Nach zwei Halbfinals stehen die 26 Finalteilnehmer des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon fest. Am Donnerstagabend schafften die meisten der Favoriten den Einzug in die Show am Samstagabend, nachdem sich bereits am Dienstag zehn von 19 Kandidaten durchgesetzt hatten. Das bislang immer fürs Finale qualifizierte Russland schied im zweiten Halbfinale überraschend aus.

Neben Gastgeber Portugal sind nur die fünf größten Geldgeber des Musikwettbewerbs – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien – für das ESC-Finale gesetzt. Die weiteren 20 Plätze werden in zwei Halbfinals vergeben, die 2008 eingeführt wurden. Wie beim ESC üblich, entschied eine Punktevergabe von Juroren und Zuschauern über das Weiterkommen.

20 Startplätze im Finale für 37 Länder

Um den Sieg kämpfen wird zum zweiten Mal der Norweger Alexander Rybak, der bereits 2009 den Wettbewerb gewonnen hatte. Sein Funkpop-Lied That's How You Write a Song kam in der Altice Arena ebenso gut an wie bei den Fans vor den Fernsehern. Den Sprung ins Finale schaffte außerdem der Däne Rasmussen mit der Hymne Higher Ground. Er und seine düstere Wikinger-Truppe sahen aus, als seien sie der TV-Serie Game of Thrones entsprungen. Im Finale stehen auch Schweden und Finnland, das sich bereits im ersten Halbfinale qualifiziert hatte. Damit sind alle vier skandinavischen Länder dabei.

Insgesamt konkurrieren am Donnerstag 18 Länder um die letzten zehn Finalplätze, auch die deutschen Fans durften dieses Mal abstimmen. Viel Zuspruch gab es für Australiens Platin-ausgezeichneten Superstar Jessica Mauboy mit dem Popsong We Got Love. Das ESC-verrückte Australien darf seit 2015 an dem Wettbewerb teilnehmen. Außerdem zog die ungarische Rockband AWS mit einem für den Wettbewerb ungewöhnlich harten Metal-Song ins Finale ein. Weitere Qualifikanten waren die Niederlande, Moldawien, Serbien, Slowenien und die Ukraine.

Buchmacher sehen Deutschland in den Top 10

Bereits am Dienstag waren 19 Länder im ersten Halbfinale angetreten. Dort setzten sich die in den Wettbüros als Siegfavoriten gehandelten Sängerinnen aus Israel und Zypern durch, außerdem Estland, Tschechien, Bulgarien, Albanien, Finnland, Irland sowie Litauen. Auch Österreichs Kandidat Cesár Sampson ist mit seinem Song Nobody But You im Finale dabei. Das Schweizer Geschwisterduo Zibbz schaffte dagegen den Einzug in die Endrunde nicht.

Im Finale treten 26 Länder gegeneinander an, darunter auch Deutschland mit dem 28-jährigen Sänger Michael Schulte. Deutschland schnitt in den vergangenen drei Jahren auf den letzten oder vorletzten Plätzen enttäuschend ab. Allerdings scheint Schulte in diesem Jahr deutlich bessere Chancen zu haben. Die Buchmacher verorten seine Ballade You Let Me Walk Alone über seinen verstorbenen Vater unter den besten Zehn des Finales. Bei den Proben überzeugte Schulte mit seiner Bühnenshow. Er geht am Samstagabend mit der Startnummer 11 ins Rennen.

Auffällig ist die große musikalische Bandbreite in diesem Jahr: Neben den Hardrockern aus Ungarn sind unter anderem Elektropop, Countryrock und Balladen vertreten, Estland tritt mit einer Opernsängerin an. Hoch im Kurs stehen zudem zwei Lieder mit ernstem Inhalt: Das französische Duo Madame Monsieur besingt in Mercy ein auf dem Mittelmeer geborenes Flüchtlingsbaby, die für Italien startenden Ermal Meta und Fabrizio Moro halten in ihrer Antiterrorhymne Non mi avete fatto niente (etwa: Ihr habt mir nichts antun können) ein Plädoyer gegen die jüngste Welle von Anschlägen in Europa.

Der Eurovision Song Contest ist der weltweit am meisten beachtete Musikwettbewerb. Die Finalshow wird regelmäßig weltweit von rund 200 Millionen Menschen gesehen. Im vergangenen Jahr gewann der Portugiese Salvador Sobral die 62. Ausgabe des Wettbewerbs. Die ARD überträgt den ESC am Samstagabend ab 21 Uhr.