"Dieses Frauenbild ist zum Kotzen", sagt eine Dame im Premierenpublikum, während der Abspann zur Serie Parfum rollt. Zwölf Jahre nach der bildgewaltigen Verfilmung von Patrick Süskinds Romans Das Parfum durch Tom Tykwer hat der Produzent Oliver Berben aus dem Stoff eine sechsteilige Miniserie gemacht, die er merklich nervös auf dem Münchner Filmfest vorstellte.

Als Autorin hat Berben die noch relativ unbekannte HFF-Absolventin Eva Kranenburg engagiert, die er für drei Jahre exklusiv an seine Produktionsfirma Constantin gebunden hat. Regie führt Philipp Kadelbach, mehrfach ausgezeichnet für den ZDF-Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter. Ab Herbst wird Parfum bei ZDFneo und zeitgleich beim Co-Produzenten Netflix zu sehen sein – allerdings zunächst nur außerhalb des deutschsprachigen Marktes. Berben hat offensichtlich besser verhandelt als die ARD mit Babylon Berlin.

Wie sieht es also aus, das Parfum im Jahr 2018? Eine Literaturverfilmung ist es nicht. Die wäre vermutlich ein zweites Mal zum Scheitern verurteilt gewesen, denn auch Tykwers 50 Millionen teurer Sinnesrausch kam damals nicht an die Poesie des Romans heran.

Süskinds Antiheld, Jean-Baptiste Grenouille, ertrotzt sich das Leben auf Kosten dessen seiner Mutter. Als Waisenkind wird er im Frankreich des 18. Jahrhunderts von Amme zu Amme gereicht. Die Welt will Grenouille nicht, aber er, dieser Menschenfeind, dieses Wunderkind, dieser "Zeck" (Süskind), der keinen Eigengeruch besitzt, ist mit der Welt noch nicht fertig. Gesegnet mit einem außergewöhnlichen Geruchssinn wird er zum hochtalentierten Parfümeur und dann zum Massenmörder, weil er, den niemand riechen kann, mit den Ausdünstungen heranreifender Jungfrauen das beste Parfum kreieren will, das die Welt je erlebt hat. Ein Liebeselixier, das die Menschen willenlos macht.     

Die Serienadaption versucht gar nicht erst, diese Geschichte nachzuerzählen, sondern widmet sich der Frage, wie man mithilfe von Geruch manipulieren kann. Ein durchaus verführerischer Gedanke. Doch die Hoffnungen auf eine moderne Adaption werden bald enttäuscht.

Das Serien-Parfum beginnt damit, dass eine nackte Frau in einen Pool steigt. Eine männliche Stimme erzählt uns von Ambra, einer sehr kostbaren Substanz, die im Verdauungstrakt von Pottwalen gefunden und für die Parfumherstellung verwendet wird – die "teuerste Scheiße der Welt". Am nächsten Morgen liegt dieselbe Frau verstümmelt neben dem Becken. Ihre Haare wurden abrasiert, ihr Schambereich und ihre Achselhöhlen entfernt. Die Ermittlerin Nadja Simon (Friederike Becht) kniet auf dem Boden neben der Leiche. Hinter ihr stehen vier Männer und gucken ratlos. "Hier war ein Meister am Werk!", betont der Pathologe später.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen (Juergen Maurer) und dem Staatsanwalt (Wotan Wilke Möhring) sucht die Kommissarin nach dem Täter; ihre Spur führt zu einer Clique aus vier Männern (August Diehl, Christian Friedel, Ken Duken und Trystan Pütter), die gemeinsam im Jungeninternat waren, und einer Frau (Natalia Belitski), die die ermordete "K" aus ihrer gemeinsamen Zeit vor zwanzig Jahren kannten.

Als Jugendliche hatten sie eine Art Club gegründet, in dem es ums Riechen ging. Man vertrieb sich die Zeit, indem man anhand eines Büstenhalters erkennen musste, welchem Mädchen er gehörte. Oder indem man ein Mädchen aus dem Dorf in einer Burgruine vergewaltigte. "Wir haben das nur gemacht, weil wir dich mögen", sagt einer der drei Täter seinem Opfer. Die junge Frau wird später einen von ihnen – warum auch immer – heiraten. Er wird sie betrügen, weiter misshandeln und brutal vergewaltigen.

Immer wieder springt die Serie zwischen den zwei Zeitebenen hin und her – von der Mordserie der Gegenwart in die Schulzeit der Hauptverdächtigen. War es der harmlos wirkende Außenseiter (Christian Friedel), der gerne an Strümpfen schnüffelt? Der begnadete Parfumeur (August Diehl)? Der Zuhälter mit den Wutanfällen (Trystan Pütter)? Der prügelnde Ehemann (Ken Duken)? Oder vielleicht dessen misshandelte Frau (Natalia Belitski)?