Nachtschichtdienstleiter Georg Bergstedt (Stefan Haschke) und seine Mitarbeiter Olaf (Daniel Zillmann) und Daniel (Ludwig Trepte) in der ZDFneo-Sitcom "Tanken – mehr als Super" © ZDF/​Marion von der Mehden

"Tanken – Mehr als Super"

Wenn das ZDF ein zehn Jahre altes isländisches Format adaptiert und als neue Comedy-Offensive verkauft, muss es schon ziemlich verzweifelt sein. Vorbild für die zwölfteilige Sitcom Tanken – Mehr als Super auf ZDFneo ist der Mehrteiler Næturvaktin (Die Nachtschicht). Wer schon einmal in Island war, weiß, wie sehr man sich als Autofahrerin freut, wenn irgendwann eine Tankstelle auftaucht. In dem bevölkerungsarmen Land ist sie manchmal der einzige soziale Treffpunkt.
Der fiktiven "Super"-Tankstelle auf ZDFneo fehlt leider jeder lakonische Witz, obwohl das Team um den frustrierten Nachtschichtleiter Georg (Stefan Haschke) durchaus Potenzial hätte. Die Schauspieler bleiben dazu verdonnert, Standardsituationen mit vorhersehbaren Dialogen zu verarbeiten, wie etwa im Gespräch mit einer Frau mit Hidschab: "Woher kommen Sie?" – "Aus Kiel." Dann doch lieber isländische Provinz.
(Carolin Ströbele)

"Tanken – Mehr als Super" läuft ab 31. Juli immer dienstags um 22.45 Uhr auf ZDFneo und ist in der Mediathek abrufbar.

"Private Banking"

Seit Bad Banks wissen wir: Investmentgeschäfte können sexy sein. Private Banking, produziert für das Schweizer Fernsehen SRF, zeigt, was aus Bad Banks auch hätte werden können. Nämlich die Aneinanderreihung von Klischees. Private Banking erzählt im Grunde die immergleiche, uralte Geschichte neu: Der alte Bankier erleidet einen Herzinfarkt und während er im Koma liegt, prügeln sich die Hinterbliebenen ums Erbe. Der joviale Patriarch, der durchtriebene Stammhalter, die uneheliche Tochter mit goldenem Herzen – kein Charakter enthält hier nur einen Hauch von Originalität. Dass die Tochter als Ex-Junkie und Drogenhilfeberaterin natürlich unglaubliche Social Skills hat und zur Retterin der Privatbank reüssiert, passt ins Gemälde. 

Apropos Gemälde. Einen langjährigen Kunden gewinnt sie dadurch zurück, indem sie ihm einen Jungentraum erfüllt. Bei einer Privatführung durch ein Zürcher Museum darf er der nackten Schönheit auf dem Ölschinken endlich an die Brüste greifen. Na Gruezi.
(Carolin Ströbele)

"Private Banking" ist noch bis 27. Juli in der arte-Mediathek abrufbar.