Eigentlich, denkt man, braucht man nur noch einen Twitter-Account, um die aktuelle Lage in den USA zu verstehen. Man muss nur den richtigen Leuten folgen. Dem Präsidenten natürlich. Und ein paar Journalisten und Late-Night-Moderatoren, deren wesentliche Aufgabe darin zu bestehen scheint, Donald J. Trumps tägliche Tweet-Stürme zu deuten. Die schiere Menge, die erratisch erscheinende Themenwahl, die oft blutdrucksteigernden Inhalte der Trump-Tweets stellen indes ein dramaturgisches Problem dar: Obwohl sie der Form nach Fortsetzungstexte einer einzigen Erzählung namens "Ich, euer Präsident" sein müssten, lässt sich in ihnen keine Stringenz erkennen. Die viel zu vielen Handlungsfäden laufen nie zusammen, sondern nur aus- und durcheinander. Doch weil es die Texte des Präsidenten sind, werden sie weitergelesen. 

Eine TV-Serie ist vielleicht doch die bessere Form, eine Erzählung dieser Präsidentschaft zu konstruieren. Schließlich ist Fernsehen auch das Medium, das die Figur Trump letztlich erschaffen hat. Eine Figur, die bis heute irgendwie fiktional anmutet. 

Wie also fühlt es sich an, das Leben in Amerika unter Trump? Das muss die Grundfrage gewesen sein, die sich die Erfinder der Serie The Good Fight gestellt haben, Michelle und Robert King, als sie das Spin-off ihrer Anwaltsserie The Good Wife konzipierten. Letztere spielte zwar zu Teilen im Politikmilieu des Bundestaates Illinois, verwies aber selten auf reale, gar aktuelle Geschehnisse.

Permanente Überforderung

Die erste Staffel von The Good Fight hingegen begann im vergangenen Jahr mit einer Szene, in der die Hauptfigur Diane Lockhart (Christine Baranski), Anhängerin der Demokraten und Fan von Hillary Clinton, der sie geradezu archetypisch ähnelt, mit erkennbarem Schrecken die Übertragung von Trumps Amtseinführung am Fernseher verfolgt. Jede Episode ist mit der Zahl der bis dahin vergangenen Amtstage Trumps betitelt. Damit war der Ton gesetzt und schien die selbst auferlegte Aufgabenstellung hinreichend geklärt.

Der erste Schrecken ist mittlerweile einer Art permanenter Überforderung und Übermüdung gewichen. Das zweite Jahr Trump zerrt an Diane Lockharts Nerven, das zeigt die zweite Staffel von The Good Fight recht früh. Diane, die privilegierte weiße Anwältin aus den höchsten Kreisen von Chicago, braucht dringend Ablenkung. Weshalb sie, als ihr ein Barmann bei einem Leichenschmaus eine Ampulle mit Psilocybin-Tropfen anbietet, nach kurzem Zögern zugreift. So weit ist es nun schon gekommen. Selbst eine feine Dame wie Diane knallt sich mit verbotenem Zeug zu, sie mikrodosiert sich mit halluzinogenen Pilzextrakten wenigstens für eine Weile aus der für sie schwer erträglichen Realität. Diane sitzt im Fond ihrer Limousine, träufelt sich Psilocybin ein und lächelt kurz zufrieden: Diese Szene ist die logische Wiederaufnahme und Spiegelung derjenigen aus der ersten Staffel vorm Fernseher. Jetzt hilft nur noch eine gute Betäubung.

Die in der Ursprungsserie The Good Wife als Gegenspielerin der Protagonistin Alicia Florrick (Julianna Margulies) eher steif und zweidimensional wirkende Diane aufzulockern und als Figur zu runden, war die Aufgabe der Serienmacher in The Good Fight. Und weil das zunehmend gelingt, macht das Zuschauen auch immer größeren Spaß. Zwar bleibt das Grundszenario weiter etwas plump: Diane musste in der vorangegangenen Staffel ihre weiße Nobelkanzlei verlassen und kam bei einer von Afroamerikanern geführten, bestenfalls erst aufsteigenden unter.