Der größte Witz an der Dunja-Hayali-Sendung im ZDF zu den rassistischen Aufwallungen in Chemnitz ist, dass sie praktisch in reflexiver Abwesenheit der Person geschieht, die ihr den Namen gibt und sie moderiert. Zu Beginn befragte Hayali – durchaus eine Art Statement – den gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagierten Musiker Samy Deluxe (fünf Euro ins Sandra-Maischberger-Phrasenschwein: "Toll, dass Sie bei uns sind") zu seinen Erfahrungen mit dem Thema.

Und Samy Deluxe beschrieb in einer Mischung aus Abgegessenheit und nicht unerreichbarem Wissen, dass er wieder und wieder von überraschten Journalisten gefragt würde, woher denn das jetzt alles komme, der Rassismus und der Rechtsextremismus. "Überwiegend wollen die Reporter von mir Betroffenheitsstatements", sagte der Musiker über die Geschichtsvergessenheit von Medien, die doch, wie er treffend erklärte, eigentlich zur Weltvermittlung zwischen Wirklichkeit und Endkonsumentin da seien.

"Darüber wollen wir nachher noch sprechen", befand Hayali mit der zweiten Sandra-Maischberger-Floskel (fünf Euro ins Phrasenschwein!) – und hielt Wort, weil Samy Deluxe am Ende der gerade 45-minütigen Sendung tatsächlich noch einmal erklären musste, wie das für ihn so ist. Kann man noch weniger auf das hören, was einem die Leute sagen, bei denen man sich angeblich so freut, dass sie in der Sendung zu Gast sind?

Pseudodynamische Gänge durchs Studio

Immerhin wird so hübsch das Problem der Form von – kann man das eigentlich noch sagen? – Journalismus illustriert, wie solche Talkshows ihn vorstellen. Es geht einer Sendung wie Dunja Hayali fast nie um inhaltliche Auseinandersetzung, um Erkenntnisinteresse, um den Versuch, etwas zu verstehen und zu durchdenken, sondern immer nur ums Abhaken von vorher festgelegten Plotpoints, die das Ganze scheinbar fesch aufbereiten.

Dunja Hayali ist durchformatiert bis zur Besinnungslosigkeit: die pseudodynamischen Gänge durchs Studio, die wechselnden Gesprächssituationen, die dramatisch-souverän angekündigten Einspielfilme – selbst Samy Deluxe muss mitten im siebenminütigen Talk, den er sich schon mit dem als Neonaziaussteiger annoncierten Ingo Hasselbach teilen muss, unterbrochen werden, damit die Zuschauerinnen mal kurz hören, welche Musik er überhaupt macht. Permanent ist Action, wobei die Action immer nur so tut, als würde sie sich für irgendetwas interessieren. Eigentlich will sie nur Action sein.

Dabei hat die Show mit Hayali schon eine Moderatorin, die – würden das Plasberg, Maischberger, Illner machen? – immerhin nach Chemnitz fährt, um sich ein Bild der Lage zu machen. Aber selbst die journalistische Wochenendschicht wird nur an die billigen Darbietungseffekte der Presenterreportage verhökert.

Der Film, den Hayali von der Reise mitgebracht hat und der gleich nach dem Samy-Deluxe-Auftaktgeplänkel eingespielt wird, zeigt vor allem: Hayali. Hayali hier, Hayali da, Hayali, wie sie sich von den sogenannten besorgten Bürgern anbrüllen lässt. Ein Clip aus dem Geiste des Selfies: Wie in einem Instagram-Album wird die Moderatorin vor verschiedenen Hintergründen gezeigt. Was Hayali an spezifischen Wahrnehmungen gemacht, was sie am Ort des Geschehens Neues erfahren haben könnte, ist wumpe.