Die sogenannte Tatort-Koordination der ARD hatte zuletzt einigen Unmut auf sich gezogen. Die Ballung von ARD-Sonntagabendkrimis im Mai und Juni, die sich mit Neonazis und rechten Volksverängstigern befassten, war "mehr als unglücklich", um eine beliebte Sportreporter-Formulierung zu verwenden. Zumal der Film, der als erster fertig war, als letzter gesendet wurde.

Man muss die ARD-Verantwortlichen aber auch loben, wenn dazu Anlass besteht: Die Programmierung des fünften Hamburger Tatorts mit Til Schweiger als Kommissar Nikolas Tschiller ist eine Meisterleistung. Tschiller – Off Duty (NDR-Redaktion: Thomas Schreiber) hatte nämlich im Februar 2016 einen Kinostart und feiert seine Fernsehpremiere nun in der Zeit, in der die ARD-Sonntagabendkrimi-Erstausstrahlungen Sommerpause machen. Besser hätte man die Folge nicht terminieren können.

Die Luft aus der ganzen "Schweiger-macht-jetzt-in-Tatort-Aufregung ist eh raus. Mehr als zwei Jahre hat der sympathische Kinostar nun im routiniertesten Fernsehformat pausiert, das der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland kennt. Schweigers Tatort-Geschichte lässt sich dabei als Versuch lesen, ein letztlich sentimentales Projekt über den Umweg Fernsehen zum Erfolg zu führen.

Seine Starpower hat Schweiger durch Komödien wie Keinohrhasen oder Kokowääh demonstriert, dem beinahe einzigen Genre, das sich an deutschen Kinokassen großer Beliebtheit erfreut. Dabei bestand der große "Traum" – um eine weitere beliebte Sportreporter-Formulierung zu verwenden – des schauspielerisch körperaffinen Tausendsassas immer darin, den Actionfilm in Deutschland zur Blüte zu bringen. Ein erster Versuch mit Schutzengel (2012) in der Zweiohrküken-Kokowääh 2-Hochzeit scheiterte. Schweigers Engagement im Tatort war ein neuer Anlauf.

Das Kalkül: durch das populäre Fernsehformat mit seinen garantiert um die zehn Millionen Zuschauerinnen (im Tschiller-Auftakt-Fall waren es sogar hochgerechnete 12,6 Millionen) mit den ersten vier Filmen eine Fanbase zu etablieren, die dem fünften Film dann massenhaft ins Kino folgen würde. Dass der Transfer des Fernsehens ins Kino funktionieren konnte, hatten die beiden Schimanski-Filme in den Achzigerjahren bewiesen, sie lockten damals noch ein Millionenpublikum an.

Der Absprung der Tschiller-Erzählung auf die große Leinwand wurde vom folgenübergreifenden Erzählen der einzelnen Filme genauso unterstützt wie von der dichten Programmierung: Den dritten und den vierten Fall strahlte die ARD Neujahr 2016 kurz hintereinander aus, nachdem sie die beiden ersten Filme zuvor wiederholt hatte. Ein richtiger Tschiller-Overkill!

Schweiger kam also werbemäßig mit hoher Geschwindigkeit an den Schanzentisch, um in die berückende Bilderwelt des Skispringens zu wechseln – allein, der Sprung mit dem Kinostart ein paar Wochen später geriet für Tschiller – Off Duty kurz. Auf gerade mal 300.000 Zuschauer kam der Kino-Tatort.

Für gewöhnliche deutsche Filme ist das keine schlechte Bilanz, für den erfolgsverwöhnten Schweiger ein spürbarer Dämpfer seiner Ambitionen. Schutzengel hatte immerhin noch doppelt so viel Zuschauerinteresse auf sich gezogen; von den Zahlen der Komödienerfolge ganz zu schweigen.