZDF.