Die Einsamkeit des Geheimagenten: Doron Kavillio (Lior Raz) mit seinen Kindern © Courtesy of Netflix

Die Welt dieser "Arabisierten", der Mista'aravim, wie diese Spezialeinheit auf Hebräisch heißen, ist faszinierend, weil sie so widersprüchlich ist. Da witzeln die Männer auf Arabisch miteinander, trinken süßen Tee und spielen auf Darbuka-Trommeln. Andererseits benutzen sie genau diese Liebe zur arabischen Kultur um Araber auszuspionieren, zu erpressen oder zu töten.

Auch an Kavillio geht dieses Leben nicht spurlos vorbei: Worüber soll man schon beim Abendessen mit den Kindern reden, wenn man tagsüber Informanten gefoltert hat? Die Kampfeinsätze – Anspannung, Angst, Schuldgefühle – bleiben unverarbeitet. Sehr nachvollziehbar wird hier gezeigt, wie sich die Traumata einer Gesellschaft in der Psyche derjenigen ablagern, die an der Frontlinie stehen.

Allerdings: Fauda wird – trotz aller anderweitigen Beteuerungen der Produzenten – aus rein israelischer Perspektive erzählt. Issacharoff und Raz betonen zwar bei jeder Gelegenheit, dass auch Palästinenser die Show lieben würden. Liest man arabische Medien, ergibt sich aber ein anderes Bild. In der Zeitung Al Quds al arabi etwa beklagt der jordanische Schriftsteller Ibrahim Nasrallah, die israelischen Charaktere erschienen großartig, die palästinensischen würden dagegen lächerlich gemacht. Tatsächlich hat der Gegenspieler von Doron Kavillio, der Terrorist Abu Ahmad, eine etwas infantile Vorliebe für Schokoriegel, die er in Stresssituationen zügellos verschlingt. Und wenn sich die israelischen Agenten als Palästinenser verkleiden, ziehen sie billige Kleider an und schmieren sich Gel ins Haar. Nur eine junge palästinensische Ärztin gibt ein besseres Bild ab.

"Manche Leute beuten Land aus, andere eine Geschichte"

Noch härter geht Sayed Kashua, der wohl beliebteste arabischstämmige Schriftsteller Israels, in der Zeitung Haaretz mit Fauda ins Gericht. Die Serie zeige nichts von dem, was die Realität im Westjordanland ausmache, beklagt er – keine Besatzung, keine Checkpoints, keine Siedler oder gewalttätigen Soldaten – und wird dann grundsätzlich: "Die Arroganz und die Besitznahme der palästinensischen Geschichte sind die natürliche Konsequenz der militärischen Herrschaft über palästinensische Leben. Wie Soldaten respektieren auch viele israelische Künstler die Grenzen nicht. Manche Leute beuten Land aus, andere eine Geschichte."

Da mag er recht haben. Und in Zeiten, in denen weltweit über kulturelle Aneignung gestritten wird, kann auch eine fiktionale Serie nicht unschuldig bleiben. Im Fall von Fauda kann man allerdings entgegenhalten, dass es eben auch eine israelische Geschichte ist. Und die wird hier eindrücklich erzählt.

Beide Staffeln von "Fauda" sind auf Netflix abrufbar.