Manchmal ist es aber auch nicht leicht. Wenn man sich zum Beispiel die Mühe macht, zu überlegen, was bei dem Frankfurter Tatort: Unter Kriegern (HR-Redaktion: Liane Jessen, Lili Kobbe) schiefgelaufen ist, ob das Drehbuch (Volker Einrauch) von der Regie (Hermine Huntgeburth) vielleicht nicht verstanden wurde oder, umgekehrt, die Regie aus einem dürftigen Drehbuch das Beste zu machen versucht hat – dann findet sich in diesem Internet der Hinweis, dass Einrauch und Huntgeburth seit Jahren zusammenarbeiten. Vor zwei Jahren sogar schon einmal bei einem Frankfurter Tatort.

Und so was macht man ja nicht, wenn man sich nicht versteht. Was die Sache nur komplizierter erscheinen lässt, weil doch zu spüren ist, dass dieser Tatort irgendetwas will. Man aber an der Frage, was er will, viel länger zu kauen hat als an der im Laufe des Films immer uninteressanter werdenden Mördersuche.

Das hat auch damit zu tun, dass der Film mit Fosco Carridi (Bruno Cathomas) beginnt, dem, muss man leider so hart sagen, ziemlich unwichtigen Chef von Grand Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich). Der kriegt auf dem Weg zur Arbeit eine üble Kopfnuss vor den Deetz von einem Zeitgenossen, der im Aggressionsmanagement des Alltagslebens eher unterqualifiziert ist. Fosco lässt daraufhin mit einem Top-Phantombild nach dem Übertäter fahnden. Aber spätestens, wenn Janneke ihn zum ersten Mal sieht und nicht festnimmt, ahnt man, dass der Tunichtgut für die Rahmenhandlung, also den Schluss, aufgehoben wird.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE nun in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

Das ist langweilig, vor allem nimmt es kostbare Zeit vom Leichenfund weg, der am Anfang jeder ARD-Sonntagabendkrimi-Ermittlung steht. Ratzfatz steckt dann ein Junge tot im Heizungskeller eines Sportleistungszentrums, dessen Rolle der Film mühsam rekonstruieren muss. Einfühlung ist sicherlich nicht alles im Film, aber leichter wäre es schon, wüsste man etwas mehr über die Leiche, als dass es sie gibt.

Verdächtig macht sich der Jungdynamo Joachim Voss (Golo Euler), der große Ambitionen (IOC) hat, hauptberuflich in High-End-Unternehmensführung ("Immer ein Beweger bleiben") und ehrenamtlich in Leistungssport macht. Er wohnt in einem absurd hässlichen Haus und lebt in einer komplett unklaren Beziehung mit der sich am Fell des Pferdehalses geborgen fühlenden Meike (Lina Beckmann) und dem altklügsten Kind Felix (Juri Winkler), das die Tatort-Geschichte je gesehen hat. Was nach dem überbegabten Kollegen von letzter Woche durchaus eine Kunst ist.

Diesem Treiben ist die Zuschauerin den ganzen Film über ausgesetzt. Zwischendurch sucht Fanny für Brixi und sich nach einer neuen Wohnung (beim letzten Mal, dem Horror-Tatort, ging das traute gemeinsame Heim ja in Flammen auf) und es empfehlen sich andere, leider ziemlich fade Kandidaten motivvage für die Tat: der Resozialisierungshelfer Waldner (Marek Harloff) und der resozialisierte Hausmeister Brunner (hätte man auch nicht gedacht, dass der nach seinem Ausstieg als Dortmunder Kommissar so schnell anschlussverpflichtet wird: Stefan Konarske).

Wobei es durchaus unangenehm ist, wie im Film gegenüber der Idee von Resozialisierung ausgeteilt wird – also gegen die Arbeit des Herrn Waldner, die gleichzeitig aber nur so grob beschrieben wird, dass man sich alles mögliche drunter vorstellen kann.

Die Nebenwirkungen des Leistungsdrucks

Alles ist grell und gelb, und natürlich gibt es abseits des sogenannten Realismus tausend Möglichkeiten, einen Film zu erzählen. Dieser Tatort entscheidet sich für keine; er genügt sich in leichter Überdrehtheit, wozu gehört, Figuren mit halbgaren Pathologien auszustatten.

Wahrscheinlich soll Unter Kriegern (schon im Titel, der einem nicht weiterhilft, steckt das ganze Elend dieser Folge) von den Nebenwirkungen des Leistungsdrucks für unser Leben handeln. Aber wie so oft, wenn ein Fernsehfilm dem Kapitalismus ins Gesicht schauen will, kommen von vornherein depperte Figuren wie Joachim Voss heraus: Managerkarikaturen an der Rudermaschine. Dabei wäre das ja mal was, ein Film über die Verhältnisse, in denen wir leben.