Unheilvoll ineinander verkeilt: Martina Gedeck und Jan Josef Liefers als Ehepaar Ahnepol © 2018 Turner Broadcasting System Europe Limited & Goodfriends /​ Hendrik Heiden

ZEIT ONLINE: Nach den jüngsten deutschen Serienproduktionen Babylon Berlin, Dark, 4 Blocks und Bad Banks hoffen viele, dass es eine Erneuerung der Fernsehlandschaft in Deutschland geben wird. Glauben Sie, dass sich neues und altes TV verbinden können?

Gedeck: Der Druck auf die Öffentlich-Rechtlichen steigt und es wird dort auch Veränderungen geben. Aber ich denke, es ist schwierig, sich aus den bestehenden Strukturen herauszubewegen. Es geht ja auch um eine andere Sichtweise auf Dinge. Versuche ich, zu allen nett zu sein, oder spieße ich auch mal bösartig auf, was ich an gesellschaftlichen Entwicklungen erkenne?

ZEIT ONLINE: Wie bösartig konnten Sie bei Arthurs Gesetz sein?

Gedeck: Es gab keinerlei Restriktionen seitens des Senders. Wo man vielleicht sonst gehört hätte "Das können wir nicht bringen", hieß es bei TNT Comedy eher: Es kann ruhig noch extremer sein.

ZEIT ONLINE: Die Szene, in der sich Arthur die Hand absägt, ist ziemlich grenzwertig.

Gedeck: Naja, aber das Ganze ist eine Komödie. Ich finde es wesentlich grenzwertiger, wenn ich zusehen muss, wie jemand im abendlichen Krimi zu Tode geprügelt wird. Es gibt ein paar Szenen in der Serie, bei denen man sich gefragt hat: Kann man das dem Zuschauer zumuten? Aber so wie es jetzt umgesetzt wurde, ist es absolut okay.

ZEIT ONLINE: Die TNT-Produzentin Anke Greifeneder sagte während der Dreharbeiten zu ZEIT ONLINE, Humor sei für sie die "Königsklasse". War es auch für Sie als Schauspielerin eines der schwierigsten Genres?

Gedeck: Es hat viel mit Timing zu tun, du musst mit deinem Partner Pingpong spielen. Mit Jan Josef Liefers ging das ganz leicht, er war ein tolles Gegenüber. Auch mit Michael Klammer, der meinen Polizistenkollegen spielt, war es wunderbar. Es macht einfach großen Spaß, mal über die Stränge zu schlagen und etwas zu machen, was total daneben ist.

ZEIT ONLINE: Arthur und Martha hassen sich, er versucht im Laufe der Serie mehrmals, sie umzubringen. Sehen Sie auch den tragischen Aspekt Ihrer Figur?

Gedeck: Die griechische Tragödie lebt ja davon, dass man seinem Schicksal zu entgehen versucht. Genau das tut Martha. Sie weiß von Anfang an, dass ihr etwas passieren wird. Und dann stoßen ihr wirklich die unglaublichsten Dinge zu: Sie wird bedroht, sie ertrinkt beinahe. In dem Versuch, ihrem Schicksal zu entrinnen, wird sie immer bösartiger und skrupelloser. Es ist eine Freude, Martha dabei zuzusehen, wie sie darum kämpft, ihre Würde und ihr Dasein zu bewahren. Für mich ist Arthurs Gesetz eine Serie über den Kampf um den Traum vom Glück.

"Arthurs Gesetz" läuft ab 31. August auf Entertain TV, dem Streamingangebot der Telekom. Ende 2018 wird die sechsteilige Serie auf TNT Comedy ausgestrahlt.