Mitten in Spike Lees BlacKkKlansman, der in den 1970ern spielt, erklärt ein weißer Polizist dem einzigen schwarzen Polizisten in Colorado Springs, wie rechtsradikale Ideologien jeder Amerikanerin und jedem Amerikaner untergejubelt werden können, die sich für nicht rassistisch halten: unter dem Deckmantel von Themen wie Einwanderung und Kriminalität. Irgendwann, sagt der weiße Kollege, werden die Amerikaner einfach jemanden wie David Duke zum Präsidenten wählen, den Anführer des Ku-Klux-Klans. Ron Stallworth, tatsächlich der erste afroamerikanische Polizist in der Stadt (John David Washington mit coolem Afro), lacht. Diese Leute seien lächerlich. So etwas würden Amerikaner nie tun, sagt er. Der andere schüttelt den Kopf: "Warum wachst du nicht auf?"

Jedes Lachen im neuen Film von Spike Lee geht auf Kosten von dummen rassistischen Hinterwäldlern. Und David Duke (Topher Grace) ist der allergrößte dumme rassistische Hinterwäldler von allen. Aber das ist der Punkt: Narren können gefährlich sein. Lach, so viel du willst, scheint Spike Lee zu sagen. Wir haben auch Donald Trump ausgelacht.

Wie nicht anders zu erwarten, hängt der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten – den Lee bei der Uraufführung seines Films in Cannes als "asshole" titulierte – schwer über der cleveren Satire des Regisseurs. Stets ein kritischer Beobachter seines Landes, tut Lee alles, um die Verbindungen von Rassismus und Hollywood und dem Mann im höchsten Amt herzustellen. Der Film ist eine brisante Mischung aus Ernst und Unterhaltung in einem körnigen Blaxploitation-Stil. Genreverspielt, urkomisch und überraschend versöhnlich.

Lee beginnt BlacKkKlansman mit einer Szene aus dem alten Südstaatenepos Vom Winde verweht, einem Film, der heute gemeinhin als rassistische Ode an "die gute alte Sklavenzeit" gesehen wird. Eine verzweifelte Scarlett O'Hara schlängelt sich da durch Hunderte Reihen verletzter Soldaten, die auf den Straßen von Atlanta liegen. Die lange, mithilfe eines Kamerakrans gedrehte Einstellung endet mit einem heroischen Blick auf eine zerfetzte, aber immer noch wehende Flagge der Konföderierten. Dann schneidet Lee zu einem bebrillten Nationalisten, der direkt in die Kamera spricht und über Integration schimpft. Die Rolle dieses Nationalisten hat Lee mit dem Schauspieler Alec Baldwin besetzt, der heute vor allem dafür bekannt ist, eine satirische Version von Donald Trump gespielt zu haben.

Und wenn BlacKkKlansman über zwei Stunden später endet, benutzt Lee Footagematerial von der rechtsextremen Kundgebung in Charlottesville im August 2017, von dem vorsätzlichen Autounfall, der eine junge weiße Gegendemonstrantin tötete und von Donald Trumps anschließender Weigerung, die weißen Rechtsextremisten zu verurteilen, darunter Anhänger der Alt-Right-Bewegung, Neonazis und Mitglieder des Ku-Klux-Klans. Zu jener Zeit im Sommer 2017 arbeitete Spike Lee an seinem Film und entschied, dass er die Geschehnisse nicht ignorieren könne. Also machte er diese Verbindung in BlacKkKlansman so laut wie möglich. 

Die unglaubliche Geschichte, die der Film erzählt, ist größtenteils wahr, wurde aber erst 2014 einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als ihr Protagonist selbst ein Buch über die Ereignisse veröffentlichte. Der junge, selbstbewusste Ron Stallworth bewirbt sich 1969 darum, der erste schwarze Polizist in Colorado Springs zu werden. Gleich während des Einstellungsgesprächs wird er gefragt, ob er mit rassistischen Bemerkungen umgehen könne. Kein Problem, sagt Ron, und findet sich kurz darauf im Aktenarchiv wieder, wo er zum "Bimbo" eines weißen Kollegen wird. Doch weil er schwarz ist, soll er schon bald einen militanten Bürgerrechtler ausspionieren, wobei auch in dieser Bitte natürlich ein Stück weit Rassismus liegt. "Er ist ein verdammt guter Redner", sagt Rons Vorgesetzter, "also wollen wir nicht, dass er in die Köpfe der guten Neger von Colorado Springs gerät".

Es geht um eine Ansprache des ehemaligen Black Panther Kwame Ture (Corey Hawkins) vor einer Gruppe schwarzer Studentinnen und Studenten. Spike Lee macht sie zu einer großartigen Szene des politischen Protests. Ture, früher bekannt als Stokely Carmichael, spricht davon, wie wichtig es sei, sich als Schwarzer selbst zu lieben, das Äußere, die dunkle Haut, die krausen Haare. "Black is beautiful!", ruft er, und die Brillanz Lees besteht darin, dass er diesen Stolz filmisch zu vermitteln vermag. Während der Rede zeigt die Kamera die Gesichter des Publikums. Ihre Haut, glatt und schön, glüht vor der verdunkelten Kulisse.

Während Ron also alldem beiwohnt, erwacht etwas in ihm. Er fühlt sich nicht wohl dabei, einen "Bruder" auszuspionieren, und in diesem Sinne wird BlacKkKlansman auch eine Erkundung dessen, was es für einen schwarzen Menschen bedeutet, für eine größtenteils weiße Organisation zu arbeiten.

Kurz darauf stolpert Ron über eine Anzeige des Klu-Klux-Klans: Komm und mach mit! Aus Jux meldet er sich – und wird tatsächlich aufgenommen.