Der Animationschef von Walt Disney und Mitbegründer des Filmstudios Pixar, John Lasseter, wird das Unternehmen zum Ende des Jahres wegen Belästigungsvorwürfen verlassen. Das gab Disney am Freitag in einer Stellungnahme bekannt. Lasseter ist Regisseur von Filmen wie Toy Story, Das Große Krabbeln und Toy Story 2, mit denen er die Animationsbranche revolutionierte. 

Die Vorwürfe gegen Lasseter wurden im November 2017 im Zuge der #MeToo-Debatte öffentlich. In einem Medienbericht hatten sich damals Angehörige der Animationsbranche und Mitarbeiter von Pixar anonym geäußert und gesagt, der 61-Jährige würde am Arbeitsplatz "grabschen, küssen und körperliche Attribute kommentieren". Bereits zuvor war er dafür bekannt gewesen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lang zu umarmen. Lasseter hatte damals "Fehltritte" und "schmerzhafte" Unterhaltungen eingestanden und um Entschuldigung bei allen gebeten, die jemals eine "unerwünschte Umarmung" oder eine andere Geste von ihm erfahren hätten. Außerdem hatte er eine sechsmonatige Auszeit genommen. Zum Ende dieser Auszeit hat er nun angekündigt, die Firma bis zum Ende des Jahres ganz zu verlassen. Er wird bis dahin eine beratende Rolle einnehmen, allerdings kein Büro mehr in dem Unternehmen haben.

"Er hat das Zeichentrickgeschäft neu erfunden"

"Die vergangenen sechs Monate haben mir die Möglichkeit gegeben, mein Leben, meine Karriere und meine persönlichen Prioritäten zu reflektieren", sagte Lasseter in einer Stellungnahme. "Während ich weiterhin der Animationskunst verpflichtet und von dem kreativen Talent bei Pixar und Disney inspiriert bin, habe ich mich entschieden, dass zum Ende des Jahres die richtige Zeit für mich ist, mich auf neue kreative Herausforderungen zu konzentrieren." Die Belästigungsvorwürfe kommentierte er in der Stellungnahme nicht. Disneys Chef Bob Iger sagte, Lasseter habe "außergewöhnliche Arbeit" für Pixar und Disney geleistet. Er habe das Zeichentrickgeschäft neu erfunden.

Lasseter ist eine der bedeutensten Personen in der Animationsfilmbranche. Er gründete das Animationsstudio Pixar mit und war bei allen Filmen des Unternehmens als geschäftsführender Produzent tätig. Prägend für die Branche war der Film Toy Story, bei dem Lasseter Regie führte. Toy Story war der erste komplett am Computer gemachte Spielfilm. Der Film gewann drei Oscars. Pixar ist außerdem bekannt für Filme wie Findet Nemo und Die Eiskönigin. 2006 kaufte Disney Pixar und Lasseter leitete seitdem sowohl Pixars als auch Disneys Animationsabteilung als Kreativchef.

Ein weiterer Rücktritt im Zuge der #MeToo-Debatte

Lasseters Rücktritt ist ein weiterer, der durch die #MeToo-Debatte ausgelöst wurde. Seit Monaten werden immer mehr Belästigungsvorwürfe gegen einflussreiche Männer in der US-Unterhaltungsbranche erhoben. Die Debatte war durch Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgelöst worden, der Schauspielerinnen sexuell belästigt und gestalkt haben soll. Er hatte sich Ende Mai der New Yorker Polizei gestellt und ist wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs angeklagt. Gegen Schauspieler Kevin Spacey, den Komiker Louis C.K. und viele Weitere wurden ebenfalls Belästigungsvorwürfe erhoben. In Deutschland wurden im Zuge der Debatte Vorwürfe gegen den Regisseur Dieter Wedel öffentlich.