Die Fernsehserie Lindenstraße wird eingestellt. Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD habe sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags entschieden, teilte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in Köln mit. Die letzte Folge soll im März 2020 laufen.

Der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Volker Herres, sagte: "Diese Entscheidung hat sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD nicht leicht gemacht. Denn die Lindenstraße ist eine Ikone im deutschen Fernsehen, die uns seit Jahrzehnten begleitet." Sie sei "Spiegelbild der Geschichte und Entwicklung unserer Republik". Sie habe Akzente gesetzt, die prägend bleiben würden – "ein Verdienst engagierter, leidenschaftlicher Macher."

Weiter sagte Herres, man müsste jedoch auch "nüchtern und mit Bedauern feststellen": Das Zuschauerinteresse und unvermeidbare Sparzwänge seien nicht vereinbar mit den Produktionskosten für eine solch hochwertige Serie.

Die Lindenstraße läuft seit dem 8. Dezember 1985 wöchentlich am Sonntagabend. Hunderte Schauspieler und Zehntausende Komparsen waren bisher zu sehen. Die Außenkulisse der Lindenstraße ist 150 Meter lang und befindet sich auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd. Für die Dreharbeiten stehen ständig 100.000 Requisiten zur Verfügung.

Die Serie wurde von Hans W. Geißendörfer erfunden und wird inzwischen von dessen Tochter Hana betreut. Sie sorgte gerade in ihren Anfangsjahren immer wieder für öffentliche Debatten, etwa durch das Thematisieren von Homosexualität. Die Macher der Serie hatten zum Ziel, "realitätsnah die Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens und deren Entwicklung" widerzuspiegeln. Mit provokanten Geschichten sollten Diskussionen angeregt werden, "Schicksale und Geschichten des bundesrepublikanischen und gesamtdeutschen Lebens" erzählt werden.

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn sagte: "So sehr der Abschied auch schmerzt, können doch alle Beteiligten sehr stolz sein, denn sie haben mit der Lindenstraße geschafft, was keiner anderen deutschen Serie gelungen ist: über Generationen hinweg mitten aus dem Alltag der Menschen heraus große gesellschaftliche und politische Themen abzubilden."

Die Lindenstraße stehe für politisches und soziales Engagement, für Meinungsfreiheit, Demokratie, gleiche Rechte für alle und Integration, sagten Geißendörfer und seine Tochter Hana, die seit 2015 ebenfalls als Produzentin der Serie verantwortlich ist, dem Mediendienst DWDL. "Wir sind bestürzt und können nur unser Unverständnis zum Ausdruck bringen, dass die ARD es offenbar nicht mehr als ihren Auftrag sieht, die Serie fortzusetzen, zu deren Kern es gehört, diese Haltung zu vertreten." Das sei besonders in Zeiten von Rechtsruck und Ausländerfeindlichkeit wichtiger denn je.