Die Fernsehlandschaft hat sich im vergangenen Jahr verändert: Trumps Präsidentschaft, die #MeToo-Debatte, die Diskussionen um Diversität vor und hinter der Kamera. Die Emmy-Verleihung 2017 war ein guter Gradmesser dafür: ein umstrittener Auftritt von Trumps ehemaligem Pressesprecher Sean Spicer und zahlreiche Preise für Parodien auf den Präsidenten machten die Verleihung zur Polit-Show.

Ganz anders die Verleihung der diesjährigen 70. Emmys. Es war ein unbeschwerter, skandalfreier Abend, ohne Trump und weitestgehend ohne #MeToo. Hannah Gadsby, eine australische Comedienne, die mit ihrem Netflix-Spezial Nanette für Furore gesorgt hatte, machte Witze über Männer, allerdings ohne die #MeToo-Bewegung direkt anzusprechen. "Ein Niemand wie ich (...) bekommt diesen Gig nur, weil ich Männer nicht mag", sagte sie und fügte gleich hinzu: "Das ist natürlich ein Witz, Jungs. #NotAllMen."

In diesem Jahr ging alles um Diversität, die Diskriminierung oder das gänzliche Fehlen von Minderheiten im Showgeschäft. Die Saturday-Night-Live-Veteranen Kate McKinnon und Kenan Thompson begannen mit einem Sketch darüber, dass es bei den diesjährigen Emmys die vielfältigsten Nominierungen aller Zeiten gebe. Schließlich sei mit Sandra Oh die erste Amerikanerin asiatischer Herkunft nominiert, was bedeute, dass das Problem der Diversität gelöst sei. In den Song und Tanz zu Yap! We solved it! We solved it! reihte sich dann noch Ricky Martin ein – bis schließlich der Comedian Andy Samberg aufkreuzte und sang: "Gibt es in diesem Song Platz für einen heterosexuellen Weißen wie mich?"

Nach dieser schrecklichen Eröffnungsnummer ging man kurz zu den Skandalen um sexuelle Belästigung in Hollywood über. Gastgeber Colin Jost und Michael Che begrüßten die "vielen kreativen und talentierten Menschen in Hollywood, die noch nicht erwischt worden sind". Es gab auch ein paar Seitenhiebe gegen Roseanne, eine Serie, "die abgesetzt wurde und von weißen Nationalisten wieder aufgenommen wurde". Moderator Michael Che präsentierte außerdem die, wie er sie nannte, Reparations-Emmys: In einem vor der Show aufgenommenen Video verlieh er Preise an schwarze Schauspieler und Schauspielerinnen, die in der Geschichte der Auszeichnung betrogen worden seien, darunter Marla Gibbs, Jimmy Walker, Kadeem Hardison und Jaleel White.

Das Thema Diversität steht bei den Emmys schon seit einigen Jahren weit oben auf der Agenda. Die Anzahl nicht weißer Nominierter steigt seit 2014 stetig. In diesem Jahr waren es 38 Schauspielerinnen, Schauspieler und TV-Gastgeber und damit "die ethnisch vielfältigsten Emmys, die es je gab", wie Hayma Washington, der Vorsitzende der Television Academy betonte.

#EmmysSoWhite?

Unter den Preisträgerinnen und Preisträgern war von Diversität allerdings nicht viel zu bemerken. Sandra Oh war zwar für ihre Rolle in Killing Eve in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie nominiert worden – aber die Trophäe ging an Claire Foy, die Queen Elizabeth in der Netflix-Serie The Crown spielt. Es war die letzte Chance für die Britin, den Emmy für diese Rolle zu gewinnen, bevor sie sie nun an Olivia Colman abgibt. Diese Tatsache könnte zu ihrem Sieg beigetragen haben.

An einer Stelle scherzte der britische Comedian James Corden sogar: "Vielleicht sollten wir einen neuen Hashtag starten: #EmmysSoWhite" – nervöses Lachen im Publikum. Es dauerte lange, bis die erste schwarze Schauspielerin auf die Bühne geholt wurde. Regina King gewann in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie für ihre Rolle in dem Netflix-Drama Seven Seconds und schlug damit die Favoriten Laura Dern, die als Missbrauchsopfer in dem HBO-Film The Tale – Die Erinnerung (mitproduziert von der Berliner One Two Films, unterstützt von ZDF, arte und dem Medienboard Berlin-Brandenburg) brilliert hatte.