Derzeit spielt sich in Hollywood ein Spektakel ab, das nichts mit Superhelden, Außerirdischen oder dem drohenden Weltuntergang zu tun hat. Was aufgeführt wird, ist ein Wirtschaftskrimi allererster Güte. Wie der Showdown ausgeht, steht noch nicht fest, aber sicher ist: Am Ende, wenn der Abspann läuft und das Licht angeht, wird ein klassisches Filmstudio im Staub liegen.

20th Century Fox, 1915 als Fox Films gegründet, Mutter von Klassikern wie Cleopatra (1963) und Krieg der Sterne (1977), mit Stars wie Tyrone Power, Marilyn Monroe und Dean Martin, wird dann Geschichte sein, fusioniert mit einem anderen Hollywood-Studio. Was von der Filmproduktionsgesellschaft bleibt, ist noch unklar; viel mehr als das berühmte Logo mit der dramatischen Fanfare wird es aber nicht sein.

Das ist die historische Dimension des beispiellosen Bieterwettstreits, der sich gerade abspielt. Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Medienmogul Rupert Murdoch das Fox-Studio abstoßen will, das seit 1985 zu seinem Imperium 21st Century Fox gehört. Dazu kommen das TV-Studio, der Kabelsender FX (Fargo), die Streamingplattform Hulu (The Handmaid’s Tale) und der europäische Sender Sky. Murdoch behält lediglich Donald Trumps Lieblingssender Fox News und andere TV-Kanäle.

Das größte Interesse an Fox hat der direkte Konkurrent Disney, der zunächst 52,4 Milliarden Dollar bot. Überraschend stieg daraufhin auch das Konglomerat Comcast ein, zu dem das älteste Hollywood-Studio Universal (gegründet 1912) gehört. Der Konzern bot 65 Milliarden in bar. Daraufhin legte Disney 71,3 Milliarden Dollar auf den Tisch, zahlbar jeweils zur Hälfte in bar und in Aktien. Gerüchteweise verlautet, Comcast bereite gerade ein neues Angebot vor. Ein Ende des Wettstreits ist also noch nicht in Sicht. Die besseren Chancen werden bislang Disney zugerechnet, denn die Kartellwächter haben dem Deal unter Bedingungen bereits zugestimmt.

Jenseits der Schlagzeilen, die der Krimi den Wirtschaftsteilen der Zeitungen bringt, ist die geplante Fusion Zeichen eines großen Transformationsprozesses in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Hollywood häutet sich. An diesem Ort, der kein geografischer ist, sondern einer der Imagination, haben es vor mehr als hundert Jahren ein paar Menschen geschafft, aus der Kunst des visuellen Geschichtenerzählens eine Industrie zu machen und durch ihr Starsystem und geschicktes Marketing gleichzeitig einen Sehnsuchtsort. Hier verschmelzen Kunst und Kommerz auf wunderliche Weise und locken bis heute ein weltweites Publikum in die Kinos.

Der Druck der Verhältnisse zwingt diese Branche nun, sich anzupassen. Reichlich spät, könnte man meinen. Andererseits hat sich diese an Umbrüche durchaus gewöhnte Industrie noch nie zuvor so rasant verändert wie in den vergangenen Jahren. Netflix ist der Name des Konzerns, der diesen Umbruch anstieß und nach wie vor antreibt.