"Genius: Picasso"

Man sollte ja glauben, dass eine im Jahr 2018 erscheinende Dramaserie mit dem Titel Genius (zu deutsch: Genie) schon auch ironisch gemeint sein und ganz bewusst mit dem Klischee des gottbegnadeten Mannes spielen könnte. Leider ist dem nicht so. Anscheinend, das haben ja auch die vergangenen Monate gezeigt, gibt es noch genügend Menschen – darunter offenbar auch die ausführenden Produzenten Ron Howard und Brian Grazer –, die ganz froh sind, dass sich die alte Welt und ihre traditionellen Rollenbilder nicht ganz so leicht aus den Fugen reißen lassen.

Ihr aktuelles Sujet, nachdem sie sich in der ersten Staffel erfolgreich an Albert Einstein abgearbeitet haben, ist nun kein geringeres als der Obermaler-Macker Pablo Picasso. Der dreht sich vor lauter Freude wahrscheinlich gerade mehrfach im Grabe um, dass man(n) seiner immer noch nicht überdrüssig ist und sich nach einer schier endlosen Reihe an Filmen und Büchern, die in den vergangenen Jahrzehnten über ihn erschienen sind, weiterhin die Frage stellt: "Wer war Picasso als Mensch?"

Die Antworten, die die Serie Genius: Picasso liefert, sind weder neu noch überraschend. Picasso bleibt der Tyrann und Egomane, der er seit eh und je war. Nur spielt Antonio Banderas ihn nicht annähernd so gut, wie das einst Anthony Hopkins in Mein Mann Picasso getan hat. Man reibt sich als Zuschauerin über so viel distanzlose und blinde Verehrung des spanischen Künstlers tatsächlich verblüfft die Augen. Interessant wäre ja gewesen, endlich einmal hinter die Fassaden der vielen genialen Frauen zu schauen, die Männer wie Picasso umgaben, anstatt sie zum hundertsten Mal als austauschbare Sidekicks zu inszenieren.
(Carolin Würfel)

"Genius: Picasso" läuft ab 26. April immer donnerstags um 21 Uhr auf National Geographic.

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