Schnauzer. Bis zur Ära modischer Zitate waren sie wirklich noch Statements. Überhaupt – die Körperbehaarung. Bevor die Männerwelt begann, sich andauernd Beine, Brust und Achseln zu rasieren, brachte ihr ungezähmter Wildwuchs etwas Grundsätzliches, irgendwie Atavistisches zum Ausdruck: Testosteron im Überfluss, zum Beispiel. Brustbehaarung war sogar dann sozial satisfaktionsfähig, wenn sie dem Fahrer spritfressender Sportboliden aus dem offenen Polyesterhemd suppte. Für echte Kerle waren die Siebziger ein fantastisches, beschwingtes, sorgloses Jahrzehnt. Und für einen von ihnen ganz besonders: Burt Reynolds.

Niemand trug den Schnauzer mit größerer Nonchalance als der bestbezahlte Schauspieler jener Glanzzeit des Actionkinos. Niemand grinste dabei so unverschämt cool unterm Stetson hervor wie der Sohn eines irischstämmigen Polizeichefs im sonnigen Florida. Niemand bewies selbst splitterfasernackt auf dem Bärenfell des Cosmopolitan eine ähnlich dickfellige Selbstironie. Und niemand, um den größten Filmerfolg des angehenden Superstars zu zitieren, war ein derart ausgekochtes Schlitzohr wie Reynolds. 

Ein multifunktionales Mannsbild mit Charme, Sex, Humor und Köpfchen

Als Teenager will er noch Footballprofi werden. Eine Knieverletzung zwingt ihn Mitte der Fünfziger zur Planänderung. Reynolds übernimmt kleinere Film- und Stuntrollen. Für ein Theaterstipendium geht er nach New York, spielt in Italowestern, Kriegsfilmen, Gangsterepen, Erotikklamotten und einer Unzahl an TV-Serien vornehmlich härtere Jungs mit weicherem Kern und macht Gehversuche als Regisseur. 1972 feiert er seinen Durchbruch im preisgekrönten Abenteuerdrama Beim Sterben ist jeder der Erste – als Großstädter auf Kanutour, der es im amerikanischen Hinterland mit einer Gruppe rückständiger Rednecks zu tun kriegt.

Burt Reynolds, so scheint es damals, könnte der neue Kirk Douglas werden – ein multifunktionales Mannsbild mit Charme, Power, Sex, Humor, Köpfchen und bei aller Maskulinität viel Gefühl. Gleichzeitig ist er sich auch nicht zu schade, sein offensiv ausgestelltes Ego zu persiflieren, wie zum Beispiel in Mel Brooks Silent Movie.

Doch Reynolds schlägt eine andere Richtung ein: Von seiner damals populärsten Rolle als smarter TV-Ermittler Dan Oakland wird er 1977 zum Schrecken der Kinolandstraße. In Hal Needhams Actionkomödie Ein ausgekochtes Schlitzohr spielt er die Rolle seines Lebens: den leichtsinnigen Trucker Bo "Bandit" Darville, dessen rasante Jagd nach Abenteuer, Spaß, Gerechtigkeit und Liebe weder Tempolimits noch Absperrgitter, geschweige denn die Polizei respektiert. Unter dem Originaltitel Smokey and the Bandit spielt der Film mit 300 Millionen US-Dollar nicht nur das 70-fache seiner Produktionskosten ein; er besiegelt auch das berufliche Schicksal seines Hauptdarstellers. Mit Anfang 40 im besten Hollywoodalter ist Reynolds fortan fast unablässig als liebenswerter Hallodri vom Highway on the road zu sehen, der unterm Cowboyhut nur kurz die Stirn in Falten legen muss, damit ihm jede Frau zu Füßen liegt.

Im Ringen mit korrupten Cops, stets gut gelaunt, trotz aller Eigenliebe verblüffend uneitel, aber umso begehrenswerter, bildet dieser Figurentypus den hedonistischen Gegenpart zum einsamen Wolf des Independentfilms. Zwischen Blaxploitation, Punk-Bewegung und politischer Krise wird Reynolds zum erfolgreichsten Darsteller seiner Generation – und nicht zuletzt zum unangefochtenen Sexsymbol, dem Kolleginnen wie Sally Field ebenso verfallen wie die Tennislegende Chris Evert. Das Image des smarten Posterboys mit Herz, Schnauze und Benzin im Blut scheint ihn unangreifbar zu machen. Doch Mitte der Achtziger verdunkeln sich die Wolken.