Im ersten Sicario-Film diente die amerikanisch-mexikanische Grenze als surreale Kulisse eines düster überzeichneten Actionfilmes. Mit Bildern barbarischer Gewalt schuf der Film eine Atmosphäre der Gesetzlosigkeit. Der zweite, aktuelle Teil der Filmreihe braucht bloß wenige Minuten, um sich in dieser Bedrohungskulisse in eine neue, fiebrige Intensität zu steigern: Islamistische Terroristen haben sich unter die Migranten aus Mittelamerika gemischt, die von den Kartellen durch die Wüste in die USA geschmuggelt werden. In einem Supermarkt in Kansas City sprengen sich Selbstmordattentäter in die Luft. Ein amerikanischer General droht im Fernsehen, dem Terrorismus "die volle Macht des amerikanischen Militärs" entgegenzusetzen.

Nicht mehr die Schattenseiten des Polizeikampfes gegen den Drogenschmuggel stehen nun im Vordergrund wie noch im ersten Teil, sondern es herrscht Krieg, den der CIA-Offizier Matt Graver (Josh Brolin) und sein brütend-bedrohlicher Partner Alejandro Gillick (Benicio del Toro) im Auftrag der amerikanischen Regierung gegen die Kartelle führen.

Die Grenze, durch welche Terroristen das Land infiltrieren, und ein Staat, der Härte zeigt, um Amerika vor seinen Feinden zu schützen: Offenbar ist Sicario 2 gestrickt aus Motiven der Trump-Zeit. Schon die Prämisse des Filmes, dass Selbstmordattentäter aus Nahost über die mexikanische Grenze ins Land gelangen könnten, ist eine Behauptung, die von Mitgliedern der Trump-Regierung angeführt wurde, um für einen härteren Grenzschutz zu argumentieren. Und es ist dabei auch egal, dass die meisten Experten das Szenario für völlig unwahrscheinlich halten.

Packend an diesem Film ist, dass sie die laut Trump schlimmsten Feinde der amerikanischen Heimat in einem einzigen Bedrohungsszenario zusammenbringt: den islamistischen Terror und die lateinamerikanischen Gangs. Die unheimlichen, von Tätowierungen bedeckten Körper der Gangsoldaten dienen in konservativen Medien oft als Beispiele für die Trump'sche Erzählung: Dass da draußen fürchterliche Gefahren lauern, gegen die sich die USA schützen und abschotten müssten. Die Verbrechen der Gangs ließen somit der Regierung keine andere Möglichkeit, so auch Trump immer wieder, als mit harter Hand auch gegen Einwanderung vorzugehen. "Tiere" seien solche Gangkriminellen, die versuchen würden, illegal einzureisen, sagte Trump im Mai, "keine Menschen", und forderte, die Befugnisse der Grenzschutzbehörden auszuweiten.

"Ich kann machen, was ich will"

"Ihr habt da ein paar harte hombres, und die müssen wir erledigen", soll Präsident Trump nach seiner Vereidigung dem mexikanischen Präsidenten gesagt haben. "Ich weiß, wie hart diese Typen sind, aber unsere Armee hat keine Angst vor denen. Unsere Armee wird die erledigen, wie du dir das nicht vorstellen kannst." Es ist diese Mischung aus spannungsgeladenem Bedrohungsszenario und ostentativ zur Schau gestellter Härte des Militärs, die in Sicario 2 filmisch inszeniert wird. Der Ernstfall, der Angriff auf Amerika, wie ihn Trump immer wieder ausmalt, steht am Anfang des Filmes. Er ist bereits passiert. Der Zuschauer erlebt dann, wie sich die amerikanische Macht zum Gegenschlag formiert. Die Regierung verlässt sich dabei auf die heroische Entschlossenheit des CIA-Mannes Matt Graver. Dieses Mal, so wird Graver gleich zu Beginn des Filmes vom Verteidigungsminister persönlich gebrieft, könne es ruhig hässlich werden.    

Das oft in Filmen dramatisierte moralische Dilemma, welche Mittel im Antiterrorkampf Recht seien, kommt in Sicario 2 nicht mehr vor. In der Atmosphäre des Ausnahmezustands zelebriert der Film stattdessen rauschhaft die Eskalation, die auch eine Eskalation der Mittel ist. Die Spur der Terroristen führt zuerst nach Afrika. "Waterboarding", erklärt Graver dort einem somalischen Gefangenen (der aussieht, als käme er aus einer amerikanischen hood) in einer eindrucksvollen Szene, "machen wir dann, wenn wir nicht foltern dürfen. Aber das hier ist Afrika. Ich kann machen, was ich will." So zwingt er den Gefangenen, per Satellit zu beobachten, wie seine Brüder aus der Luft exekutiert werden, bis er redet. In dieser Szene wird der außergesetzliche Drohnenmord Teil einer lässig-souveränen Machoperformance.