"Deep State"

Max Easton ist raus. Mit zweiter Ehefrau und kleinen Kindern verbringt der ehemalige MI6-Agent zu Beginn ein sorgloses Leben im französischen Niemandsland. Dabei weiß er natürlich: Als Geheimagent ist man niemals wirklich raus. Ein Anruf aus London genügt – und wenige Szenen später sitzt Easton in einem Flugzeug Richtung Beirut. Mit Folterwerkzeug und schweren Waffen macht er sich auf die Suche nach den Mördern seines ältesten, ebenfalls für den MI6 tätigen Sohns. Zeitgleich stößt seine zuvor ahnungslose Frau (Lyne Renée) auf Dokumente und USB-Sticks, die Eastons Vergangenheit als Allzweckwaffe des britischen Geheimdienstes offenlegen.

In den ersten beiden Folgen inszenieren die Showrunner Simon Maxwell und Matthew Parkhill diese vertraute Geschichte als Genre-TV: hektische Schnitte, hohes Tempo, ambitionierte Erzählstruktur. Der englische Fernsehveteran Mark Strong verkörpert Easton mit breiter Brust und sechseckigem Gesicht – den Mann, der über Leichen geht, nimmt man ihm ab, den von Sorgen und Schuld zerfressenen Familienvater nicht. Darin liegen sowohl Stärke als auch Schwäche von Deep State. Als Agententhriller mit Jason-Bourne-Härtegrad bedient die Serie Fans von Einzelkämpfern und Verschwörungstheorien routiniert. Es gibt aber längst unzählige Serien, die das Gleiche leisten. Nur fantasievoller, mehrdeutiger und besser.
(Daniel Gerhardt)

Die acht Folgen der ersten Staffel von "Deep State" laufen immer dienstags um 21 Uhr auf Fox und sind zudem auf Sky Go, Sky On Demand, Sky Ticket sowie auf Vodafone Select und GigaTV verfügbar.

"The Looming Tower"

Nach The Handmaid’s Tale ist The Looming Tower eine weitere Eigenproduktion der US-amerikanischen Streaming-Plattform Hulu. Die zehnteilige Serie basiert auf dem gleichnamigen, 2006 erschienenen und mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Sachbuch (dt.: Der Tod wird euch finden) von Lawrence Wright. Darin spürt der Journalist und Autor akribisch den Hintergründen nach, die zu den Terroranschlägen von Al Kaida am 11. September 2001 führten. Alex Gibney (Taxi zur Hölle), Dan Futterman (Capote, In Treatment) und Wright selbst setzen den Fokus ihrer Serie auf das Versagen der US-Regierung und deren Beamten, die sich gegenseitig behinderten statt die Anschläge zu verhindern.

Im Gegensatz zur detaillierten und umfassenden Buchvorlage konzentriert sich die fiktionalisierte Adaption lediglich auf die US-amerikanische Perspektive. Im Licht der Trump-Regierung sind die Machtkämpfe zwischen FBI und CIA über die Zuständigkeiten sowie der Chauvinismus der Verantwortlichen durchaus interessant. Trotzdem wirkt die Serie etwas antiquiert, und das liegt nicht nur an der Zeit, die sie erzählt – beginnend mit dem Anschlag auf die US-Botschaft in Nairobi im August 1998 und dem parallel tobenden innenpolitischen Skandal um Präsident Clintons Lewinsky-Affäre –, oder an den altgedienten Hauptdarstellern wie Jeff Daniels als Chef der FBI-Terrorismusabwehr und Bill Camp als seinem Mitarbeiter. The Looming Tower ist ein Kammerspiel männlicher Machtkämpfe und erinnert in seiner insgesamt sehr klassischen Erzählweise an die Frühzeit des goldenen TV-Zeitalters. Heute wirkt die Serie fast schon aus der Zeit gefallen.
(Jens Mayer)

Bislang sind die ersten sechs Folgen von "The Looming Tower" im Original auf Amazon Prime Video abrufbar. Eine deutschsprachige Fassung wird derzeit neu erstellt.