Der Himmel ist leer über Westworld, dem Themenpark der Zukunft. In dem durften sich reiche Menschen so aufführen, wie es die schlimmsten Annahmen über sie besagen: Sie durften sich damit vergnügen, andere Wesen zu quälen und sogar zu töten. In diesem Fall waren es Maschinen, die nur wie Menschen aussehen und statt eines Hirns einen Prozessor im Kopf haben. Doch das Bild, mit dem vor knapp anderthalb Jahren die erste Staffel der HBO-Serie Westworld (ab Montag wöchentlich auf Sky) eben endete, zeigte das physische Ende des göttlichsten unter den Menschen. Robert Ford (Anthony Hopkins), der Schöpfer des Vergnügungsparks und Erfinder aller dort erlebbaren Narrative, musste sterben – durch die Hand eines seiner Geschöpfe. Jedenfalls sah es so aus, aus sei Ford nun Geschichte, bei Westworld darf man sich der Endgültigkeit des Ablebens nie ganz sicher sein. Wenn Gott aber wirklich tot ist und der Himmel leer, was kommt danach?

Nun, es beginnt nicht unbedingt die Zeit der Aufklärung, weder faktisch noch ideengeschichtlich, in dieser so absichtsvoll verstrickten Serie, die sich sehr metaphysisch gibt. Sondern – und das war derart erwartbar, dass es zu verraten nun wirklich keinen Spoiler darstellt – die Maschinen haben zwischenzeitlich endgültig ihren groß angelegten Rachefeldzug gestartet und einen Haufen Schlachtfelder hinterlassen. Und weil die Macher von Westworld ihre Schöpferfigur abgeräumt haben, in die sie sich gewissermaßen selbst hineingeschrieben haben, ist auch diese Metaebene zunächst mal abgeräumt. Das tut der Serie ganz gut, die ihre Serienhaftigkeit manchmal ein wenig aufdringlich mitspiegelte. Die Gottesfrage kann warten, jetzt wird erst mal geballert.

Zumindest die ersten Folgen der zweiten Staffel (Kritiker bekamen bis zu fünf der zehn Episoden vorab zu sehen) wirken weniger überladen mit Geraune und Plot-Verwicklungen als die erste Staffel: Im Rückblick wirkt es erstaunlich, dass HBO ausgerechnet mit dem in jeder Hinsicht komplizierten Westworld den erfolgreichsten Serienstart der eigenen Geschichte landete.

Dolores' Name steht nicht von ungefähr für Schmerz

Zu Beginn der zweiten Staffel von Westworld sieht es nun aus wie am Morgen nach dem Höllensturz im Vergnügungspark, tote Leiber, wo man hinblickt. Die Zombie-Apokalypse, mit der in anderen Serien andauernd gedroht wird, ist von den humanoiden Robotern erledigt worden. Ihre Anführerin ist – was ebenfalls absehbar war – die schöne Dolores, die Dr. Ford am Ende der ersten Staffel eigenhändig einen Kopfschuss versetzte.

Dolores besaß ja auch das klarste aller Rachemotive, an ihr wurde besonders ausgiebig gezeigt, was der Schöpfer des Vergnügungsparks als die Urerfahrung des menschlichen Lebens begriff: Leid. Der Schmerz erst macht den Menschen zum Menschen, nicht bloß seine Erinnerungen, denn die lassen sich für die Maschinen erfinden und ihnen einprogrammieren. Also müssen auch die Roboter, die menschlich wirken sollen, Schmerz erfahren lernen.