Das ZDF hat wegen Angriffen im Internet auf die Sportreporterin Claudia Neumann die Staatsanwaltschaft Mainz eingeschaltet. Der Sender stellte Strafantrag "gegen zwei Nutzer, die sich auf Social Media gegenüber Claudia Neumann und dem ZDF extrem abfällig geäußert haben", wie Intendant Thomas Bellut mitteilte. Es gehe um Beleidigung und die öffentliche Aufforderung zu Straftaten.

Bei der Fußball-WM in Russland ist Neumann die einzige Frau, die im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen Spiele kommentiert. Das ZDF hat sie schon bei mehreren Spielen eingesetzt, unter anderem bei der Partie zwischen Portugal und Iran. Dabei tauchte im Internet neben viel Lob auch teils hämische und frauenfeindliche Kritik auf.

Eine "abenteuerliche Einstellung"

"Offenbar hat immer noch ein Teil der Zuschauer ein Problem damit, dass eine Frau Fußball kommentiert", sagte Bellut. Er sprach von einer "abenteuerlichen Einstellung". Neumann mache ihre Arbeit "professionell sehr gut". Die Journalistin hatte in Russland ihr Debüt als Livereporterin bei einer Männer-WM gegeben.

Schon nach Neumanns ersten Einsätzen hatte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann den Hass im Netz deutlich kritisiert: "Wir akzeptieren natürlich Kritik, auch bei den Kommentatoren – was aber bei Claudia Neumann passiert, sprengt alle Grenzen." Die Kommentare im Netz seien "unterste Schublade". Fuhrmann hatte Neumann hohes Fachwissen bescheinigt. Dass ihr auch Fehler passierten wie die Verwechslung eines japanischen Spielers, das gehöre wie bei männlichen Kollegen zum Job.

"Es ging auch gar nicht darum, ob sie fachliche Fehler gemacht hat", sagte Bellut am Freitag. "Wir verfolgen alle Attacken gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZDF, die Straftatbestände erfüllen, in jedem Fall." Er hoffe auf eine abschreckende Wirkung.